Gesellschaft für deutsche Sprache "Finanzkrise" ist Wort des Jahres 2008


Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben auch die Sprache des zurückliegenden Jahres geprägt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte folgerichtig "Finanzkrise" zum Wort des Jahres. Auch das zweitplatzierte Wort stammt aus dem Vokabular der wirtschaftlichen Verwerfungen.

"Finanzkrise" ist das Wort des Jahres 2008. Der Begriff habe die öffentliche Diskussion in diesem Jahr besonders bestimmt, teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden mit. Das Wort kennzeichne die dramatische Entwicklung im Banken-, Immobilien- und Finanzsektor. "Finanzkrise" ist nicht der einzige Begriff rund um die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten, die es in die Rangliste der zehn wichtigsten Wörter des Jahres schafften. Auf Platz 2 landete das Wort "verzockt", das sich oft kritisch auf das Verhalten von Bankmanagern bezieht, die hochriskante und spekulative Geldgeschäfte abschlossen. Der "Rettungsschirm", der staatliche Finanzhilfen für die Bankenbranche beschreibt, schaffte es auf Rang 8.

Das Wort des Jahres wird von einer Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgewählt. Dem Gremium gehören der Hauptvorstand und die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gesellschaft an. "Es geht nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres", teilte die Jury mit. Auch sei mit der Auswahl keine Wertung oder Empfehlung verbunden. Zugrunde lag eine Sammlung von knapp 4000 Wörtern und Wendungen, wobei auch Zuschriften berücksichtigt wurden.

Auch Obama prägte die deutsche Sprache

Auf Rang 10 schaffte es sogar ein englischer Begriff in die Liste. "Yes, we can" (heißt auf Deutsch soviel wie "Ja, wir können es schaffen") war einer der Wahlkampfslogans des neuen US-Präsidenten Barack Obama. Er wurde auch in Deutschland oft aufgegriffen und variiert, wie die Jury feststellte. Hochaktuell zeigte sich die Gesellschaft mit "Datenklau" auf Platz 4. Immer wieder wurden dieses Jahr Fälle bekannt, bei denen Millionen Datensätze von Kunden in falsche Hände gerieten. Erst am Mittwoch verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf, mit dem der Datenklau erschwert werden soll. "Hessische Verhältnisse" schaffte es auf Rang 5. Der Begriff bezieht sich auf die Turbulenzen in dem Bundesland nach der Landtagswahl im Januar 2008, die Hessen für ein Jahr politisch lähmten.

Von "Umweltzone" zu "Bildungsfrühling"

Auf Rang 5 schaffte es die "Umweltzone", die in vielen Städten eingerichtet wurde, um den Feinstaub zu bekämpfen. Es folgt die "multipolare Welt", in der sich nicht wie im Kalten Krieg zwei Blöcke gegenüberstanden, sondern in der es viele Zentren gibt. Auf den siebten Platz kam der "Nacktscanner", der an europäischen Flughäfen für mehr Sicherheit sorgen soll, dessen geplante Erprobung aber schon vorher große Aufregung verursachte. Auf Rang 9 wurde "Bildungsfrühling" gewählt - eine Beschreibung für verschiedene Initiativen von Bund und Ländern, mehr Geld und Personal für Schulen zur Verfügung zu stellen.

Im vergangenen Jahr wurde "Klimakatastrophe" zum Wort des Jahres gewählt, im Fußball-WM-Jahr 2006 "Fanmeile" und im Jahr 2005 "Bundeskanzlerin". Im Jahr der Finanzkrise 2008 schaffte es kein einziges Wort in Liste, das sich mit der Klimaveränderung befasst. Die Wahl des Unwortes des Jahres 2008 steht noch aus. Die Gesellschaft für deutsche Sprache nimmt dafür noch bis zum 28. Februar Vorschläge an. Die Entscheidung liegt bei einer Jury aus mehreren Sprachwissenschaftlern. 2007 schaffte es "Herdprämie" zum Unwort. Nach Ansicht der Experten diffamiert das Wort Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.

che mit AP


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