Und jetzt ... Django Asül Hartz-Infarkt bei der SPD


Nicht lang ist's her, da ging die SPD mit Peter Hartz ein folgenschweres Techtelmechtel ein. Davon will sie jetzt nichts mehr wissen. Dafür langt Westerwelle zu.
Der satirische Überblick von Django Asül

Die SPD ist eine Arbeiterpartei. Und auf keinen Fall eine Arbeitslosenpartei. Mit Stolz schaut sie auf ihre Vergangenheit als älteste Volkspartei. Vor allem die ganz alte Vergangenheit betont sie gerne. Die ganz junge Vergangenheit wiederum ist eine vermaledeite Sache. Und das derzeit Unangenehmste ist: Wahlen finden tendenziell eher in der Zukunft statt. Damit kann die SPD traditionell wenig anfangen.

Es bleibt also eine sozialdemokratische Utopie, zukünftige Wahlen in die Vergangenheit zu verlegen. Selbst mit einer rot-rot-grünen Mehrheit wird dies nicht machbar sein. Die Grünen sind nämlich wahre Gegenwartsjunkies, gerade wenn sie sich wie jetzt wieder im Umfrage-Hoch marinieren lassen. Die Linke würde die Vergangenheit am liebsten gleich ganz abschaffen. Rein historisch bedingt natürlich. Der Linken geht es auf den Senkel, dass sie als SED-Nachfolgepartei immer als SED-Nachfolgepartei angesehen wird. Aus ihrer Sicht sollte die deutsche Öffentlichkeit nicht immer nur nach hinten schauen. Schließlich liegen die Herausforderungen gefühlt eher in der Zukunft als in der Vergangenheit.

Kein Mensch kennt Hartz I-III

Die SPD dagegen würde sich freuen, wenn sie bei aller Präteritumseuphorie die letzte Dekade vergessen machen könnte. Der Dorn im ausgedörrten Fleische der Brandt-Erben hat einen Namen: Hartz IV. Kein Mensch kennt Hartz I-III. Aber Hartz IV hat das Stigma des Unausgegorenen. Als wollte das Sozialsystem damit das G8 des Bildungssystems toppen in punkto Hast und Unüberlegtheit.

Ein Sinnbild des Auf- und Abstiegs der Hartz-Idee ist der Namensgeber. Herr Hartz, einst gefeiert als Heilsbringer, ging ein in die Geschichte als Bordellreferent eines Großkonzerns. Damit will die SPD nichts zu tun haben. Und deshalb wird Hartz IV torpediert. Damit geht auch die Zementierung des Arbeitsmarktes einher.

Die SPD will eine Reform der Reform, die die Arbeitswelt zubetoniert für Arbeitslose. Ihre Klientel sind die Arbeiter. Und die sollen es gut haben. Das ist schon mal ein guter proletarisch-humanistischer Ansatz. Es gilt, inflationäre Tendenzen beim Faktor Arbeit zu verhindern. Arbeit muss was Besonderes bleiben. Arbeit wirkt identitätsstiftend und gibt Selbstvertrauen. Der Kontext zwischen Arbeit und sozialem Status ist erwiesen. Der Mensch zieht sein Selbstverständnis schließlich auch aus der Abgrenzung. Kurzum: Arbeit ist nichts wert, wenn alle Arbeit haben. Der Homo Sozialdemokraticus braucht also eine unbrauchbare Unterschicht, um sich seiner Brauchbarkeit gewiss zu sein. Die SPD strebt dabei allerdings eine Win-Win-Situation an. Auch die Verlierer sollen Gewinner sein. Dazu hat sich Nordrhein-Westfalens SPD-Chefin Kraft einige sinnvolle Gimmicks einfallen lassen.

Lästige Arbeitssuche entfällt

Wenn man ihr glauben darf, taugt ein Viertel der Hartz-IV-Empfänger sowieso nichts und sollte erst gar nicht auf den ersten Arbeitsmarkt losgelassen werden, weil das nur für Frust auf beiden Seiten sorgt. Der Nutzen für die Abgehängten wäre enorm. Der nervtötende Konkurrenzkampf fällt weg. Und die lästige Arbeitssuche soll auch entfallen, was ein zusätzliches Plus an Lebensqualität bedeutet.

Damit das Hartz-IV-Dasein schmackhafter erscheint, wird eine Verlängerung des regulären Arbeitslosengeldes angestrebt. Bei Verzicht auf sämtliche Vermögensangaben. Selbst Eigentümer von Reihenhaussiedlungen können so in den Genuss von Hartz IV kommen. Dank der revolutionären Ideen von Frau Kraft käme also nicht nur ein Hauch, sondern eine wahre Frühlingsbrise von Glitzer und Glamour in die sonst so öde Hartz-IV-Welt.

Unterfordern und Überfördern

Statt Fordern und Fördern lautet das neue Motto Unterfordern und Überfödern. Damit will die SPD natürlich auch den endgültigen Bruch mit der Schröder-Ära. Schröder ist die personifizierte Fratze der Agenda 2010. Aufrechten Sozialdemokraten kommt er heute vor wie eine Wall Street-Heuschrecke, die die Seele der Partei auf dem Altar der Eitelkeit geopfert hat, um sich nach seiner provozierten Entmachtung von Putins Gazprom durchfüttern zu lassen. Im Prinzip wartet man in der SPD nur darauf, dass eine Stasi-Akte auftaucht, die Schröder als heimliches FDP-Mitglied auffliegen lässt.

Apropos FDP: Auch die FDP gibt sich ambitioniert, Ausgrenzung zu verhindern. Die Liberalen zeigen, wie effektive Sozialhilfe aussieht. Richtig geholfen wird nur, wenn viel Geld fließt und ein Vollzeitjob statt staatlicher Stütze dran hängt. Diverse FDP-Minister gehen mit gutem Beispiel voran. Besonders erfreulich: Auch Westerwelle ist darunter. Das tut gut in Zeiten öffentlicher Diffamierungen.

Westerwelle ist nur moralisch ein Sozialfall

Westerwelle hat einen gewissen Herrn Arntz auf einem hohen Posten in seinem Ministerium untergebracht. Jörg Arntz war vorher Manager der Internetfirma Gamebookers Limited im karibischen Steuerparadies Antigua. Aufgabengebiet: Sportwetten und Online-Pokerspiele. Damit schlägt Guido zwei Schmeißfliegen mit einer Klappe. Zum einen holt er einen gebrochenen Mitmenschen aus einer Spielhölle mit permanenter Sonnenbrandgefahr zurück. Zum anderen versteuert dieser sein Einkommen nun in Deutschland. Eine Wohltat an Staat und Mensch, die Kritiker verstummen lassen sollte.

Westerwelle bietet nicht nur Hilfe, sondern sieht auch ein, dass er selber Hilfe benötigt. Er holt jetzt sogar Hans-Ulrich Klose von der SPD ins Haus. Quasi als eigenen Bewährungshelfer. Guido hat kapiert, dass er einen kompetenten Berater braucht, der die Amtsgeschäfte führt. Da zeigt sich der angebliche Hallodri Westerwelle als Vernunftsperson. Schließlich hat er immer betont, dass er Außenminister sein will. Er hat nie behauptet, dass er nach Arbeit strebt. Das unterscheidet ihn schon mal von der überwältigenden Mehrheit der Hartz-IV-Leute. Soll heißen: Westerwelle ist nur moralisch ein Sozialfall, nicht finanziell. Darum ist seine Heimat die FDP. Und nicht die Arbeiterpartei.


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