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Podcast "Die Diagnose": Überbleibsel aus der Zeit im Mutterleib - warum ein Junge immer wieder Bauchschmerzen hatte

Er übergibt sich, ihm ist schwindlig und er klagt über heftige Bauchschmerzen: Ein Zehnjähriger leidet seit zwei Jahren unter wiederkehrenden und rätselhaften Symptomen. Ein Ultraschall bringt schließlich Licht ins Dunkel.

Blass und schwach liegt der Junge in der Notaufnahme eines Hamburger Krankenhauses. Seine Mutter ist bei ihm und berichtet den Ärzten, was sich zu getragen hat: Ihr Sohn habe plötzlich heftige Bauchschmerzen bekommen und sich mehrfach übergeben. 

Mutter und Sohn kennen die Symptome. Die krampfartigen Bauchschmerzen kommen alle sechs bis acht Wochen wieder. Dem Jungen wird dabei schwindelig, er erbricht sich fünf- bis sechsmal. Die Schmerzen halten ein bis zwei Tage an und bessern sich schließlich. Meist hat der Junge im Anschluss Durchfall. Danach ist der Spuk beendet, ehe die Beschwerden in wenigen Wochen wiederkehren. Zweieinhalb Jahre geht das nun schon so. 

Was fehlt dem Kind?

Wegen der merkwürdigen Beschwerden waren Mutter und Sohn schon mehrfach bei einer Kinderärztin. Sie hat Blut und Stuhl des Jungen untersucht, aber nichts Auffälliges feststellen können. Auch beim HNO-Arzt war der Junge bereits - wegen des Schwindels, der die Bauchschmerzen begleitete. Doch auch hier: kein Ergebnis.

Axel Othmer - damals noch Oberarzt der Sektion für Kinderchirurgie an der Asklepios Klinik Nord - vermutet zunächst eine Blinddarmentzündung als Ursache für die Beschwerden. Doch ein Restzweifel bleibt: Eine Blinddarmentzündung könnte zwar die akuten Beschwerden erklären - nicht aber die vergangenen zweieinhalb Jahre mit Erbrechen und Schmerzen. Der Kinderarzt tastet den Bauchraum des Jungen ab und spürt eine Verhärtung im rechten Mittel- und Unterbauch. Als nächstes untersucht er den Bauch mithilfe eines Ultraschalls. Und er wird fündig.

Überraschung beim Ultraschall

Auf dem Bildschirm entdeckt der Mediziner ein auffälliges Muster: eine kreisrunde Form, die einer Schießscheibe ähnelt. In der Fachsprache wird sie als Kokarde bezeichnet. Der Arzt hat nun einen konkreten Verdacht, was dem Jungen fehlen könnte. Doch das Leiden tritt vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auf, bei Kindern im Schulalter ist es selten. Der Junge wird operiert. Während des Eingriffs entdecken die Ärzte schließlich den wahren Verursacher für die quälenden Bauchschmerzen.

Othmer arbeitet mittlerweile als Kinderarzt und Kinderchirurg am Asklepios Gesundheitszentrum Wilhelmsburg in Hamburg. In der neuen Folge des stern-Podcasts "Die Diagnose" schildert er den Fall ausführlich. Der Podcast erscheint exklusiv auf Audio Now. Hier können Sie ihn sich anhören.

Bislang sind in der Reihe erschienen:

  • Gefährlicher Engpass: Eine Frau hat Schmerzen im Kreuz, läuft unsicher und verletzt sich immer häufiger bei Stürzen. Ein Arzt stellt fest, was seit Jahren versäumt wurde
  • Schleichender Verfall: Ein Maurermeister leidet plötzlich an Fieberschüben. Schließlich wird das Herz immer schwächer. Die Ärzte wissen keinen Rat und gehen vom Schlimmsten aus. 
ikr

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