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"Wort des Jahres": Hartz schlägt sie alle

"Gefühlte Armut", "Ekelfernsehen", "Pisa-gebeutelte Nation": Alles Wörter, die dieses Jahr für Aufruhr gesorgt haben. Doch ein Wort hat die ganze Nation bewegt: "Hartz IV" - das Wort des Jahres 2004.

"Es gibt kaum einen Begriff, der in diesem Jahr so oft gebraucht wurde - zumindest in der Politik", begründete der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Rudolf Hoberg, am Freitag in Wiesbaden die Wahl der Jury. Der Name des VW-Personalvorstands Peter Hartz sei inzwischen zum Begriff für die Arbeitsmarktreformen geworden. "Auch jemand, der Herrn Hartz nicht kennt, kann sich unter Hartz IV mittlerweile etwas vorstellen", sagte Hoberg. An zweiter Stelle der Liste liegt das Wort "Parallelgesellschaften", gefolgt von dem Ausdruck "Pisa-gebeutelte Nation". Danach kommen die Begriffe "gefühlte Armut", "Ekelfernsehen", "Praxisgebühr" und "Ein-Euro-Job".

Das Wort "aufgestellt" setzten die Sprachwissenschaftler an achter Stelle auf die Liste, weil sich Politik und Wirtschaft im vergangenen Jahr immer wieder gern neu aufgestellt hätten. Aus dem Sport stammt dagegen die Wortschöpfung, die auf Platz neun landete: "Rehakles", die Kombination aus dem Fußballtrainer Otto Rehagel und dem griechischen Helden Herakles. Auf den zehnten und letzten Platz wählte die Jury das Anhängsel "& mehr", das sich in Anlehnung an englische Ausdrücke wie "Miles and More" mittlerweile auch in Deutschland immer mehr durchsetze.

Im vergangenen Jahr war "das alte Europa" zum Wort des Jahres gekürt worden. 2002 war es der "Teuro", 2001 der "11. September", im Jahr 2000 die "Schwarzgeldaffäre". Die Gesellschaft für deutsche Sprache veröffentlicht die Wörter des Jahres seit 1972 und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die "verbalen Leitfossilien" des jeweiligen Jahres zu benennen.

Anfang kommenden Jahres wird dann das Unwort des Jahres gewählt.

Reuters / Reuters
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