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Coronakrise WHO-Chef lobt Corona-Kommission in Schweden: "Andere Länder sollten davon lernen"

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
© Fabrice Coffrini/KEYSTONE / DPA
Schweden ist wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie häufig kritisiert worden. Nun kam ausgerechnet vom WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus Lob: Das Land hat eine Corona-Kommission eingerichtet. Etwas, von dem andere Staaten lernen sollten.

Dass Schweden einen anderen, laxeren Kurs im Kampf gegen das Coronavirus fährt, ist mittlerweile den meisten bekannt. Das skandinavische Land setzt mehr auf Aufklärung statt auf Restriktionen. Restaurants blieben etwa offen, eine Maskenpflicht gab es nicht. Für diesen eingeschlagenen Weg hagelte es aber auch von vielen Seiten Kritik, besonders aus der Wissenschaft. Von den Kritikern werden allen voran die Zahlen angeführt: Mehr als 5400 Menschen – vor allem Senioren – sind an den Folgen von Covid-19 gestorben, mehr als 73.000 Infektionen wurden in dem 10-Millionen-Einwohner-Land registriert.

Lob für schwedische Corona-Kommission

Da überrascht es schon fast, dass jetzt Lob von der Weltgesundheitsorganisation WHO kam, nämlich vom Chef höchstpersönlich. Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Sonntag der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet": "Schweden hat etwas sehr Wichtiges getan, von dem andere Länder lernen sollten." Mit diesem "sehr Wichtigen" meint der WHO-Chef die Untersuchung, die Schweden eingeleitet hat, um seine Corona-Strategie zu bewerten. "Die WHO schätzt diese Initiative."

Schweden hat vergangene Woche eine Untersuchungskommission eingerichtet, die den Umgang des Staates mit der Coronakrise überprüfen soll. Es soll auch untersucht werden, wie das Coronavirus nach Schweden gelangt ist und sich dort verbreitet hat. Die Ergebnisse werden Anfang nächsten Jahres erwartet.

Tedros fügte hinzu, dass die schwedische Regierung in einer Situation "ihr Bestes gegeben" habe, in der kein Land sicher war, wie man mit der Pandemie umgehen sollte. Und: "Die Zahl der Todesopfer in Schweden erreichte im April ihren Höhepunkt. Seitdem sind sie stetig zurückgegangen und waren in der letzten Woche am niedrigsten. Dies ist sehr ermutigend." 

Schweden von WHO als Risikoland eingestuft 

Ende Juni noch hatte die WHO Schweden gemeinsam mit zehn weiteren Staaten wegen der hohen Infektionszahlen als Risikoland eingestuft, ruderte dann aber nach Kritik von Schwedens Staatsepidemiologen Anders Tegnell teilweise zurück. Die WHO bezeichnete daraufhin die Ausbreitung des Virus in dem Land als stabil, wie die schwedische Zeitung "Aftonbladet" berichtete. Die WHO schrieb demnach in einer Pressemitteilung, dass "die schwedische Regierung die Tests verstärkt hat" und dass sich dies in der Statistik neuer Fälle widerspiegele. Von der Liste gestrichen wurde Schweden aber nicht.

Ein weiteres Lob bekommt das skandinavische Land vom Leiter der Katastrophenbereitschaft der WHO, Mike Ryan. Er betonte zwar, dass die hohen Sterblichkeitsraten in Schweden problematisch sind und insbesondere der R-Wert noch nicht gesenkt wurde. Aber laut Ryan weiß die WHO zu schätzen, dass Schweden "die Unsicherheit offen anerkennt", welche Strategie die beste sei – und dass der Staat sich bei seinen Maßnahmenentscheidungen an Experten wende. "Es ist beeindruckend, wie schwedische Entscheidungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Interpretationen von Fakten und nicht auf der Grundlage politischer Interpretationen von Fakten getroffen wurden", sagte Ryan "Svenska Dagbladet".

Quellen: "Svenska Dagbladet", "Aftonbladet", WHO, Folkhälsomyndigheten

rw

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