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Die Fundis: "Opus Dei" - Speerspitze der heiligen Reaktion

Der Laienorden "Opus Dei" schreckt in Dan Browns "Sakrileg" praktisch vor nichts zurück, um seine Macht innerhalb der katholischen Kirche auszubauen.

Der Laienorden "Opus Dei" schreckt in Dan Browns "Sakrileg" praktisch vor nichts zurück, um seine Macht innerhalb der katholischen Kirche auszubauen. In einer Stellungnahme hat die sehr verschwiegene Organisation jetzt Browns Darstellung der Praktiken von Opus Dei (zu Deutsch "Werk Gottes") als "reine Erfindung" bezeichnet. Doch die aus Spanien stammende Vereinigung katholischer Fundamentalisten steht auch im realen Leben schon seit Jahrzehnten in der Kritik. 1928 von Josemaria Escriva de Balaguer (1902-1975) gegründet, lehnte sie sich politisch seit dem Spanischen Bürgerkrieg eng an das faschistische Regime des Diktators Franco an, mit dem Escriva auch persönlich beste Beziehungen unterhielt. Ziel der heute etwa 85 000 offiziellen Mitglieder ist es, ein "heiliges, gottgefälliges" Leben zu führen. Ehelosigkeit ist nicht Pflicht, doch wird ein zölibatäres Leben gern gesehen. Dagegen sind regelmäßige finanzielle Zuwendungen und der häufige Besuch der Messe ein Muss. Als äußerster "Akt der Selbstverleugnung" wird angeblich von einem Teil der Mitglieder Selbstzüchtigung durch Auspeitschen und mehrstündiges Tragen eines stachelbewehrten Bußgürtels praktiziert. Opus Dei macht keine Angaben über die Identität seiner Mitglieder - doch sollen etwa der Pressesekretär des Papstes, Joaquin Navarro Valls, die spanische Außenministerin Ana Palacio oder der kürzlich in den USA enttarnte Sowjetspion Robert Hanssen zu den Prominenten im Kader zählen. Papst Johannes Paul II. steht dem Opus Dei äußerst positiv gegenüber. Im Oktober 2002 ließ er ungeachtet heftiger Proteste den Gründer Josemaria Escriva nur 27 Jahre nach dessen Tod heilig sprechen - Escriva ist damit der Heilige der Kirchengeschichte mit der kürzesten Wartezeit.

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