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So funktioniert der Körper: Wieso wirkt Kaffee abführend? Und warum nicht bei jedem?

Eine Tasse Kaffee am Morgen bringt bei vielen Menschen den Stoffwechsel in Schwung. Woran liegt das eigentlich? Und warum ist das nicht bei jedem so?

Ein Informationsschild auf dem eine Toilette und eine Kaffeetasse abgebildet sind

Eine Tasse Kaffee und schon arbeitet es im Darm auf Hochtouren. Wieso treibt uns Kaffee auf die Toilette?

Viele können nicht ohne sie: die Tasse Kaffee am Morgen. Nicht nur Morgenmuffel schwören auf die belebende Wirkung - viele Menschen schätzen das Heißgetränk vor allem wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung. 

Kaffee wird ja so einiges nachgesagt. So soll regelmäßiger Kaffeekonsum das Herzinfarktrisiko senken, den Körper vor oxidativem Stress schützen und die Konzentration erhöhen. Recht gut belegt ist mittlerweile aber tatsächlich, dass Kaffee eine abführende Wirkung auf manche Menschen hat. Doch was genau bewirkt der Deutschen Lieblingsgetränk, dass es im Verdauungstrakt so gut läuft?

Was Kaffee im Magen bewirkt

Über den wohl bekanntesten Bestandteil des Kaffees, das Koffein, lägen bereits viele Hinweise auf eine verdauungsfördernde Wirkung vor, sagt Ernährungswissenschaftlerin Birgit Warnecke vom Deutschen Kaffeeverband e.V.. So wisse man etwa, dass Koffein die Produktion von Magensäure anrege. Diese zersetzt den Speisebrei, bevor er in den Darmtrakt rutschen kann.

Ein Auslöser für die Säureproduktion ist das körpereigene Hormon Gastrin, das durch das Koffein zusätzlich angeregt wird. Gastrin wird freigesetzt, sobald Essen in den Magen gelangt, wo es unter anderem beim Abbau von Nahrungseiweißen hilft und die verdauungsfördernde Muskelkontraktion der Magenwand anregt. 

Fazit 1: Kaffee sorgt dafür, dass Nahrung im Magen schneller zersetzt und in den Darm abgegeben wird.

Verdauungsvorgänge im Darm 

Ist der Speisebrei vom Magen in den Darmtrakt gelangt, muss er sich seinen etwa  fünf Meter langen Weg bis zum Ausgang bahnen. Das wird mithilfe der Darmkontraktion bewerkstelligt. Kaffee rege diese wellenförmige Muskelkontraktionen der Dickdarmwand zusätzlich an, erklärt Warnecke. 

Die anregende Wirkung macht sich im Übrigen auch die Medizin zunutze: "Ärzte setzten Kaffee als mildes Stimulans bei Patienten nach einer Dickdarmentfernung ein, um die Darmtätigkeit anzuregen und einen Darmverschluss zu verhindern", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin.

Fazit 2: Dank Kaffee wandert die Nahrung schneller durch den Darm. 

Effekte auf die Gallenblase

Der ebenfalls im Kaffee enthaltene Chlorogensäure wird auch eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Sie rege unter anderem den Gallefluss an. Die Galle ist eine Flüssigkeit, die in der Leber produziert und nach der Nahrungsaufnahme in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet wird. Dort sorgt sie vor allem dafür, dass Fett verdaut wird. 

Auch ein anderer Effekt sorgt nach dem Kaffeetrinken für eine Stimulierung der Gallenblase: das Verdauungshormon Cholecystokinin. Es lässt die Gallenblase kontrahieren, was die Galleproduktion begünstigt. Cholecystokinin ist zudem für die Ausschüttung wichtiger Verdauungsenzyme verantwortlich. Kaffee wiederum sorgt dafür, dass noch mehr von diesem Hormon gebildet wird.

Fazit 3: Kaffee regt die Tätigkeit der Gallenblase an.

Harntreibende Wirkung

Während nicht alle Menschen von einer abführenden Wirkung des Kaffees berichten können, ist eine volle Blase nach Kaffeegenuss quasi garantiert. Denn Koffein erhöht kurzzeitig die Filterfunktion der Niere, sodass mehr Urin gebildet wird. Doch dieser Effekt lässt schnell wieder nach. Die Behauptung, Kaffee entziehe dem Körper Wasser, ist mittlerweile widerlegt: Über den Tag gerechnet scheiden wir 84 Prozent der Flüssigkeit eines Kaffees wieder aus. Trinken wir pures Wasser, sind es 81 Prozent. Ein Unterscheid, der also kaum ins Gewicht fällt. Als Durstlöscher empfiehlt sich Kaffee dennoch nicht.

Fazit 4: Kaffee geht auf die Blase, entzieht dem Körper aber kaum Wasser. 

Wenn Kaffee abführend wirkt, macht er dann schlank?

Schwarzer Kaffee ist praktisch kalorienfrei und erhöht durch die Ankurbelung des Stoffwechselns den Grundumsatz leicht. "Ob das jedoch zum Abnehmen reicht, ist nicht so eindeutig", sagt Ernährungsexpertin Warnecke. Auch die bereits erwähnten Chlorogensäuren sollen über verschiedene Mechanismen für einen schlankmachenden Effekt verantwortlich sein. "Es gibt hierzu einige vielversprechende Studien, die unter anderem eine antidiabetische Wirkung der Chlorogensäuren im Tiermodell zeigen konnten. Außerdem sollen die Chlorogensäuren nach einer Mahlzeit für eine verlangsamte Aufnahme von Zuckern ins Blut sorgen", so Warnecke. Doch auch hierzu müsse noch weiter geforscht werden. 

Fazit 5: Kaffee wirkt zwar abführend und erhöht den Grundumsatz leicht, aber einen Beleg, dass man dadurch abnimmt, gibt es nicht.

Warum wirkt Kaffee nicht bei jedem gleich?

Laut Warnecke spielt bei der Wirkung von Kaffee die Genetik eine wichtige Rolle. Zum einen seien die Menschen unterschiedlich ausgestattet, was die Adenosin-Rezeptoren anbelangt. An diese Rezeptoren dockt das Koffein an, um seine Wirkung zu entfalten. Zum anderen schrieben unsere Gene auch vor, ob wir zu den sogenannten schnellen oder langsamen Koffein-Abbauern gehören. Dies wiederum läge an einer unterschiedlichen Ausstattung verschiedener Enzymsysteme in der Leber. 

Fazit 6: Ob und wie stark uns Kaffee zur Toilette treibt, liegt  in den Genen.

mh
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