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"Heinz Strunk in Afrika": Litanei der Langeweile

Der Abstieg geht weiter: An den Erfolg seines Debüts "Fleisch ist mein Gemüse" konnte Heinz Strunk nie wieder anknüpfen. Auch sein neues Buch "Heinz Strunk in Afrika" ist aus humoresker Sicht eine reichlich lauwarme Suppe.

Von Dirk Benninghoff

Als er uns damals zappeln ließ, all die Jahre, und nichts mehr von sich lesen ließ nach dem grandiosen "Fleisch ist mein Gemüse", da wuchs die Vorfreude ins Unermessliche. Und als "Die Zunge Europas" endlich draußen war, Heinz Strunk uns also nach vier Jahren neuen Stoff gegeben hatte, stürmten wir die Buchhandlungen in Erwartung von 300 Seiten sensationellen Irrsinns. Doch, welche Enttäuschung: Das zweite Buch unseres Meisters konnte es mit dem heiß geliebten Erstling nicht ansatzweise aufnehmen, und als "Fleckenteufel" dann kurze Zeit später erschien, ließen wir es links liegen. Doch wir vergaben ihm, die Zeit heilte viele Wunden, und als jetzt "Heinz Strunk in Afrika" herauskam, dachten wir uns: Okay, geben wir dem "Heinzer" noch eine Chance.

Worum geht's? Strunk bricht mit seinem Kumpel C. in den Weihnachtsurlaub nach Kenia auf. Die beiden fahren jedes Jahr zusammen weg. Grundbedingung: Es muss möglichst wenig passieren, Berechenbarkeit und täglicher Gleichklang sind die entscheidenden Kriterien für einen gelungenen Urlaub. Die ganze Welt bereist und nichts gesehen, lautet das Motto. Abgesehen von einigen Turbulenzen zum Beginn ihres Trips passiert dann auch wenig - bis in Kenia Aufruhr ausbricht.

Die Story säuft 250 Seiten lang ab

Wer den Klappentext liest, muss davon ausgehen, dass das Freundespaar die Hälfte des Buches in großer Gefahr ist. Tatsächlich spielt sich das Chaos in Mombasa aber nur auf den letzten 20 Seiten ab. Davor säuft die Story fast 250 Seiten lang ab. Strunk hat nichts mitzuteilen. Ab und an provoziert seine Litanei der Langeweile mal einen Schmunzler. Die Wortwahl von C. ist bisweilen zugegeben recht amüsant. Das wars dann aber auch. Von denkwürdigen Zoten wie beim "Fleisch", die noch Jahre später aus dem Stand wiedergegeben werden können, keine Spur. So langweilig wie der Urlaub sind auch die Erzählungen darüber. Das hat Strunk wohl gemerkt und dann verzweifelt versucht, auf den letzten Seiten etwas Dramatik in die Sache zu bringen, was die Geschichte dann auch vollends absurd macht. Er muss es verdammt eilig gehabt haben, als er die Schlusspassagen aus Mombasa schrieb. Wenig durchdacht hetzt er sich selbst und C. durch das kenianische Chaos.

Die Chance hat unser alter Meister kläglich vergeben. Was bei "Fleisch ist mein Gemüse" noch so vortrefflich funktionierte, autobiografisch angehauchte Loser-Stories, haut jetzt vorne und hinten nicht hin. Strunks Trip nach Afrika ist aus humoresker Sicht eine reichlich lauwarme Suppe. In Sachen Storytelling ist der vierte Roman des Hamburgers geradezu armselig.

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