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Tod nach Zahn-OP: Wie gefährlich sind Schmerzmittel?

Auch wenn sie in niedrigen Dosen frei verkäuflich sind: Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol können gravierende Nebenwirkungen haben. Länger als vier Tage sollten sie ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht eingenommen werden.

Schmerzmittel sind in niedrigen Dosen und kleinen Packungen frei verkäuflich. Unbedenklich sind sie deshalb nicht.

Schmerzmittel sind in niedrigen Dosen und kleinen Packungen frei verkäuflich. Unbedenklich sind sie deshalb nicht.

Dominik A., der in Hamburg bei einer Zahn-OP unter Narkose verstorben ist, hatte offenbar Angst vor dem Bohrer - und schluckte gegen seine Zahnbeschwerden jahrelang lieber Schmerzmittel, als diese behandeln zu lassen. Sie habe auf dem Fragebogen, der vor der OP auszufüllen war, angeben, dass ihr Sohn Ibuprofen und Paracetamol einnehme, sagte seine Mutter der "Hamburger Morgenpost". "Ich wies sogar darauf hin, dass es zum Teil vier bis fünf Tabletten am Tag waren."

Was bei dem 18-Jährigen letztlich zum Tod geführt hat, ist noch offen. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis sei der Tod "hochwahrscheinlich" infolge eines Herzversagens eingetreten, das durch eine Vorerkrankung des Organs sowie durch die Belastung der mehrstündigen Operation verursacht worden sei, zitiert die "Morgenpost" einen Sprecher der Staatsanwaltschaft.  Aktuell ermittele die Staatsanwaltschaft gegen den Narkosearzt.

Ob die Schmerzmittel zum tragischen OP-Ausgang beigetragen haben, ist unklar. Doch der Umgang mit den frei verkäuflichen Medikamenten ist häufig zu sorglos. "Länger als drei bis vier Tage sollten Ibuprofen und Paracetamol nicht eingenommen werden, ohne mit einem Arzt Rücksprache zu halten", sagt der Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Brüser. Eigentlich reichen die Packungen, die frei erhältlich sind, zumindest bei Paracetamol auch nur für etwa diesen Zeitraum. Um Medikamentenmissbrauch vorzubeugen, setzt sich das Bundesinstitut für Arzneimittelsicherheit (BfArm) schon seit längerer Zeit dafür ein, dass gängige Schmerzmittel in höheren Dosen und Großpackungen nur noch auf Rezept erhältlich sind. Bei Paracetamol hat das geklappt, Ibuprofen etwa ist aber nach wie vor in mittelgroßen Packungen ohne Rezept in der Apotheke zu haben. Aspirin ist generell nicht verschreibungspflichtig.

Gefahr für Leber und Niere

Wer will, findet trotz der Beschränkungen Wege, sich Vorräte zu beschaffen - und das kann gefährlich werden. "Noch glauben viele Menschen irrtümlicherweise, dass Medikamente, die frei verkäuflich sind, auch bedenkenlos in größeren Mengen und über längere Zeit hinweg eingenommen werden können", sagt Becker-Brüser. Dabei sind die Nebenwirkungen von Paracetamol und Ibuprofen längst bekannt - und sie stehen auch im Beipackzettel.

Paracetamol - in zu hohen Dosen und über längere Zeit hinweg eingenommen - kann die Leber schädigen. Schwere Haut- und allergische Reaktionen sowie eine Schädigung der Niere bis hin zum Nierenversagen sind ebenfalls möglich, wenn auch selten.

"Die empfohlene Dosis für die Einzelgabe beträgt 10 - 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht", schreibt das BfArm. "Eine Tagesgesamtdosis von 60 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht sollte nicht überschritten werden." Bei einem 70 Kilogramm schweren Mann wären das etwa 4 Gramm am Tag. Erwachsene sollten nicht mehr als 8 Tabletten je 500 Milligramm Paracetamol täglich einnehmen - wobei höchstens zwei dieser 500 Milligramm-Tabletten auf einmal geschluckt werden dürfen und zwischen den Einnahmen mindestens sechs Stunden Abstand liegen müssen.

Schmerzmittel: Lange Liste an Nebenwirkungen

Ibuprofen hat sogar eine noch längere Liste an Nebenwirkungen. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung bis hin zu Blutungen treten häufig auf, vor allem bei älteren Menschen. Das Mittel belastet die Niere. Bei schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen darf Ibuprofen nicht genommen werden. Patienten mit Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz sollten vor einer Einnahme mit ihrem Arzt sprechen. Denn es gibt Hinweise, dass das Schmerzmittel insbesondere in hohen Dosen (2400 mg/Tag) das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall leicht erhöht. "Dass das Schmerzmittel bei einem jungen Menschen ohne Vorerkrankung am Herz dieses Organ ursächlich schädigt, halte ich jedoch für unwahrscheinlich", sagt Becker-Brüser.

Ibuprofen kann sich auch auf die Blutgerinnung auswirken. Manche Kliniken empfehlen daher eine Umstellung vor der Operation. "Ich wäre mit diesem Schmerzmittel vor einem Eingriff auch vorsichtig", sagt Becker-Brüser. "Allerdings gibt es kein striktes Verbot, es vor einer Operation einzunehmen." Paracetamol beeinflusse die Blutgerinnung nur minimal bis gar nicht.

Generell gilt bei allen Schmerzmitteln: Ein zu langer und zu hoch dosierter Gebrauch kann chronische Kopfschmerzen auch auslösen. Höhere Dosen können dagegen nichts mehr ausrichten - sondern lediglich ein radikales Absetzen der Mittel.


lea

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