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Günter Grass dichtet gegen Israel: Was wirklich gesagt werden muss

Vielleicht hält Günter Grass sein Gedicht "Was gesagt werden muss" für politische Lyrik. Dabei sind die neun Israel-kritischen Strophen vor allem Zeugnis einer erfolglosen Vergangenheitsbewältigung.

Ein Kommentar von Sophie Albers

Sechs Strophen lyrische Prosa braucht Günter Grass, bis er sich "befreit", bis er eine "Wahrheit" raushaut, die ihm im eigenen Land verboten sei: Dass die Atommacht Israel den Weltfrieden gefährde, heißt es in Stanza sieben. Und wer es nicht mitgekriegt hat, kann ein paar Zeilen später noch mal lesen, dass Israel "Verursacher der erkennbaren Gefahr" sei. Das Böse also.

"Was gesagt werden muss" heißt das in Deutschland exklusiv in der "Süddeutschen Zeitung" abgedruckte Gedicht, das auf Seite eins mit "Ein Aufschrei" angekündigt wird, und mit dem der Literaturnobelpreisträger die Welt retten will. Nicht unähnlich dem Möllemannschen oder Sarazzinschen "Man wird ja wohl noch sagen dürfen".

Fragwürdige Befreiungsaktion

Natürlich liegen Welten zwischen dem selbstgerechten Literaten und den umstrittenen, um Wählerstimmen und Buch-Verkaufszahlen kämpfenden Politikern. Aber die Selbststilisierung des Täters zum Opfer ist bekannt. Da wird ein Tabu aufgebaut, das Spiegel eines selbst auferlegten Denkverbotes ist. Das den, den es betrifft, zum Feind macht. Und den, der es bricht, zum Helden. Da hilft es wenig, dass Grass auch schreibt, dass er sich dem Land Israel verbunden fühle.

Grass, "Gewissen der Nation", bis 2006 herauskam, dass er jahrzehntelang seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS am Ende des Zweiten Weltkrieges geheim hielt, lamentiert, dass er "zu lange" geschwiegen habe, und dass er das "allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes" - dass Israel Aggressor und eine Atommacht "außer Kontrolle" sei - "als belastende Lüge und Zwang" empfinde, "der Strafe in Aussicht stellt, sobald er missachtet wird: das Verdikt 'Antisemitismus' ist geläufig". Der 84-Jährige liefert von Tabu bis Befreiungsschlag alles gleich mit. "Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben", hat der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex diese Haltung einst treffend gekennzeichnet.

Die Bombe

Mit keinem Wort erwähnt der Dichter, dass die iranische Führung Israel ein Gebilde nennt, das von der Landkarte verschwinden müsse. Achmadinedschad, der in Teheran Holocaust-Leugner zur Konferenz rief, und der nebenbei die Opposition im eigenen Lande totschlagen lässt, nennt Grass einen "Maulhelden". Die Atombombe, deren Bau Iran mal androht und mal leugnet, wegen der das Land seit Jahren Sanktionen unterliegt, und die für ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Regierung und Atombehörde sorgt, sei nur "vermutet".

Mit beeindruckender Selbstherrlichkeit und Hybris spricht der 84-Jährige Israel mal eben das Recht auf Selbstverteidigung und Eigenständigkeit ab. In seiner Kritik "Nicht ganz dicht, aber ein Dichter" weist Broder unter anderem darauf hin, dass Grass auch schon 2001 das Existenzrecht des Staates infrage gestellt hatte.

Verirrt im Dschungel urdeutscher Schuldgefühle

Offenbar blind auf einem Auge irrt Grass durch den Dschungel der eigenen, urdeutschen Schuldgefühle, und verkündet, dass er sich nun endlich - "gealtert und mit letzter Tinte" - befreit habe vom Schweigen. Endlich kann er sagen, dass Israel nicht besser ist als Deutschland, möchte man übersetzen. Dieses Land, dessen bloße Existenz die Deutschen an die Shoah erinnert.

Die Antwort von Emmanuel Nahshon, Gesandter Israels in Berlin, ist knapp: "Wir sind nicht bereit, die Rolle zu übernehmen, die Günter Grass uns bei der Vergangenheitsbewältigung des deutschen Volkes zuweist."

Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Doch das bleibt ein Wunsch.

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