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Auf der Hollywoodschaukel mit ... Y'Akoto: "Ich bin Afrohanseatin"

Der Sommer ihres Lebens? Y'Akoto über Flüchtlinge, Mitgefühl und die Selbstverständlichkeit, überall zu Hause zu sein.

Auf der Hollywoodschaukel: Y'Akoto: Der Sommer meines Lebens

Y'akoto wurde 1988 in Hamburg als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers geboren und war immer auf beiden Kontinenten zu Hause. Heute lebt sie in Hamburg, Lomé und Paris. Sie macht Musik, seit sie 13 ist, hat sich mit 18 zur Tanzpädagogin ausbilden lassen, veröffentlichte mit 22 ihre erste EP und ein Jahr später ihr Debütalbum "Babyblues", für das sie mit Max Herre, Samon Kawamura und Roberto di Gioia zusammenarbeitete. Die Single "Tamba", auf der sie das Schicksal eines Kindersoldaten besingt, war ein unerwarteter Erfolg, so wie das ganze Album. Mit dem Video zu "Diamonds" hat sie Style-Standards gesetzt. Das neue Werk heißt #link;moodly blues y'akoto;"Moody Blues"#.

Warum sind Sie nach dem "Babyblues" im "Moody Blues"?

Zu "Babyblues" war ich noch in einer sprunghaften Phase. Jetzt bin ich mir eher dessen bewusst, dass es zu allem eine Licht- und eine Schattenseite gibt.

"Off the Boat" hat mich sehr erwischt. Es geht darin um Bootsflüchtlinge, oder?

Es geht um Flüchtlinge überhaupt. Ich habe mich immer gefragt, was es mit einem macht, wenn man eines Tages nicht mehr zuhause sein darf: weil sich das Klima verändert, weil sich die finanzielle Situation verändert, weil vielleicht jemand stirbt. Dieses "Was wäre wenn Spiel" ist ein Teil von mir. Das ist auch mein Antrieb zu schreiben. "Off the Boat" soll die Nachrichten, die wir alle jeden Tag lesen, persönlich machen. Damit man sich weniger ohnmächtig fühlt. Wenn ich den Menschen sehe, kann ich viel mehr damit anfangen.

Es ist ein sehr zurückgenommenes Stück.

Ja, das klingt jetzt düster, aber die Stimme ist das einzige, was wir haben.

Sie haben das Glück, in zwei Kulturen aufgewachsen zu sein. Was, glauben Sie, ist das größte Missverständnis, das Europa von Afrika hat?

Ich würde es nicht Missverständnis nennen, sondern eher eine Fehlwahrnehmung. Wir alle haben ein bestimmtes Fenster, in dem uns Sachen präsentiert werden. Das sind die Medien, und die konzentrieren sich eher auf das Negative, wenn es um Afrika geht. Dagegen kann man sich nicht wehren und es auch nicht rechtfertigen. Natürlich passieren überall auf der Welt schreckliche Dinge, in Bezug auf Afrika zeigt die Berichterstattung aber fast nur diese Seite. Dabei gibt es auch eine gute. Wir erleben gerade so viel Fortschritt: in der Kultur, menschlich, in der Entwicklung der Metropolen. Darüber findet man kaum etwas. Dann kommen Künstler wie ich, die das leben, die gar nicht versuchen, darauf hinzuweisen. Diese Selbstverständlichkeit ist wichtig. Ich bin es einfach. Ich bin Afrohanseatin.

Muss Musik politisch sein?

Für mich auf keinen Fall. Aber ich will machen, was die Politik nicht schafft: Empathie hervorrufen. Ich will den Menschen etwas erzählen, ihnen sagen, was man besser machen kann, was Scheiße läuft. Wir sind ja nicht blöd. Wir sind alle super informiert. Was uns fehlt, ist ein bisschen die Vorstellungskraft und damit die Verbindung und die Verantwortung für die anderen Menschen. Wenn ich mich mit etwas identifizieren kann, betrifft es mich. Dieses Bewusstsein kann man durch Kunst ganz gut triggern.

Sind die Menschen heute weniger empathisch?

Ich kann und will diese Analyse nicht betreiben. Auf meinen Konzerten sind sie es jedenfalls nicht. Meine Zuhörer wollen das hören, die wollen einen Zugang zu Themen finden. Und wenn das durch Musik, Kunst oder Tanz möglich ist, sollte das gleichgestellt werden mit Politik.

Haben Sie eine Lieblingssommerbeschäftigung?

Am Meer sein. Da ist ein besonderer Wind. Wind ist schlecht für die Frisur, aber gut für meinen Kopf. (lacht)

Das Gespräch führte Sophie Albers Ben Chamo.

Hatten Sie ein Lieblingseis als Kind?

Ich mochte kein Eis, als ich klein war, und auch keine Schokolade. Aber dafür jetzt!

Das Gespräch führte Sophie Albers Ben Chamo

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