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Teil 3: Erkältung

Egal, zu welcher Jahreszeit: Eine Erkältung, saisonal auch Sommergrippe genannt, kann einem das Leben verleiden. Mit Hausmitteln und Medikamenten lassen sich die Beschwerden immerhin lindern.

Durchschnittlich dreimal im Jahr erwischt es den Erwachsenen: Die Nase trieft, schwillt an, ist rot - Schnupfen. Und mindestens einmal wächst der sich zur deftigen Erkältung aus. Es kratzt der Hals, das Schlucken schmerzt, es bellen die Bronchien, schmerzen die Glieder. Der ganze Körper ist von lähmender Mattigkeit befallen.

Egal, ob Juni oder Januar, fast immer stecken Viren dahinter, die durch Händeschütteln oder Tröpfcheninfektionen übertragen wurden. Gelingt es ihnen, das Immunsystem zu bezwingen, weil es - wie "Erkältung" schon sagt - nach einer allzu kühlen Sommernacht, durch Nässe oder Zugluft geschwächt ist, haben die Abwehrkräfte keine Chance: Die Viren vermehren sich auf den Schleimhäuten und lösen, je nach individueller Empfindlichkeit, Beschwerden in den oberen oder unteren Atemwegen aus.

Kostengünstige und effektive Hausmittel

Eine sich anbahnende Erkältung oder Sommergrippe ist entgegen allen Werbeversprechen der Pharmaindustrie auch mit Medikamenten nicht mehr aufzuhalten, sie lässt sich nur auskurieren. Und so dauert ein Schnupfen wie eh und je mit Arznei eine Woche und ohne sieben Tage. Eine virale Halsentzündung heilt normalerweise ebenfalls in Wochenfrist, Husten spätestens nach zehn Tagen von selbst ab. Um die Zeit besser zu überstehen und die Beschwerden zu lindern, gibt es allerdings wirksame Hausmittel. Die sind in jedem Fall kostengünstiger, häufig auch effektiver als frei verkäufliche Medikamente aus der Apotheke.

Die wichtigste Empfehlung bei Erkältungsbeschwerden wie Halsweh, Schnupfen und Husten: Trinken Sie mindestens zwei bis drei Liter Tee oder Mineralwasser pro Tag. Die zusätzliche Flüssigkeit befeuchtet die angegriffenen Schleimhäute in Nase, Hals oder Bronchien und unterstützt dadurch das Schleimlösen. Frische Zimmerluft - mehrmals täglich lüften, feuchte Handtücher über die Heizkörper hängen - verbessert gleichzeitig Raum- wie Atemklima.

Speichelproduktion erhöhen

Schmerzt der Hals, hilft Gurgeln mit lauwarmem Salzwasser (ein Teelöffel auf 0,5 Liter Wasser), Kamillen- oder Ringelblumentee - nur richtig dosierter Arzneitee ist wirksam, mit Billig-Beutelchen kommt man nicht weit -, denn die Lösung spült die mit Viren durchsetzten Beläge auf Mund- und Rachenschleimhaut ab. Husten- oder Halsbonbons wirken weniger aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, sondern vor allem, weil sie die Speichelproduktion verstärken - und Speichel enthält körpereigene Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger. Desinfizierende Antiseptika-Mittel aus der Apotheke können gegen Viren nichts ausrichten. Schlimmer noch: Sie setzen den natürlichen Schutzmechanismus der Mund- und Rachenschleimhaut aus gesunder Bakterienflora außer Gefecht und wirken daher doppelt kontraproduktiv.

Ein bewährtes Hausmittel bei Schnupfen sind Kopfdampfbäder. Lösen Sie dafür in einer Schüssel Salz oder Kamillenblüten (eventuelle Allergien beachten!) in einem Liter kochendem Wasser, decken Sie Kopf und Schultern mit einem Handtuch ab und atmen Sie die aufsteigenden Dämpfe möglichst heiß durch die Nase ein. Vorsicht, nicht verbrennen! Das löst den Schleim. Auch Nasensprays, -salben oder -gele mit schleimhautabschwellenden Wirkstoffen aus der Gruppe der Alpha-Sympathomimetika (etwa Tramazolin oder Naphazolin) machen die Nase wieder frei. Diese Mittel dürfen jedoch nur wenige Tage und maximal dreimal täglich angewendet werden. Bei häufigerem Gebrauch verengen sie die Blutgefäße und schädigen die Schleimhaut langfristig!

Heuschnupfen und Husten

Trieft die Nase jetzt in der Pollenflugzeit, ohne weitere Erkältungssymptome, dafür begleitet von häufigem Niesen und Jucken in der Nase, den Augen oder auf der Haut, leiden Sie womöglich an einem allergischen Schnupfen (Heuschnupfen). Um die Diagnose zu sichern, sollten Sie einen Allergietest beim Facharzt machen.

Husten ist bei Gesunden ein wichtiger Schutzreflex, mit dem sich die Atemwege fremder Eindringlinge wie Staub oder Keimen zu entledigen versuchen. Mit Hilfe der Flimmerhärchen und des Schleims aus der Bronchialschleimhaut - 100 Milliliter produziert ein gesunder Mensch täglich - werden die Partikel einfacher abtransportiert. Bei einer Erkältung entzündet sich die Bronchialschleimhaut, sondert ein zähes Sekret ab und behindert die Flimmerhärchen beim Schleimtransport. Dadurch entsteht zu Beginn der Erkältung ein trockener Hustenreiz, der nach zwei, drei Tagen, auf dem Höhepunkt der Entzündung, "produktiv" wird: Der Schleim kann und soll wieder abgehustet werden.

Abhusten nicht verhindern

Hustenstiller aus der Apotheke, die trockenen Reizhusten dämpfen, sind daher nur sinnvoll, solange sich der Schleim noch nicht gelöst hat. Danach verhindern sie das notwendige Abhusten und sollten nur ausnahmsweise eingenommen werden, etwa um nachts trotz des Hustens einschlafen zu können. Feuchte Raumluft, heiße Dämpfe (siehe oben) und warme Wickel mit Lavendel oder Zitrone auf den Bronchien unterstützen die Schleimbildung, ebenso Arzneitees mit ätherischen Ölen und Inhaltsstoffen von Fenchel, Lindenblüten, Eibisch oder Eukalyptus.

In der Apotheke finden Sie sekretlösende Mittel auf pflanzlicher Basis (mit Myrtol, Efeu oder Thymian) sowie synthetische Präparate mit den Wirkstoffen Ambroxol oder Acetylcystein. Manche Medikamente enthalten Alkohol und sind für Leberkranke und Kinder ungeeignet. Auch pflanzliche Kombinationen, die Kampfer enthalten, sind nichts für Kinder, da sie bei einer Überdosierung schwere Nervenschäden verursachen können.

Virenschleudern: Bitte im Bett bleiben!

Scheuen Sie sich auf keinen Fall, während ihrer Erkältung das Bett zu hüten oder sich zumindest zu schonen. Zum einen dürften auf Virenschleudern alle Kollegen und viele Rendezvous-Partner gerne verzichten. Zum anderen besteht besonders bei anfälligen Menschen wie etwa Rauchern die Gefahr, dass sich auf den vorgeschädigten Schleimhäuten Bakterien ansiedeln. Folge sind oft Entzündungen der Mandeln (Tonsillitis oder Angina), Nasennebenhöhlen (Sinusitis), Bronchien (Bronchitis) oder eine Kombination aus allen dreien - mit wesentlich stärkeren Symptomen als bei einem viralen Infekt.

Leiden Sie stärker und länger als für eine Erkältung üblich, sollten Sie einen Arzt konsultieren, damit keine chronischen Beschwerden entstehen. Versuchen Sie auf keinen Fall, Ihre Beschwerden auf eigene Faust mit noch vorhandenen Antibiotika-Beständen zu kurieren. Die helfen bei viralen Infekten nicht und müssen bei einer bakteriellen Entzündung vom Arzt auf den jeweiligen Verursacher angepasst werden, damit sich auf lange Sicht keine Antibiotika-Resistenzen entwickeln.

Sanft schnauben

Auch Nase putzen will gelernt sein! Wer mit kräftigem Trompeten gegen das Triefen kämpft, befördert womöglich Schleim und Viren durch den Druck statt nach unten hoch in die Nebenhöhlen. Die bieten Bakterien einen lauschigen Nährboden, und so kommt es häufig zu einer Sinusitis. Besser: Halten Sie immer ein Nasenloch zu und schnauben das Sekret sanft durch das andere aus.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Peter Mitznegg, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Katja Trippel / print
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