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Heinz Strunk: Erfolgreicher Loser

Jahrelang tingelte Heinz Strunk mit einer Tanzkapelle durch die Lande. Seine Erfahrungen hat er zu einem höchst amüsanten Buch verarbeitet. Wichtigste Erkenntnis: Der Mensch ist kein Beilagenesser.

Matthias Halfpape aus Hamburg-Harburg ist eine arme Sau. Er hat Pickel im Gesicht und mit 23 Jahren immer noch keinen Sex. Mit seiner depressiven Mutter lebt er auf der falschen Seite der Elbe und verkriecht sich in seinem kleenexbestückten Jugendzimmer. Jetzt hat Halfpape, heute 42, der sich mittlerweile Heinz Strunk nennt, sein kümmerliches Leben zu einem Bestseller verarbeitet. "Fleisch ist mein Gemüse" heißt die schonungslose Selbstauskunft über die Leidensjahre des jungen M. Es ist die Geschichte eines unterschätzten Musikers, der sein Talent zwölf lange Jahre auf Schützenfesten verschwendet. Heinz Strunk seziert genau und gekonnt den Wahnsinn des Alltags auf dem Lande. Seine Tanzkapelle bringt zwischen Elbe und Lüneburger Heide das flache Land zum Beben. Die Säle sind abgewrackt, die Männer betrunken, auf den Tischen stehen Salzstangen. Und immer gibt es Fleisch mit fetten Saucen. Der Mensch, sagt Strunk, ist kein Beilagenesser.

Strunks Expeditionen in die "musikalische Dritte Welt" sind eine amüsante Zeitreise in die 80er und 90er Jahre. Den Autor überrascht immer noch, dass seine groteske Biografie, an deren Niederschrift nichts erfunden sei, so viele Menschen interessiert. "Ich bin total überwältigt. Eigentlich war das Aufschreiben eine Art Beschäftigungstherapie", sagt er. "Nach meinem 40. Geburtstag war ich wieder mal in eine dicke Depression geschlittert. Ich hatte gedacht, da komm ich nicht wieder raus." Er hat es geschafft. Spätestens jetzt. 48.000 Bücher sind bereits verkauft. Und mit den Pickeln ist es auch viel besser.

Uli Hauser / print
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