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Therapie: Sich den Stress von der Seele schreiben

Briefschreiber, Tagebuchverfasser und Hobbyautoren wissen es und können deshalb nicht davon lassen: Schreiben hilft dabei, die Gedanken und Gefühle zu ordnen, sich Erleichterung zu verschaffen und Abstand zu seinen Problemen zu gewinnen.

Briefschreiber, Tagebuchverfasser und Hobbyautoren wissen es und können deshalb nicht davon lassen: Schreiben hilft dabei, die Gedanken und Gefühle zu ordnen, sich Erleichterung zu verschaffen und Abstand zu seinen Problemen zu gewinnen. Außerdem geben Schreibende der eigenen Kreativität Raum. Auch viele Poesietherapeuten setzen auf die Heilkraft des Schreibens für die Seele.

Schreiben ist nicht jedermanns Sache. So manchem wurde das Schreiben im Deutschunterricht gründlich verleidet, als es darum ging, Gedichte zu interpretieren oder Erlebnisberichte zu verfassen. Doch Schreiben aus freien Stücken kann auch großen Spaß machen und in verschiedenen Lebensphasen und Stimmungen dazu beitragen, Krisen zu überwinden. Schon Jugendliche nutzen das Schreiben, wenn sie beispielsweise lange Briefe an ihre Freunde verfassen oder ihre intimsten Gedanken und Gefühle einem Tagebuch anvertrauen. Dabei hat das weibliche Geschlecht die Nase vorn: »Mädchen schreiben häufiger Tagebücher als Jungen«, weiß die Frankfurter Psychologieprofessorin Inge Seiffge-Krenke. Das Tagebuch nimmt dabei nicht selten die Stelle eines engen Freundes ein, der zuhört und absolut verschwiegen ist. Die Jugendlichen lernen durch das Schreiben, sich auszudrücken und sich ihrer Gefühle bewusst zu werden. Es hilft ihnen außerdem bei der Rollen- und Selbstfindung, sagt Seiffge-Krenke.

Schreiben als Therapie

Auch Therapeuten machen sich die heilsamen Effekte des Schreibens zunutze. So werden z.B. magersüchtige Patienten dazu angeregt, Briefe, Erzählungen und Gedichte zu schreiben. Aus diesen Schriftstücken versuchen Therapeuten herauszulesen, welche Gefühle die Patienten bewegen und wie sie sich selbst sehen. Eine weitere Übung stellt das Schreiben eines Berichts aus einer fremden Perspektive dar, etwa aus dem Blickwinkel eines Körperteils, eines Gegenstands oder einer anderen Person. Der Perspektivenwechsel sensibilisiert die Patienten und eröffnet ihnen neue Möglichkeiten, sich selbst und ihre Probleme zu sehen.

Schreiben hilft beim Nachdenken

Aber Schreiben ist auch etwas für jeden gesunden Menschen, der generell Freude an der Sprache und am schriftlichen Ausdruck hat. Indem er seine Geschichten, Ängste und Träume zu Papier bringt, kann er sich alles von der Seele schreiben und sich entlasten. Doch Schreiben bewirkt noch mehr: Es zwingt dazu, intensiver nachzudenken, es macht Gefühle bewusst, und es hilft dabei, Lebenskrisen zu bewältigen. Und schließlich kann es auch ein beglückendes Gefühl sein, durch das Schreiben die eigene Kreativität und Schaffenskraft zu erleben. (ms)

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