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Biografien: Ich, ich, ich!

Bohlen ist an allem schuld. Seit dem Erfolg seiner Memoiren schreiben deutsche Prominente nun emsig ihre Biografien auf. Aber: Wer hat wirklich was zu sagen? Und was sollte besser in die Bio-Tonne?

Von Jochen Siemens

Also jetzt ehrlich, es waren nur ein paar Gläser Wein, zwei oder drei. Und dann noch ein Cocktail. Und vielleicht schaute der Barkeeper nachts in dieser Hamburger Bar "Bereuther" beim Einschenken woanders hin, jedenfalls hatte der Drink mächtig Umdrehungen, was ein paar Minuten später auch den beiden Polizisten auffiel, die einen Mini-Cooper in der Parkallee anhielten. Der Pustecomputer zeigte nach mehrmaligem Blasen der Fahrerin blinkend 2,34 Promille - Lappen weg, Verfahren folgt, der "Idiotentest" fast sicher.

Dabei hatte Nadja Abd El Farrag, 38, besser bekannt als Naddel, am Mittwoch vor zwei Wochen endlich mal wieder Grund gehabt zu feiern - ausgerechnet der Milchabfüller "Müller" hatte die als Dieter Bohlens Ex bekannte Deutsch-Sudanesin für eine lokale Werbeaktion angeheuert, und unter die 340 Seiten Buchmanuskript über ihr Leben hatte Naddel am Nachmittag den Schlusspunkt gesetzt. Dumm gelaufen, die trunkene Fahrt in, oh la la, mehrfacher männlicher Begleitung wäre noch ein schönes "Jetzt rede ich"-Kapitel gewesen.

Nun wird das alkfreie Buch "Ungelogen - (k)eine Liebesgeschichte" heißen und Geheimnisse lüften wie jenes, ob Naddel denn wirklich mit Bohlens polnischem Gärtner - sagen wir: geschmust hat. Ob sie, damals noch ohne Führerschein, heimlich Champagnerflaschen hinter Vorhängen bunkerte und sich mit Rivalin Verona prügelte. Dies alles schrieb Dieter Bohlen vergangenes Jahr in seinem Bestseller "Nichts als die Wahrheit", und Naddel selbst sagt, dass sie so auf die Idee gekommen sei, auch ein Buch zu schreiben. Dass ein Verlagshaus schon ein paarmal angerufen hatte, beflügelte den Entschluss.

Und schon jetzt wird die Biografie des ewigen Boulevard-Opfers Naddel von der Klatschmaschine heiß geschrieben - "Bild" druckt das Buch im September als Serie und fragt: "Wer muss zittern?" Vorlaut wie immer hat die ebenfalls von Bohlen erfundene Verona Feldbusch schon losgeschossen: "Wenn Naddel das Buch nüchtern geschrieben hat, könnte es interessant werden."

Rosenkrieg in den Regalen,

das freut den Buchhandel. Die Verlage hoffen mit dicken Namen und dünnen Stoffen auf einen heißen Herbst. Denn nie zuvor drängte es so viel Prominenz in die Geständnis-Stühle. Der Buchherbst kennt nur eine Überschrift: Ich. Ganz groß geschrieben. "Der bunte Brei, im Ofen getrocknet und als Marmor verkauft", wie der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer im "Tagesspiegel" spottete, treibt seit den Bekenntnissen des Pop-Moguls Dieter Bohlen - mit über einer halben Million verkaufter Bücher - und des Fußballers Stefan Effenberg - 162.000 Exemplare - die Auflagenzahlen einer krisengebeutelten Industrie nach oben.

Nach den Erfolgsergüssen der beiden Neo-Literaten drohen jetzt massiv Lebensbeichten von Sportsfreunden wie Dieter Kürten ("Drei unten, drei oben") und Uwe Seeler ("Danke Fußball"), von "Superstars" wie Alexander Klaws und Daniel Küblböck, von Vielschreibern wie Fritz J. Raddatz und Hellmuth Karasek; es folgen Bekenntnisse von den Schauspielerinnen Uschi Glas, Iris Berben, Katrin Saß, von Boris Becker, Nena, Susanne Juhnke, Udo Lindenberg und erneut von Dieter Bohlen, der mit Unterstützung der "Bild"-Schreibkraft Katja Keßler zum Nachschlag ausholt. Dass dabei "Selbstdarsteller am Werk" sind, wie Schmidbauer anmerkt, "Autoren, von denen man in manchen Fällen nicht recht glauben kann, dass sie jemals ein Buch gelesen haben", stört nur das Feuilleton.

Manche, wie Naddel, verfassen angeblich selbst; sie habe das Ergebnis nur von einem Lektor formen lassen. Der große Rest lässt schreiben. Wer hat schließlich heute noch Zeit ... und diese Tastatur ... es gibt doch Ghostwriter, das neue modische Must der Branche. War es in den vergangenen Jahrzehnten schick, einen Therapeuten zu haben, so hat man heute einen Biografen. Und hören einem nicht mehr Zehntausende auf der Bühne oder im Stadion zu, dann tut es wenigstens einer.

Dass unter Bedeutungsverlust leidende Prominenz sich Beachtung im Bücherregal beschafft, ist eine neue Abspielstation ihres Egos. "Das Buch ist anscheinend nicht zu ersetzen, wenn es darum geht, die eigene Größenvorstellung zu verteidigen", vermutet Therapeut Schmidbauer.

Buchhändler jedenfalls jubeln, dass jetzt Menschen in die Läden kommen, "die eigentlich nicht lesen, aber einen Bohlen mitnehmen und vielleicht wiederkommen", so ein Verlagsinsider über den Wandel vom Buchladen zur Bio-Tonne. Die Konjunktur der Halbalphabeten - Menschen, die nicht schreiben, machen Bücher für Menschen, die nicht lesen. Und? Steht trotzdem was drin? Die Verleger zucken mit den Schultern. "Ein spannendes Leben allein reicht nicht, wichtiger ist, dass der Autor bekannt ist", sagt Elmar Klupsch, Lektor im Lübbe-Verlag, der im Herbst die Memoiren von Nena herausbringt. Das Erfolgsgeheimnis, so Random-House-Verleger Klaus Eck, sei "die Schlüssellochperspektive, durch die der Leser erfahren möchte, wie es bei Stars so zugeht". Und Hans-Peter Übleis, Verlagsleiter bei Droemer Knaur und damit Verleger der Susanne-Juhnke-Bekenntnisse, lächelt, wenn er gesteht, dass es "da Personen gibt, die einfach wenig zu sagen haben". Aber viel zu reden.

Lang ist die Liste der Bewerber, die in den Verlagsbüros beinahe darum betteln, biografiert zu werden. Man wähle ganz genau aus, wird bei Random House versichert. Entscheidend sei, wie ein Leben verkauft werden kann. Wunschtraum aller Verlage: Vorabdruck in der "Bild"-Zeitung - wo überlegt wird, sich die Serienhappen, die beste Werbung für die Bücher, künftig bezahlen zu lassen -, Talkshow-Auftritte, tumultartige Signierstunden - Popstar-Hysterie vor den Regalen mit Goethe und Walser.

"Die Art der Vermarktung ist neu. Die Autoren treten öffentlich auf und setzen dafür die ganze Medienpalette ein", sagt Lektor Klupsch. Unvergessen - und bei vielen Verlagen noch in neidvoller Erinnerung - war der Besuch Dieter Bohlens bei der Buchmesse im vergangenen Jahr. Da wurde aus vollen Rängen gejohlt und gekreischt, völlig neue Geräusche an den Frankfurter Ständen.

Der Leser als Fan und Beichtstuhl zugleich, das sind die Koordinaten, zwischen denen Verleger nach Stoffen und Personen suchen. Susanne Juhnke, Ehefrau des in Demenz lebenden Harald Juhnke, ist so gesehen ein Volltreffer. Aufgeschrieben von der ehemaligen "Bunte"-Chefredakteurin Beate Wedekind, wird im Herbst zu lesen sein, wie das Leben mit Harald und zwischen den Flaschen war. Mittlere Fan-Qualität, aber hohe Schicksalspotenz - dem Leser ist Mitseufzen ebenso wichtig wie Mitlachen. Im selben Fach werden die Memoiren von Uschi Glas im kommenden Frühjahr erwartet; die Seiten mit Winnetou und "Schätzchen" sind ja schnell geblättert bis zur Stelle, wo Ex-Gatte Bernd Tewaag endlich mit der Würstl-Verkäuferin das Weite sucht.

Dabei wird kaum etwas zwischen den Buchdeckeln stehen, was man aus "Gala" oder "Bunte", den dienstlichen Geständnisblättern der Prominenz, nicht schon weiß. Ganz nach der Weisheit Paul Hörbigers, dass man "für die angenehmen Erinnerungen im Voraus sorgen muss", legen manche Hand an ihr Leben, bevor es andere tun.

So bremst auch einer, von dem noch sattes Boulevardfutter zu erwarten wäre, schon jetzt die Hoffnungen, dass es in seinem Buch glitschig werden könnte. Robert Lübenoff, Journalist und Ghostwriter von Boris Becker: "Es wird weniger Knalleffekte geben, als man es von anderen Biografien kennt. Boris Becker wird die Leser mit einigen selbstkritischen Betrachtungen sicher überraschen, und es werden auch Geschichten dabei sein, die einen erstaunen." Einen Effenbergschen Genitalstil mit Wäschekammern und Samenraub wird sich Becker jedoch verkneifen, schließlich weiß der Mann, dass er Kinder hat und Geschäfte führen will. Stefan Effenberg hat auch Kinder, aber mit dem Wissen, na ja.

Auch als Popstar Nena Kerner im Herbst vergangenen Jahres in "Bild" folgenweise Vorabproben ihrer Biografie herausgab, verpufften die Erzählungen im skandalfreien Raum. Nena hatte sich inständig geweigert, der Stummelsatz-Fabrik wahrhaft Intimes zum Abdruck freizugeben. Für das nun im Herbst erscheinende Buch hatte die 43-Jährige beinahe ein Jahr lang mit der Journalistin Claudia Thesenfitz, 35, gearbeitet; ein Girlie-Duo aus Erzählerin und Zuhörerin, das nächtelang plauderte, stritt und an Formulierungen zerrte. Thesenfitz nach dem Schreibmarathon erschöpft: "Es war wichtig, dass Nena als Star in meinem Leben eine Rolle spielte, so ist es ein Buch über Nena, mich und unsere Generation geworden." Natürlich sei nicht jede Kleinigkeit ausgerollt worden, "es gibt Dinge, die nicht an die Öffentlichkeit gehören".

Julia Boenisch, ebenfalls Journalistin, hat schon etliche Male die Frage gehört, wie man aus dem erst 17 Jahre währenden Leben des "Superstar"-Clowns Daniel Küblböck eine Biografie zaubern könne. "Natürlich ist es keine Biografie im klassischen Sinn - es ist die Geschichte eines authentischen Lebens, eine lange Momentaufnahme einer echten, noch jungen Persönlichkeit." Boenisch, die den bayerischen Kinderstar bei einem Interview kennen lernte, war sich instinktiv sicher, "dass Daniel nicht nur ballaballa ist, sondern eine im Inneren sehr reflektierende Person. Er übersieht sehr gut, welche Rolle und welche Bedeutung seine Prominenz spielt". Küblböck selbst kann die Drucklegung anscheinend gar nicht mehr abwarten - bei einem Medientreff verschonte er die Anwesenden mit seinem Gesang und las stattdessen aus "Ich lebe meine Töne" vor; ein Bubble-Gum-Buch, das jetzt die "Hanni und Nanni"-Bände aus deutschen Kinderzimmern verjagen soll.

In dem ganzen Bio-Boom, so Schmidbauer, lauert ein Missverständnis. Denn der Leser will nicht nur mitleiden, sondern sein Idol auch demontieren, "um sich darin ein Stück zusätzlicher Überlegenheit zu verschaffen". Er will lachen, wenn er liest, wie andere auf den Bananenschalen des Lebens ausrutschen. So wie Verona Feldbusch, die in der vergangenen Woche drohte, ihr Leben inklusive Bohlen-Haue und baldiger Geburt des ersten Kindes in Schriftform auszubreiten. Was sich da im Kreißsaal genau abspielen und was davon zu lesen zu sein wird, weiß Frau Feldbusch noch nicht, aber "Franjo und ich werden auf jeden Fall dabeisein".

Mitarbeit: Madlen Ottenschläger

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(