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Stern Logo Medizin und Psychologie - Wege aus der Sucht

Exzessives Bräunen untersucht: Süchtig nach dem Solarium

Wer fast jede Woche in ein Sonnenstudio geht, ist möglicherweise süchtig. Dies vermuten US-Forscher, die in einer Studie Studenten nach ihrem Bräunungsverhalten befragt haben.

Dass Sonnenbank-Besuche das Hautkrebsrisiko steigern, hält viele nicht vom Bräunen ab

Dass Sonnenbank-Besuche das Hautkrebsrisiko steigern, hält viele nicht vom Bräunen ab

Das Solarium kann süchtig machen: Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher, die eine Studie mit 421 Probanden durchgeführt haben. Häufiges Sonnen dient demnach nicht nur einem gebräunten Teint, sondern soll auch für bessere Stimmung sorgen. Die Nutzer zeigten damit ähnliche Symptome wie zum Beispiel Alkoholiker, meinen die Wissenschaftler.

Für die im Fachblatt "Archives of Dermatology" veröffentlichte Studie untersuchten die Wissenschaftler am Memorial Sloan-Kettering Krebszentrum und der Universität von Albany (US-Bundesstaat New York) 421 Studenten, darunter 229, die im vergangenen Jahr Solarien besucht hatten. Im Durchschnitt waren sie innerhalb eines Jahres 23 Mal auf der Sonnenbank. Die Wissenschaftler wandelten zwei Fragebögen ab, die sonst fürs Abklopfen auf eine Alkohol- oder Drogensucht eingesetzt werden. Gefragt wurde beispielsweise: "Haben Sie versucht, weniger Zeit im Solarium verbringen und finden sich trotzdem wieder beim Bräunen?"; "Ärgern Sie sich, wenn andere Ihnen sagen, Sie sollten nicht unters Solarium gehen?" oder "Glauben Sie, Sie müssen mehr Zeit auf der Sonnenbank verbringen, damit Sie die perfekte Bräune behalten?"

48 Prozent zeigten Anzeichen von Sucht

22 Prozent fielen bei beiden Fragebögen in die Sucht-Kategorie, 26 Prozent nur bei einem - sie zeigten also zumindest süchtige Tendenzen. Die Solariumssüchtigen berichteten häufiger, unter Angstzuständen oder einer Depression zu leiden. Es ist bekannt, dass diese Störungen bei Alkoholikern und Drogensüchtigen öfter auftreten als im Bevölkerungsdurchschnitt. Zudem gaben 42 Prozent der Sonnenbankabhängigen an, im vergangenen Monat zwei oder mehr Arten von Drogen - unter anderem Marihuana, Kokain oder Amphetamine - genommen zu haben. Bei den Solariumsbesuchern, die als nicht süchtig eingestuft wurden, waren es, ebenso wie bei den Sonnenbank-Abstinenzlern, nur 16 Prozent. Die Ergebnisse sind mit etwas Vorsicht zu betrachten, da zum einen die Probandengruppe nicht sehr groß war und zum anderen nur US-Studenten befragt wurden. Ob das Ergebnis auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar ist, weiß man nicht.

Obwohl nahezu 100 Prozent der Befragten glaubten, dass sie durchs Bräunen Hautkrebs bekommen können, hielt sie das nicht von weiteren Solariumsbesuchen ab. Die Forscher überlegen daher, wie sich die Menschen vom Bräunen abbringen lassen. Falls sich ihre Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, sei es sinnvoll, einen kurzen Test auf Angststörungen oder Depression bei Menschen durchzuführen, die sich häufig bräunen. So könnten die, bei denen tatsächlich ein psychisches Problem vorliege, zu einem Facharzt überwiesen werden.

bub
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