Terra X: Harald Lesch und die Welt in Angst
Harald Lesch zeigt, was Angst mit uns macht, wem sie nützt – und wie wir sie kontrollieren

  • von Maximilian Haase
Harald Lesch beleuchtet in seiner neuen Doku die Mechanismen der Angst.
Harald Lesch beleuchtet in seiner neuen Doku die Mechanismen der Angst.
© ZDF / Saskia Pavek
Angst kann uns beherrschen, gerade in unsicheren Zeiten wie diesen. Professor Harald Lesch ergründet in seiner neuen "Terra X"-Folge, woher sie kommt, wie sie uns verändert, wer von ihr profitiert und wie wir sie in den Griff bekommen.

Sie kommt plötzlich oder schleichend, sie setzt sich fest, lähmt und beherrscht uns: Angst ist ein Gefühl, das unser Leben einschränken und bestimmen kann. Was einst als Instinkt angesichts zahlreicher Gefahren für unser Überleben sorgte, ist in der modernen Zivilisation für viele Menschen zum Dauerzustand geworden. Inmitten einer von Kriegen, Krisen und Klimawandel geprägten Zeit erscheint "die Welt in Angst", wie nun auch Harald Lesch in seiner neuen "Terra X"-Dokumentation diagnostiziert. Was passiert mit uns, wenn wir ängstlich sind? Wie verändert uns dieser Zustand und wem nützt er? Der Professor sucht nach Antworten auf diese Fragen – und nach Wegen, die Angst zu kontrollieren.

Vor Jahrtausenden sollte sie uns vor Bedrohungen warnen, seien es wilde Tiere oder gefährliche Schluchten. Als evolutionärer Reflex, so die Erklärung der Ursprünge der Angst, sicherte sie entscheidend das Weiterkommen unserer Spezies. Heute dagegen blicken wir oft ängstlich auf eine unklare Zukunft, voll von potenziell bedrohlichen, aber kaum greifbaren Situationen. Harald Lesch zeigt anhand der Forschung auf, weshalb diese Unwägbarkeiten uns oft mehr belasten als eine klar benennbare Gefahr. Mit Blick auf unser Gehirn erklärt etwa Neurowissenschaftlerin Dr. Liya Yu, warum uns Unsicherheit am meisten zu schaffen macht, welche Menschen besonders anfällig für Angst sind – und was politische Meinungsbilder und Entscheidungen in der Politik damit zu tun haben.

Wie entkommen wir der Angstspirale?

Der Zusammenhang zwischen Angst und Politik ist im Angesicht der Weltlage wohl der aufschlussreichste Teil der ZDF-Doku. So untersucht das hochspannende Forschungsfeld der Neuropolitik, wie Genetik und Biologie auf die gegenwärtig oft diagnostizierte gesellschaftliche Spaltung wirken. Derzeit wohl ebenso viel zitiert wird die politische Instrumentalisierung der Angst, der sich Aufklärer Lesch in seinem Film ebenso ausführlich widmet: Wissenschaftliche Studien zeigen demnach auf, wie sich verschiedene Akteure die allgegenwärtige Angst zunutze machen, indem sie zuspitzen, vereinfachen und spalten. Wie werden Ängste auf diese Weise geschürt – und wer profitiert davon?

Als politisch engagierter Humanist zeigt Harald Lesch selbstredend auch mögliche Wege aus dem Dilemma auf. Zum entscheidenden Problem, wie man der (gesellschaftlichen) Angstspirale entkommt, liefert die "Terra X"-Doku unterschiedliche Lösungsansätze: Kann man sich im Privaten praktisch vor Katastrophen wappnen? Wie hilft uns der Zivilschutz? Wie schaffen wir es – Stichwort: Ambiguitätstoleranz in einer Demokratie -, Widersprüche und Unsicherheit auszuhalten und zu akzeptieren? Zusammen mit Expertin Maike Weißpflug beleuchtet Lesch auch die in der Nachkriegszeit geprägte Philosophie Hannah Arendts, derzufolge mit gemeinschaftlichem Handeln und offenem Diskurs im Angesicht der Angst handlungsfähig bleiben kann.

Terra X: Harald Lesch und die Welt in Angst – Di. 10.03. – ZDF: 22.50 Uhr

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