Sprechstunde Wann kommt der Hund von der Barmer?


Fast jeder kennt den ISH, den inneren Schweinehund. Unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen weiß, was ihn überwinden hilft: ein äußerer SH, ein echter, am besten von der Kasse bezahlt.

Wissen Sie noch, was Sie sich für dieses Jahr an guten Vorsätzen vorgenommen haben? Nicht? Sie sind in guter Gesellschaft. Alkohol hat in unserm Hirn die gleiche Wirkung wie ein Absturz beim Computer: Die letzten Änderungen werden nicht abgespeichert. Und so können sich die wenigsten am 2.1. überhaupt erinnern, was sie sich vor dem Feiern ganz ernsthaft vorgenommen haben, für ab SOFORT.

Dieses Jahr zu Silvester war ich mit meinem Vorsatz sehr umweltbewusst. Ich habe einfach den vom letzten Jahr wiederverwendet, ein Motto von Mark Twain: Ehe ein Mann versucht, seine Feinde zu lieben, sollte er seine Freunde erst einmal besser behandeln. Ich liebe die Menschheit, aber liebt die Menschheit auch mich? Und warum ist es so viel einfacher, jemand anderen zu lieben als sich selbst? Nur weil ich mich besser kenne? Wäre ich nicht in meinem Körper gefangen, ich hätte mich schon öfter verlassen! Rausch ist Trennung auf Zeit.

Start in den Tag verschweinehunzen

Auf Dauer können nicht nur wir selbst nicht aus unserer Haut, wir kriegen auch unseren Mitbewohner nicht vor die Tür: den ISH, den inneren Schweinehund. Zum Beispiel morgens, wenn ich aufstehen will, zwingt er mich, nur für ihn noch etwas liegen zu bleiben. Der innere Schweinehund hat auch einen Verbündeten in der Weckerindustrie: die Snooze-Taste. Sie ist die perfekte Art, sich den Start in den Tag zu verschweinehunzen. Du drückst dich vor dem Aufstehen, indem du die vielversprechende Taste drückst, die den Alarm unterbricht - nur um fünf Minuten später erneut mit dem gleichen nervigen Ton daran erinnert zu werden, dass auch Snoozen irgendwann vorbei sein muss - zum Beispiel nach den nächsten fünf Minuten. Zack. Noch mal draufhauen.

Was so schmusig nach Lebensqualität klingt, ist in Wirklichkeit der sichere Weg, den ganzen Tag genau diesen Minuten hinterherzuhetzen. Wer beim Weckerklingeln liegen bleibt, beginnt den Tag mit einer Niederlage. Glück ist eine Überwindungsprämie, sagt mein Lieblingstrainer Jens Corssen immer. Der Tag entscheidet sich an der Bettkante. Die Spanier sagen, wenn sie morgens zu spät kommen: "Das Laken hat sich an meinem Körper festgeklebt" - und sprechen grammatikalische Wahrheit: Morgens ist der Mensch eine Passivkonstruktion.

Gerade in den Wintermonaten fehlt einem oft eines der wenigen wirksamen Argumente gegen den ISH, die Sonne. Es ist schwer, ins Graue aufzustehen. Bei etlichen Deutschen wächst sich der Lichtmangel zur handfesten Winterdepression aus. Kein Wunder. Auf Glück geeicht wurde unser Nervensystem an der Wiege der Menschheit. Und die stand dummerweise in Äquatornähe. Wer aber wird selten von der "saisonalen Stimmungsstörung" gebeutelt? Hundebesitzer! Warum? Weil sie drei Antidepressiva automatisch bekommen: Licht, Bewegung und soziale Kontakte.

Du hast immer einen, der zuhört

Einmal um den Block, und du hast selbst bei bedecktem Himmel genug Lux getankt, um dem Hirn zu verraten: Jetzt ist Tag, komm in die Gänge. Ein paar Schritte an der Hundeleine heben die Herrchenlaune. Du hast immer einen, der zuhört, und egal in welchem Zustand du nachts nach Hause kommst, wedelt da jemand mit dem Schwanz. Das ist bei Mensch-Mensch-Kontakt sehr selten.

Eigentlich brauchtest du ja keinen echten Hund für all diese positiven Effekte. Aber wer geht schon morgens mit dem ISH Gassi? Der Schweinehund liegt neben uns und in unseren Ohren: "Bleib im Bett!" Genau in dem Moment brauchst du den äußeren Schweinehund. Der macht eine klare Ansage: Du stehst jetzt auf, oder ich kack dir den Teppich voll! Das ist beste Verhaltenstherapie. Ein "Dich-aus-dem-Bett-Boxer" oder ein Pekinese auf dem Sofa können wirksamer sein als viele Jahre auf der Analytikercouch. Warum kommt keine Krankenkasse auf die Idee, dass es billiger ist, Stimmungslabilen ein Jahr lang die Hundesteuer zu bezahlen als einen Tag in der Klinik? Wann kommt der Dackel von der Barmer? Oder ein Rottweiler von Ratiopharm?

Müsste ich den Kassen eigentlich mal schreiben, mach ich gleich morgen, direkt nach dem Aufstehen. Ganz sicher. Also spätestens übermorgen. Gesundheit!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker