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Christian Klar: Ex-Terrorist als Theaterpraktikant?

Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, hatte schon immer ein Herz für die RAF. Jetzt hat er dem ehemaligen Terroristen Christian Klar ein ungewöhnliches Angebot unterbreitet - und für Empörung gesorgt.

Ex-Terrorist Christian Klar kommt vorerst nicht als Theaterpraktikant ans Berliner Ensemble. Das ehemalige RAF-Mitglied bleibt in der Haftanstalt Bruchsal, wie der Südwestrundfunk unter Berufung auf das baden-württembergische Justizministerium in Stuttgart mitteilte. Der Intendant des traditionsreichen Berliner Ensembles, Claus Peymann, hatte Klar ein Theaterpraktikum als Freigänger angeboten. Mit seinem Angebot habe er sich in enger Absprache und mit Zustimmung des Betriebsrates einer Initiative mehrerer Künstler angeschlossen, hatte Peymann erläutert.

Antrag auf Verlegung abgelehnt

Klar hatte einen Antrag auf Verlegung nach Berlin gestellt. Das Justizministerium in Stuttgart stellte fest, dass gemäß der Vollzugspraxis vor 2007 nicht über einen möglichen Freigang Klars entschieden werde. Damit erübrige sich die Verlegung des Häftlings nach Berlin. In Baden-Württemberg ist ein Freigang frühestens 18 Monate vor einem vorgesehenen Entlassungstag möglich.

Peymann hatte sein Angebot damit begründet, dass der Ex-Terrorist nach 23 Jahren Haft eine Chance zur Rückkehr in die Gesellschaft bekommen müsse. Der 52-jährige Klar verbüßt unter anderem wegen der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und Bankier Jürgen Ponto eine lebenslange Haftstrafe. Von 1976 bis zu seiner Festnahme 1982 gehörte er zu den führenden Köpfen der RAF.

Empörung bei Berliner CDU und FDP

Die Berliner CDU-Fraktion sprach von einer "Entgleisung". Peymann müsse sich fragen lassen, ob er als Intendant des Berliner Ensembles noch tragbar sei. Auch die Berliner FDP kritisierte Peymanns Initiative als "Weichzeichnung des Terrorismus". Der Regisseur hatte schon in der Vergangenheit mit Angeboten an RAF-Mitglieder für Schlagzeilen gesorgt. Als Schauspieldirektor in Stuttgart hatte er 1977 einen Spendenaufruf für die zahnärztliche Behandlung von inhaftierten RAF-Mitgliedern im Theater aushängen lassen. Unter politischem Druck der CDU-Regierung verzichtete Peymann auf eine Verlängerung seines Stuttgarter Vertrages und wechselte nach Bochum.

DPA/AP / AP / DPA