HOME

Krankheit Sexsucht: Wenn Lust zur Last wird

Tiger Woods soll die Sexsucht angetrieben haben. Jesse James, Sandra Bullocks Ehemann, angeblich auch. Aber was ist eigentlich Sexsucht? Und wie wird sie behandelt?

Von Nina Bublitz

Ob es tatsächlich Sexsucht war, die Jesse James dazu gebracht hat, Sandra Bullock zu betrügen, lässt sich aus der Ferne unmöglich beantworten. Seit dem Bekenntnis von Golfprofi Tiger Woods, er leide an Sexsucht, mag diese als eine Art Mode-Krankheit erscheinen. Eine praktische Diagnose, die für den Promi sogar als Entschuldigung dienen kann. Schließlich ist es ein Kennzeichen des Süchtigen, dass er die Kontrolle über seine Handlungen verloren hat. In einer teuren Klinik kann er diese wieder erlernen - und geläutert wieder in die Gesellschaft aufgenommen werden.

Tatsächlich aber ist Sexsucht alles andere als glamourös, sondern ein psychisches Problem, das das gesamte Leben der Betroffenen überschattet. Viele Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Sexualität zu kontrollieren, verschulden sich, weil sie immer wieder zu Prostituierten gehen. Sie verheimlichen ihrem Partner, dass sie Stunden vorm Rechner verbringen, wo sie das Internet nach Pornographie durchforsten. Sie masturbieren, bis sie wund sind, verpassen wichtige Termine oder Prüfungen, weil sie sich stundenlang in sexuellen Phantasien verlieren. Sie wandern von einem One-Night-Stand zum nächsten - und riskieren die eigene Gesundheit und die der anderen, falls sie keine Kondome benutzen.

Doch nicht jeder, der oft Sex hat, ist gleich gestört. Es zeigen sich klare Unterschiede. Süchtige leiden unter ihrem Verhalten. Denn sie landen unweigerlich wieder im Bordell, befriedigen sich wieder selbst vorm Rechner, obwohl sie sich vornehmen, sich zu ändern. Und nach dem kurzen Kick schämen sie sich, fühlen sich wertlos. Das Ausleben ihrer Sexualität ist nicht Lust, sondern Belastung.

Sexsucht ist ein männliches Problem

Männer sind mindestens drei- bis fünfmal so oft betroffen wie Frauen. "Aus der Erfahrung in unserer Ambulanz würde ich sogar vermuten, dass die Männerquote noch höher ist", sagt Peer Briken vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie an der Hamburger Uniklinik. Wie viele Menschen in Deutschland sexsüchtig sind, lässt sich nicht sagen, es hat schlicht noch niemand untersucht. Streng medizinisch fehlt sogar die Diagnose. In der ICD-10, der internationalen Klassifikation von Krankheiten, findet Sexsucht nicht statt. Ob an dieser Stelle überhaupt von "Sucht" gesprochen werden sollte, ist ein Streitthema unter Wissenschaftlern. Zur Sucht gehört nach der klassischen Definition eine Substanz: Drogen oder Alkohol also. Kaufzwang, die vergleichsweise gut erforschte Spielsucht, Internetsucht und ähnliche Störungen werden daher wie sämtliche Verhaltenssüchte behelfsweise unter "abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle" oder im Fall der Sexsucht "Sexualstörungen ein" eingeordnet.

Trotz des Streits um die genaue Definition ist klar, dass es Menschen gibt, die ihre Sexualität nicht unter Kontrolle haben und deswegen behandelt werden müssen. Oft schleppen die Betroffenen weitere psychische Probleme mit sich herum, das ist durch verschiedene Studien bekannt. Rund 40 Prozent der Sexsüchtigen sind depressiv, eine Angststörung haben ebenfalls rund 40 Prozent. Fast jeder Dritte ist abhängig von Alkohol oder Drogen. Viele sexsüchtige Frauen leiden an einer Essstörung.

Das passiert in der Therapie

Sexsucht wandelt sich mit der Zeit. Während sich betroffene Männer vor ein paar Jahren noch bei Telefonhotlines verschuldet haben, ist nun der exzessive Konsum von Internet-Pornographie das häufigste Problem, berichtet Institutsleiter Briken.

Unabhängig von der genauen Ausprägung der Sexsucht - das Ziel einer Behandlung bleibt dasselbe. "In der Therapie helfen wir Menschen, von einem sexuell zerstörerischen Verhalten wegzukommen und gleichzeitig zu einer erfüllten, gesunden Sexualität zu finden", sagt Psychotherapeut Kornelius Roth, der seit Jahren sexsüchtige Patienten behandelt und ein Buch über das Thema geschrieben hat ("Sexsucht - Krankheit und Trauma im Verborgenen"). Es braucht meist ein bis zwei Jahre, um das Verhalten im Rahmen einer Psychotherapie zu ändern. Damit die Krankenkassen zahlen, wird oft eines der anderen vorhandenen Probleme - etwa die Depression - als Behandlungsgrund angegeben. In der Therapie wird zu Beginn ergründet, unter welchen Umständen sich die Störung Bahn bricht. Sind es bestimmte negative Gefühle, die so verdrängt werden? Bilden wiederkehrende Konfliktsituationen den Ausgangspunkt für die Flucht ins Sexuelle? "Es bietet sich zudem an, bestimmte Auslöser einzuschränken", erklärt Briken. Etwa den Zugang zum Internet für eine Weile kappen, damit der Sexsüchtige nicht wieder auf Porno-Seiten landet. Später lernen die Betroffenen, mit negativen Gefühlen klarzukommen, damit sie sich nicht mehr in sexuellen Eskapaden verlieren, sobald sie zum Beispiel ängstlich, wütend oder traurig werden. Und schließlich wird auch an der Beziehungsfähigkeit gearbeitet. Denn die Betroffenen suchen zwar mit aller Macht körperlichen Kontakt, sind jedoch meist nicht in der Lage, wirkliche Nähe zuzulassen. Auch nach den Ursachen wird geforscht. Misshandlungen oder sexueller Missbrauch in der Kindheit könnten das sein, aber auch ein generell schwieriger Umgang mit Sexualität - etwa, wenn sie im Elternhaus stark tabuisiert wurde.

Kornelius Roth rät seinen Patienten, zusätzlich zur Therapie eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Die Anonymen Sex- und Liebessüchtigen arbeiten nach dem 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker. Gerade, weil viele Betroffene mit Einsamkeit zu kämpfen hätten, seien die Gruppen so hilfreich, erklärt Roth. Das Programm, das sich auf eine spirituelle Basis stützt, sei allerdings nicht jedermanns Sache. Wer teilnehme, verbessere die Chance sein Problem zu überwinden deutlich. Zahlen darüber existieren, ebenso wie über die Erfolgsaussichten einer Therapie, leider nicht. Dafür ist die Sexsucht einfach noch nicht gut genug erforscht. Aber vielleicht wird das ein oder andere Promi-Bekenntnis daran ja etwas ändern.

Wissenscommunity

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.