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"Der Papyrus des Cäsar": Asterix, Julian Assange und eine römische Propaganda-Schlacht

Zwei Jahre der Premiere gibt es nun einen neuen Asterix-Band ohne Mitwirken einer der Erfinder. Noch ist zwar vieles geheim. Aber einige durchgesickerte Details erinnern an einen realen Politthriller.

Albert Uderzo, Didier Conrad und Jean-Yves Ferri bei der Vorstellung des 36. Asterix-Bandes "Der Papyrus des Cäsar"

Albert Uderzo, Didier Conrad und Jean-Yves Ferri bei der Vorstellung des 36. Asterix-Bandes "Der Papyrus des Cäsar"

AFP

Die Pflicht ist erledigt, nun kommt die Kür: Nach der gelungenen Feuerprobe des ersten Asterix-Bandes in der Ära nach legen die neuen Macher von Europas wohl erfolgreichster Comicfigur einen Nachfolger vor. Dieser heißt "Der Papyrus des Cäsar" und dürfte von Fans des unbeugsamen Gallierdorfes rund um die Welt sehnlich erwartet werden. Die vorläufige Auflage von vier Millionen Stück lässt vermuten, dass der Verlag sich des Erfolges des 36. Bandes recht sicher ist.

Doch während der Vorgänger "Asterix bei den Pikten" schon allein durch den neuen Autor Jean-Yves Ferri sowie den neuen Zeichner Didier Conrad viel Neugier bei den Anhängern auslöste, muss der Nachfolger durch Inhalt überzeugen. Uderzo, der die Reihe nach dem Tod von Autor René Goscinny seit 1977 alleine weiterführte und beim Vorgänger auch noch beratend im Hintergrund mitwirkte, stärkte den Nachfolgern immerhin schon den Rücken: "Die beiden brauchen mich nicht mehr", erklärte der 88-Jährige.

Julian Assange zu Gast im gallischen Dorf

Im Vergleich zum ersten eigenen Band konnten sich die beiden Neuen diesmal mehr Zeit nehmen und entschieden, ein politisch ebenso brisantes wie aktuelles Thema aufzugreifen. Zwar hütet der Verlag die Geschichte bis zur Veröffentlichung am 22. Oktober wie einen Goldschatz, doch erste Informationsschnipsel sollen potenzielle Leser schon jetzt anfüttern.

So taucht im neuesten Heft mit dem zwiespältigen Reporter Polemix eine Figur auf, die stark an angelehnt ist - und auch beinahe als eindeutige Referenz den Namen Wikilix erhalten hätte. "Wir suchten etwas, das mit der heutigen Welt zu tun hat; wer kontrolliert die Nachrichten, die Kommunikation", verriet Autor Ferri.

Über seine Zeitung "Gallische Revue" klärt Polemix die Dorfbewohner über die Geschehnisse im Römischen Reich auf. Diese interessieren sich zwar vor allem für ihr Horoskop, erfahren aber auch, dass Julius Cäsar soeben im fernen Rom ein Buch veröffentlicht hat - eine Anspielung auf "Der Gallische Krieg", in dem Cäsar von seinen Kriegserfolgen berichtet. Nicht nur eingefleischte Asterix-Fans wissen natürlich, dass zumindest ein Fleckchen Galliens nicht unter Roms Knute steht. Ein Umstand, den der Machtmensch Cäsar seinem Senat gern vorenthalten würde.

Sarkozys Assistenten waren Vorlage für Bösewicht

Damit "Cäsars Geheimnis", wie der Band eigentlich vor einem Namensstreit mit einem anderen deutschsprachigen Werk hätte heißen sollen, nicht am Ansehen des Feldherren nagt, soll der gewiefte PR-Berater Syndicus (im französischen Original: Bonus Promoplus) die Schlacht an der Informationsfront zu dessen Gunsten entscheiden. Getreu dem Motto des legendären , "je besser der Bösewicht, desto besser der Film" gaben sich die Macher bei dieser Figur besondere Mühe. Vorbild für Syndicus waren angeblich mehrere Berater von .

Asterix und sein kugelrunder Kumpane Obelix finden sich im neuesten Band also mitten in einem Propagandafeldzug wieder, bei dem aber neben allem Ernst laut den Machern wie gewohnt auch die Lacher nicht zu kurz kommen werden. Außer auf die Enthüllungen von Reporter Polemix werden die Gallier dabei sicher auch auf den berühmten Zaubertrank zurückgreifen und so manchen römischen Legionär per Fausthieb zurück nach Süden befördern.

Mit den Erfolgsaussichten ihres zweiten Werkes nimmt es der in Kalifornien lebende Zeichner Conrad sportlich: "Es ist ein bisschen wie in Hollywood - wenn du einen Film machst und er floppt, weißt du nicht, ob es weitergeht. Und wenn dieses Album nicht läuft, weiß ich auch nicht, ob wir noch eines machen. Das ist normal." Ganz pessimistisch sind er und Ferri jedoch nicht: Beide denken schon über den Inhalt ihres dritten gemeinsamen Bandes nach.

Benjamin Wehrmann/AFP

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