Sexualität Der Mann und sein Ding


Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrem Sexleben. Vielleicht fehlen das Wissen oder die richtigen Worte. Wir fangen an mit dem Mann und seinem Glied: Wie wird es richtig gewartet und gepflegt, wie bekommt es, was ihm gut tut?
Von Stephan Zimprich

Die Potenz macht's

Für viele Männer ist die eigene Potenz eine zentrale Maßeinheit fürs Selbstbewusstsein. Mit der Fähigkeit zur Erektion steht und fällt auch ihr männliches Ego, sie beeinflusst Lebenseinstellung, Persönlichkeit und Verhalten. Wer zwischen den Beinen nichts mehr spürt, der fühlt sich minderwertig und unvollständig.

Bei der Frage, ob "er" bei Bedarf groß und stark werden kann, spielt auch der Vergleich mit anderen Männern eine Rolle. Untersuchungen zeigen: Bei einem Wettkampf wird der Gewinner für seinen Kampfgeist mit erhöhter Testosteron-Ausschüttung belohnt, die Libido und Potenz reguliert. Beim Verlierer sinkt der Spiegel des Sexualhormons dagegen deutlich ab.

Doch: Für längere Bindungen bevorzugen Frauen nicht die hypermaskulinen Testosteronbomber, sondern Männer mit eher weiblicheren Gesichtszügen.

Wartung und Pflege

Ob aufgepumptes Alphamännchen oder Frauenversteher: Die tägliche Wäsche mit klarem Wasser oder pH-neutraler Seife ist ein Muss. Dabei die Vorhaut zurückziehen und Eichel, Rillen und Falten gründlich ausspülen, damit auch das Smegma entfernt wird - die käsige Absonderung unter der Vorhaut, die aus Talg der Vorhautdrüsen und abgestorbenen Hautzellen besteht.

Nach dem Waschen sollte alles gut abgetrocknet werden, vor allem die faltigen Bereiche unter der Vorhaut. So haben es Pilze und Bakterien schwerer, sich festzusetzen. Für die Optik kann der Griff zum Rasierer lohnen. Das gute Stück wirkt ohne Wildwuchs drum herum deutlich länger.

Pannendienst

Kein Mann kann immer, schließlich ist er keine Maschine, und die Anforderungen von Job und Familie lassen die Leistungskurve gern mal einknicken. Die wichtigste Regel lautet dann: Don't panic. Wer ständig ans Versagen denkt, ist erst recht unentspannt. Stattdessen sollte man die Seele baumeln lassen und sich Zeit zu zweit nehmen. "Ob es nun klappt oder nicht, beim Sex ist das Spielerische wichtig", sagt Ulrike Brandenburg, Sexualtherapeutin aus Aachen.

Will "er" dann immer noch nicht, darf auch nachgeholfen werden, um das männliche Ego wieder auf Vordermann zu bringen. Mittel wie Viagra und Cialis bergen allerdings Risiken und Nebenwirkungen und sollten deshalb nur in Absprache mit einem Arzt genommen werden.

Rostschutz

Für den Erhalt der Leistungsfähigkeit kann man einiges tun. Eine ausgewogene Ernährung beugt unerwünschten Schwächezuständen vor. Sport treibt den Testosteronspiegel in die Höhe. Schlecht fürs Gemächt sind Alkohol und Zigaretten: Raucher leiden doppelt so häufig unter Impotenz wie Nichtraucher.

Aber die Lust auf die Lust hängt nicht nur vom Lebensstil ab. Psychologen haben festgestellt, dass Männer zwischen 40 und 50 oft in eine Krise geraten. Stress im Beruf und die Anforderungen der eigenen Familie sorgen für tote Hose im Bett. Die gute Nachricht: Danach geht es meist wieder aufwärts. Männer ab 50 erleben ihre Sexualität oft noch einmal neu - und das entspannter und selbstbewusster als in jungen Jahren.

Handbetrieb

Die regelmäßige Inbetriebnahme ist wie ein Ölwechsel für das gute Stück. Sie sorgt für ausreichend Testosteron und spült die Gefäße mit Blut und Sauerstoff - ob das nun zu zweit oder allein passiert, ist egal. "Die Maschine muss am Laufen bleiben", sagt Oswalt Kolle, einst Großmeister der Aufklärung, mit inzwischen 77 Jahren.

Gerade das Testosteron ist wichtig, denn herrscht Knappheit, sterben Muskelzellen des Schwellkörpers ab und werden in Bindegewebe umgewandelt - und das ist Gift für jede Erektion. Außerdem beugt regelmäßiger Handbetrieb Prostatakrebs vor.

Vorsicht könnte allerdings bei allzu großer Routine geboten sein: Manche Forscher vermuten, dass man sich mit der immer gleichen Masturbationstechnik selbst konditioniert und beim Paar-Sex nur schwer einen Orgasmus bekommt. Ein wenig Abwechslung kann also auch bei der Selbstbefriedigung nicht schaden.

Off Road

Wer speziellere Wünsche beim Sex ausprobieren möchte, sollte das vorher besprechen. Das mag zunächst schwer fallen. Doch nach den Erfahrungen der Sexualtherapeutin Brandenburg kann es sich lohnen: "Sich zu trauen, einander sexuelle Wünsche und Fanta-sien mitzuteilen, kann eine Beziehung durchaus beleben und inspirieren, auch wenn es sich manchmal zunächst komisch anfühlt."

Die meisten Männer lieben Blowjobs - und etliche Frauen bekommen Würgreiz, wenn sie nur daran denken. Dabei liegt es an den Männern, die Fellatio auch für die Partnerin angenehm zu machen, nicht zuletzt durch Hygiene: Wer nimmt schon gern einen Körperteil in den Mund, der schon von weitem unangenehm riecht? Ohne Rücksprache sind drängende Hände auf Hinterkopf oder Nacken tabu - es ist nicht unbedingt angenehm, einen erigierten Penis weit in den Rachen gepresst zu bekommen. Schon die Höflichkeit gebietet dem Mann, anzukündigen, wenn es so weit ist: Nicht jede Frau steht auf diese Extraportion Eiweiß.

Einfühlungsvermögen ist auch beim Analverkehr angebracht. Manche Männer mögen Sex durch die Hintertür, weil es dort so schön eng ist. Die Gegend um den Schließmuskel ist allerdings bei vielen Menschen Tabuzone.

Viel Vertrauen ist nötig, um dem Partner das Eindringen zu gestatten. Und auch dann sollte er sich davor und dabei viel Zeit lassen: Mit ein paar Fingerübungen oder einem kleinen, weichen Dildo gewöhnt es sich leichter an die ungewohnte Berührung. Reichlich Gleitmittel gehört zu jeder Erkundung dazu, sonst wird's schnell schmerzhaft. Damit Kondome nicht porös werden, sollte das Gel auf Silikon- oder Wasserbasis hergestellt sein.

Ein Präservativ zu benutzen empfiehlt sich in jedem Fall, denn die Verletzungs- und damit auch Infektionsgefahr ist beim Analverkehr wesentlich höher als beim vaginalen Sex, und auch hygienische Erwägungen sprechen dafür. Soll anschließend noch die Vagina ins Spiel kommen, sollte vorher das Kondom entfernt oder gewechselt werden.

Cabrio oder Coupé?

Beschneidungen (medizinisch: Zirkumzisionen) werden seit Tausenden von Jahren durchgeführt. Früher waren es hauptsächlich religiöse Motive, heute wird der Eingriff häufig auch mit besserer Hygiene begründet. Einen echten Grund für die Beschneidung gibt es allerdings zumindest in der westlichen Welt nicht mehr: Dank gestiegener Hygienestandards hat sich das Gesundheitsargument weitgehend erledigt.

Es bleibt der alte Streit, ob Sex mit oder ohne Vorhaut besser ist. Unterschiedlich ist er in jedem Fall. Fest steht, dass eine beschnittene Eichel im Alltag größeren Reizungen ausgesetzt ist und mit der Zeit unempfindlicher gegen Berührungen wird. Für Männer, die beim Sex häufig ein wenig zu früh kommen, kann das ein Grund für eine Beschneidung sein. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass man sich mit der Vorhaut auch einer erogenen Zone entledigt: In dem ungefähr 75 Quadratzentimeter großen Stück Haut stecken rund 80 Meter lustvolle Nerven und gut 1000 Nervenenden, zudem schützt und befeuchtet die Vorhaut die Eichel.

Übrigens: In den USA sind schätzungsweise 85 Prozent aller Männer beschnitten, in Deutschland sind es maximal fünf Prozent. Den meisten Frauen jedoch ist die Vorhaut-Frage völlig egal: Vier Fünftel haben keine Vorlieben für die eine oder andere Form.

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