Ein blutverschmiertes Skalpell, ein verstörtes Mädchen und eine Geschichte, die niemand glauben will: Der Dresdner "Tatort: Nachtschatten" konfrontiert sein Publikum am 1. Januar 2026 um 20:15 Uhr im Ersten mit einem Fall, der erschreckend an reale Verbrechen erinnert.
Amanda, gespielt von Emilie Neumeister (geb. 1999), taucht mitten in der Nacht in der Dresdner Neustadt auf. Die 16-Jährige behauptet, ihr Vater habe sie und ihre Schwester Jana jahrelang in einem Keller gefangen gehalten. Doch kann das stimmen? Die Ermittler sind gespalten.
Vorbereitung mit echten Schicksalen
Für Neumeister war klar: Eine solche Rolle erfordert intensive Vorbereitung. Im Interview zum Film verrät die gebürtige Dresdnerin ihren Ansatz: "Zuerst habe ich zu einigen realen Fällen wie beispielsweise denen von Natascha Kampusch oder Jordan Turpin recherchiert, gelesen, Filme geschaut und so weiter. Dort konnte ich einige Überschneidungen zu meiner Rolle Amanda finden."
Die Parallelen sind tatsächlich frappierend. Natascha Kampusch (37) wurde im Jahr 1998 als Zehnjährige entführt und acht Jahre lang in einem Kellerverlies festgehalten. Jordan Turpin (25) gehört zu 13 Geschwistern, die von ihren eigenen Eltern jahrelang eingesperrt und misshandelt wurden. Beide Fälle erschütterten die Weltöffentlichkeit.
Eine eigene Lebensrealität erschaffen
Doch Neumeister wollte keine Kopie echter Opfer darstellen. "Am wichtigsten war für mich herauszufinden, was für Amanda anders ist und wie genau ihre ganz eigene Lebensrealität aussieht", erklärt sie. "Da sie einen großen Teil ihres Lebens in einem Keller verbracht hat, kennt sie viele für uns alltägliche Dinge nicht. Die Menschenmassen am Bahnhof oder Geräusche und Gerüche, aber auch bestimmte Wörter, die sie noch nie gehört hat."
Diese Details machen den Film so beklemmend authentisch. Regisseurin Saralisa Volm, für die "Nachtschatten" ihr erster "Tatort" ist, interessiert sich besonders für die Psychologie hinter solchen Taten: "Was bringt uns dazu böse zu sein, wütend zu sein, Freiheit zu rauben? Die meisten von uns handeln aus guter Absicht, wollen das Richtige tun, folgen einem inneren Kompass. Wenn dieser fehlgeleitet ist, landen wir schnell in der Katastrophe."
Nina Kunzendorf in rätselhafter Doppelrolle
Nina Kunzendorf (54) spielt die Frau mit dem "fehlgeleiteten inneren Kompass". Die Schauspielerin schwärmt von der Herausforderung der Rolle "Hausmeisterin / Mutter": Besonders gereizt habe sie, dass sie "eine solche Figur noch nie gespielt" hatte. "Es gibt nichts Reizvolleres für mich, als in die Haut von doppelbödigen, abgründigen, nicht sofort greifbaren Rollen zu schlüpfen - das zu spielen ist ein großes Geschenk."
Das Zusammenspiel mit ihrer Film-Tochter Neumeister bezeichnet Kunzendorf als "herrlich". Emilie sei "eine wunderbare junge Spielerin, die genau zu trennen wusste zwischen dem gruseligen Mutter-Tochter-Verhältnis, das es zu spielen galt und der respektvollen, zugeneigten und sogar humorvollen Zusammenarbeit von uns als Kolleginnen".
Gedreht wurde im April und Mai 2024 in Dresden und Leipzig. Für Neumeister ein besonderes Erlebnis: Es war ihr erster Dreh in der Heimatstadt. "Ich hatte irgendwie ein Zuhause-Gefühl", erinnert sie sich. Am Neustädter Bahnhof traf sie sogar zufällig einen alten Schulfreund unter den Komparsen.