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Teil 6: Verbrennungen

Im Sommer haben Verbrennungen Saison: Von oben sengt die Sonne, unten glüht der Grill. Zu langes achtloses Liegen am Strand oder ein falscher Griff - schon schlägt die Haut Blasen.

Grillen gehört zum Sommer. Frönen kann man dieser Leidenschaft auf zweierlei Weise: mit einem kalten Bier in der Hand und Würstchen auf dem Rost. Oder spärlich bekleidet am Strand. Ungefährlich ist beides nicht. Da reicht ein linkischer Griff ans heiße Metall oder ein zu langes Nickerchen in der Sonne - und schon hat man sich verbrannt.

Egal ob Gluthitze oder UV-Strahlung, ein Zuviel an Energie zwingt den besten Schutzschild in die Knie. Auch unsere Haut. Ist ein bestimmtes Maß an Temperatur oder Strahlung überschritten, tragen ihre Zellen schwere Defekte im Erbgut davon oder werden gar abgetötet. Unser Körper reagiert auf diesen Angriff entsprechend heftig: Die Durchblutung im verbrutzelten Gewebe wird hochgefahren, Immunzellen wandern ein, um möglichst schnell zerstörtes Gewebe zu beseitigen. Die Haut entzündet sich, wird rot, quillt auf - und brennt und juckt dazu.

Kühlen, kühlen, kühlen - aber nicht mit Eis

Wie schlimm die Reaktion auf die Verbrennung ausfällt, hängt vom Ausmaß der Zerstörung ab: Ist nur die oberste Hautschicht angegriffen, handelt es sich um eine Verbrennung ersten Grades. Hier bleibt es meist beim Tomateneffekt, der allerdings erst Stunden nach der Hitze- oder Strahleneinwirkung sein Maximum entfaltet und tagelang anhalten kann. Sind tiefere Zellschichten betroffen, beginnt die Wunde zu nässen und wirft Blasen. Solche Verbrennungen zweiten Grades sind schon bedenklich, können aber noch von selbst heilen - wenn sie keine großen Hautpartien betreffen und keine Gefäße oder Nerven zerstört sind. Letzteres prüft man am besten, indem man mit zusammengebissenen Zähnen und sauberem Finger auf die betroffene Fläche drückt. Verschwindet die Rötung kurzzeitig und tut der Druck sehr weh, sind Äderchen und Nervenendigungen intakt - es handelt sich "nur" um eine 2a-Verbrennung.

Wie schwer die Läsion auch sein mag und ganz gleich, woher sie rührt, die wichtigste Sofortmaßnahme ist Kühlen, Kühlen, Kühlen. Und zwar möglichst ausdauernd, ein bisschen Pusten genügt nicht. Denn solange die Temperatur in der Haut noch oberhalb von 52 Grad Celsius liegt, werden in ihr die Eiweiße zerstört. Und das "Nachglühen" oberhalb dieses kritischen Werts kann ohne Behandlung bis zu 40 Minuten dauern. Am besten führt man die Hitze mit kalten Umschlägen oder fließendem kaltem Wasser ab. Von Eis als Kühlmittel ist abzuraten, weil zur Verbrennung sonst noch eine Erfrierung kommen kann. Falls zum Beispiel der Arm verbrannt ist, reicht es aus, nur ihn zu kühlen. Kalte Vollbäder sind bei lokalen Verbrennungen zu viel des Guten und können eine Unterkühlung zur Folge haben.

Kühl, trocken und keimfrei halten

Ist die gepeinigte Haut fürs Erste behandelt, gilt es, sie weiter kühl, trocken und keimfrei zu halten. Selbst Verbrennungen ersten Grades - auch durch die Sonne - brauchen ein bis zwei Wochen, bis sie wirklich ausgeheilt sind. Das bedeutet: raus aus der Sonne, Hitze vermeiden. Schmerzen oder Juckreiz lassen sich durch Gele oder Lotionen lindern. Bei Sonnenbrand haben Body- oder Après-Produkte mit viel Feuchtigkeit zwar einen angenehm kühlenden Effekt, besser sind aber medizinische Gele und Lotionen, die auch noch Antihistaminika wie Dimetinden oder Bamipin enthalten. Sie eignen sich für alle Verbrennungen ersten Grades. Reichen diese Wirkstoffe nicht aus, gibt es - auch ohne Rezept - zahlreiche niedrig dosierte Hydrokortisoncremes zu kaufen, die den Entzündungsprozess dämpfen und so ebenfalls lindernd wirken.

Dieselben Präparate bieten im Übrigen auch bei Sonnenallergien schnelle Hilfe. Die häufigste Sonnenallergie ist die polymorphe Lichtdermatose. Sie kann jeden treffen, der starke Sonneneinstrahlung nicht gewohnt ist. Oft werden Emulgatoren und Konservierungsstoffe in Sonnenkosmetika für die juckenden Quaddeln und Bläschen verantwortlich gemacht, die genaue Ursache ist aber nicht bekannt. Die Bezeichnungen "hypoallergen" und "allergiegetestet" auf speziellen Sonnenschutzmitteln sind deshalb irreführend. Auch wenn diese Cremes meist weniger Stoffe enthalten und damit auch weniger allergisches Potenzial besitzen als andere - eine Garantie für unbeschwertes Dauersonnenbaden sind sie nicht. Und wenn es dann doch passiert ist: Neben den genannten Antihistaminika und Kortison hat sich bei der Sonnenallergie unter anderem Kalzium in hohen Dosen als nützlich erwiesen - auch wenn die Wissenschaft hier ebenfalls nicht so recht weiß, warum.

Unterschied zwischen LSF und SPF beachten

Schützt bei der klassischen Hitzeverbrennung allein große Vorsicht vor dem Desaster, kann man Schäden durch die Sonne doch immerhin vorbeugen. Es gelten die bekannten Regeln: Mittagssonne meiden, die Strahlenmenge ganz langsam steigern, bloß nicht in der Sonne schlafen. Beta-Carotin-Kapseln, vier Wochen lang vor dem ersten Sonnenbad geschluckt, sorgen für eine etwas schnellere Anpassung der Haut. Einschmieren muss man sich natürlich trotzdem immer.

Beim Kauf des Sonnenschutzmittels reicht es aber nicht aus, nach der Flasche mit der höchsten Ziffer zu greifen. Anstelle des Lichtschutzfaktors LSF, mit dem man seine Eigenschutzzeit multipliziert, ist neuerdings nämlich oft der amerikanische Sunprotection Factor SPF angegeben, und der liegt bei gleicher Schutzwirkung etwa doppelt so hoch. Heißt: Mit SPF 12 kann man nicht zwölfmal, sondern nur sechsmal so lange in der Sonne bleiben wie uneingeschmiert. Ein Detail, das brennende Folgen haben kann.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Peter Mitznegg, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Kathrin Zinkant / print
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