Feldherren-Biografien Von Alexander bis Rommel


Von Hannibal über Napoleon bis Rommel - alle großen Feldherren haben sich auf Alexander den Großen berufen. Einige neue Bücher widmen sich diesen Welteroberern.

Mit Oliver Stones Filmepos "Alexander" rückt der legendäre Feldherr aus der Antike wieder ins Rampenlicht. Alle großen Heerführer, die ihm folgten, haben sich auf ihn berufen oder versuchten, ihn gar nachzuahmen. Unter den Buchneuerscheinungen findet sich eine ganze Reihe von lesenswerten Biografien über solche Welteroberer - von Hannibal über Napoleon bis Rommel.

Im Zentrum des Publikumsinteresses steht dabei die Neuausgabe von Robin Lane Fox Band "Alexander der Große" aus dem Jahr 1974. Der englische Althistoriker, der daran mitgewirkt hat, die Waffen und die Schlachttaktiken für Stones Film zu rekonstruieren, ist seinerzeit von Griechenland bis Indien gereist, um Alexanders Spuren zu folgen. Dank der gewonnenen Reiseeindrücke, aber auch seiner lebendigen Fantasie hat Fox die weit gehend dürre Quellenlage in ein farbenprächtiges Bild verwandelt und auf über achthundert Seiten ausgebreitet. Über weite Strecken gleicht das Buch mehr einem historischen Roman als einer Biografie (Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 807 S. Euro 29,00).

Zweifelhaftes Verfahren

Um die Persönlichkeit Alexanders zu erfassen, bedient sich Fox eines zweifelhaften Verfahrens: Da Alexander dem Homerischen Helden Achilles nacheifern wollte, könne man, so Fox, Homers Beschreibung des griechischen Kriegers auf den mazedonischen König übertragen. So überrascht es auch nicht, dass Fox vor allem den charismatischen Führer sieht, der nicht nur seine Mitstreiter, sondern auch die Besiegten zu begeistern wusste. Die Tatsache, dass Alexander kein klares politisches Konzept hatte und der Hybris verfallen ist, kommt dagegen kaum in den Blick.

Als Nachfolger Alexanders hat sich der karthagische Feldherr Hannibal gesehen. Er berief sich aber dem Biografen Pedro Barceló zufolge nicht auf Achilles, sondern auf Herakles. Mit nur 26 Jahren, also fast genauso jung wie Alexander, wurde Hannibal zum Heerführer. Beide forderten eine Großmacht heraus: Alexander die Perser, Hannibal die Römer. Barceló sieht in dem Plan des Karthagers, auch wenn er am Ende gescheitert ist, die Römer in Italien zu schlagen einen der kühnsten und brillantesten Entwürfe der antiken Militärgeschichte.

Parteinahme zugunsten Hannibals

Der in Potsdam lehrende Historiker versucht das Vorurteil zu beseitigen, Hannibal auf einen genialen Feldherrn ohne politischen Sinn zu reduzieren. Dabei sieht er sich in der schwierigen Lage, dass es fast nur römische Quellen gibt und diese vermitteln ein negatives Bild von Hannibal. Barceló gelingt es zwar, die einseitige römische Perspektive abzustreifen. Dafür ergreift er aber zu sehr in der "Hannibal"-Biografie für seinen Protagonisten Partei und wertet sämtliche seiner Gegner über Gebühr ab (Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 319 S. Euro 22,50).

Eine Nummer kleiner als sein großes Vorbild Alexander fällt der römische Feldherr Pompeius aus, der 48 vor Christus Cäsar in der Schlacht von Pharsalos unterlag. Karl Christ, der bis zu seiner Emeritierung in Marburg Alte Geschichte lehrte, zeichnet in seiner "Pompeius"-Biografie ein zwiespältiges Bild des Römers. Dieser sei sicherlich ein genialer Feldherr gewesen und habe die von ihm eroberten Gebiete im Vorderen Orient vorbildlich verwaltet. Doch politisch habe ihm die Statur gefehlt, dem römischen Reich seinen Stempel aufzudrücken. Für Christ, der in seiner Darstellung ganz nahe an den historischen Quellen bleibt, gehört Pompeius zu den Totengräbern der römischen Republik (Verlag C.H. Beck 246 S. Euro 19,90).

Knapp und umfassend

Napoleon hat in seinen jungen Jahren über Alexander geschrieben: Denn das Genie ist ein Meteor, dazu bestimmt zu verbrennen, um sein Jahrhundert zu erleuchten. Damit habe der Korse zugleich auch sein eigenes Schicksal vorwegnehmend beschrieben, meint Volker Ullrich in seinem "Napoelon"-Bändchen über den legendären Korsen. Ullrich, der bei der Zeit das Ressort Politisches Buch leitet, hat nicht den Anspruch, ein neues Napoleon-Bild zu entwerfen. Vielmehr zeichnet er knapp, aber dafür sehr umsichtig Bonapartes Leben nach. Für den jungen Aufsteiger, der sich geschickt durch die Wirren der französischen Revolution laviert, hegt der Autor durchaus Sympathien. Gegenüber dem siegessatten Kaiser, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts fast ganz Europa nach seiner Pfeife tanzen lässt, hält er dagegen mit Kritik nicht zurück (Rowohlt Verlag, Reinbek 177 S. Euro 17,90).

Unter dem Titel "Rommel - Das Ende einer Legende" zeichnet Ralf Georg Reuth ein negatives Bild des wohl populärsten deutschen Generals im Zweiten Weltkrieg. Rommel, wegen seiner Erfolge in Nordafrika Wüstenfuchs genannt, sei Hitler ganz ergeben gewesen und habe sein Selbstbewusstsein fast vollständig aus dem Wohlwollen des Führers und der NS-Propaganda gezogen. Reuth, der bereits Biografien zu Hitler und Goebbels vorgelegt hat, streitet Rommels militärische Leistungen nicht ab, sieht den General aber in sichtlich überzeichnender Weise als politischen Versager. Er sei zwar kein echter Nationalsozialist, aber schon gar nicht ein Held des Widerstands gewesen. Rommel nahm sich, von Hitler dazu aufgefordert, das Leben, weil er in Verbindung mit den Attentätern vom 20. Juli gebracht wurde (Piper Verlag, München 307 S. Euro 19,90).

Thomas Oser/DPA DPA

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