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Zehn Jahre Arbeitsmarktreform: Peter Hartz will Schlecker-Frauen vor Hartz IV retten

Ball paradox im Saarland: Ausgerechnet Peter Hartz will die Schlecker-Frauen vor der Arbeitslosigkeit bewahren. Mit einer Ausbildung zum "Minipreneur". Aber wer macht da schon mit?

Von Jonas Gerding

Er habe den Arbeitslosen doch nur helfen wollen, beteuerte Peter Hartz stets. Doch er erntete den Zorn der Massen: Hundertausende gingen auf die Straße, unterschrieben Petitionen und skandierten Parolen gegen ihn, den Vater der unbeliebtesten Arbeitsreform. Er hätte aufgeben können, doch er kämpft weiter, unermüdlich, und bastelt an Ideen für Jobsuchende. Im Saarland will der 71-Jährige nun saarländischen Schlecker-Frauen retten – ausgerechnet vor dem, was er selbst zu verantworten hat: Hartz IV. Aber wer glaubt, Hartz könne ihn vor Hartz bewahren? Bislang fehlen dem Projekt genug Teilnehmer, um in diesem Jahr an den Start zu gehen.

Minipreneure hat er das Projekt getauft, der Name leitet sich vom französischen Entrepreneur (Unternehmer) ab, Minipreneure sollen dann eben Kleinunternehmer sein. 2011 hat Hartz unter diesem Label schon einmal Arbeitslose geschult. Nun will er die Schlecker-Frauen fit machen. Sie hätten durchaus Karrierechancen, schwärmte Peter Hartz im Juni auf einem Pressetermin in Saarbrücken. Die Kundenerfahrung! Die Kompetenz in Sachen Drogerieprodukte! Könnten sie nicht alleine, zu zweit, oder mit mehreren eine eigene Firma gründen? Vielleicht sogar mit innovativen Konzepten wie einem Bringdienst? Die Schlecker-Frauen, die auf dem Saarbrücker Pressetermin waren, hörten gut zu. Und gingen wieder.

Hartz, etwas leiser

Von der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit: Dieses Experiment hat Peter Hartz schon einmal gewagt. Die Ich-AG war Teil des Pakets, das Hartz dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder schnürte. Der Staat griff Arbeitslosen bei der Gründung kleiner Firmen unter die Arme. Und manövrierte sie damit direkt in prekäre Arbeitsverhältnisse, wie Kritiker monieren. Die Ich-AG wurde zum Unwort des Jahres 2002 und vor sechs Jahren beerdigt. Heute existiert nur noch eine Light-Variante, ein Zuschuss für Arbeitslose, die sich selbständig machen wollen.

"Fördern und Fordern" hieß der Schlachtruf, mit dem Hartz und Schröder vor zehn Jahren der Arbeitslosigkeit den Kampf ansagten. Oder den Arbeitslosen, wie die Gegner der Reform noch heute meinen. Inzwischen ist Peter Hartz etwas leiser geworden. Das "Fördern" spiele beim Projekt Minipreneure die Hauptrolle, sagt Nicole Paschke, Geschäftsführerin der Beratungsgesellschaft zu stern.de. "Wir lassen niemanden alleine".

Proteste im Netz

Und manchmal klappt das auch. Im vergangenen Jahr ließen sich 20 Arbeitslose auf die Ausbildung zum Minipreneur ein. Das Programm ist umfänglich: Talentdiagnose und Persönlichkeitsprofile haben sie erstellt, in der Gruppe und im Einzeltraining eine berufliche Zukunft skizziert. "Individuell auf die Stärken des Einzelnen abgestimmt", sagt Paschke. 75 Prozent der Teilnehmer seien nun im Job, einige hätten sich selbstständig gemacht. Der Preis war ihre Zeit: Sechs Monate Training, 40 Stunden die Woche. Ein Marathon.

Beim zweiten Lauf hapert es jedoch. Noch hat Paschke nicht die nötigen 20 Teilnehmer auf der Liste, auch die Schlecker-Frauen, die Hartz in Saarbrücken versuchte zu akquirieren, meldeten sich nicht. Und schon wieder schwillt der Zorn an. In Internetforen, Blogs und Artikeln wird das Konzept scharf kritisiert, mit den Selbsthilfegruppen anonymer Alkoholiker verglichen, unwürdig dem Schicksal der tapferen Schlecker-Frauen. Der Name Hartz ist für viele verbrannt.

Absturz nach VW-Affäre

Peter Hartz genoss einst einen guten Ruf. Er selbst hatte es von unten nach ganz oben geschafft: Sohn eines Hüttenarbeiters im saarländischen Niederwürzbach, Realschulabschluss, Ausbildung, Studium der Betriebswirtschaftslehre. Er war Personalchef des Stahlwerks Dillinger Hütte und initiierte eine Stiftung, die sich entlassener Mitarbeiter annahm.

Die Hartz-Reform war nur der Beginn seines tiefen Falls - erst in der öffentlichen Meinung, dann vor Gericht. Hartz, inzwischen VW-Manager, hatte Firmengelder veruntreut, die Rede war von Lustreisen auf Firmenkosten. 2007 wurde er zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt und verlor seinen Posten bei dem Autokonzern.

Die skeptischen Schlecker-Frauen

Von der VW-Affäre gebeutelt zog sich Hartz in seine saarländische Heimat zurück. Er gründete die Stiftung "Saarländer helfen Saarländern", die auch sein Minipreneur-Experiment finanziert. Doch das Comeback als Heilsbringer der Arbeitslosen, von dem Hartz geträumt haben mag, fällt aus. Er bleibt ein Solitär, unverstanden, oft angefeindet. Als er den Schlecker-Frauen von seinem Projekt erzählte, erwiderte eine von ihnen in der Lokalzeitung: "Wir sind Schlecker-Frauen, wir sind immer skeptisch". Insbesondere gegenüber dem Mann, der Deutschland das beschert hat, was viele der Schlecker-Frauen fürchten: Hartz IV.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(