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Bundesliga im stern-Check Will außer den Bayern eigentlich irgendjemand Meister werden? – "Jein!"

BVB gegen Mainz: Jadon Sancho kopfüber auf dem Rasen
Da konnte sich BVB-Profi Jaden Sancho auf den Kopf stellen – im Heimspiel gegen Mainz reichte es für seine Mannschaft nur zum 1:1
© Ina Fassbender / POOL / AFP
Ein Bundesliga-Wochenende mit wenigen Siegern, dafür aber umso mehr Aufregern: lachende Loser, Fans beim "Geisterspiel" – und Beleidigungen am laufenden Band. Bleibt dagegen in seiner Analyse gewohnt höflich: der stern-Check.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 16. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Immerhin zeigte sich Schiedsrichter Felix Brych hinterher einsichtig. Zuvor hatte er dem VfB Stuttgart in der Nachspielzeit einen Elfmeter zugesprochen, der letztlich zum 2:2-Endstand führte – und damit die Profis von Borussia Mönchengladbach mächtig gegen sich aufgebracht. "Wenn ich sagen würde, was ich denke, würde ich den Rest der Saison gesperrt", sagte der sonst so besonnene Jonas Hofmann ins Sky-Mikro. "Das war eine absolute Frechheit, ganz klar." 

VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic war an der Torauslinie im Gerangel um den Ball von Gladbachs Linksverteidiger Rami Bensebaini umklammert, aber auch am Fuß vom eigenen Mitspieler Waldemar Anton getroffen worden. Diesen Kontakt habe er nicht gesehen, er sei "wohl mitentscheidend" gewesen, sagte Brych. Er sei darauf auch nicht aus Köln von der Video-Assistentin Bibiana Steinhaus hingewiesen worden.

Der umklammerte Kalajdzic antwortete nach Spielschluss übrigens auf die Frage, ob der Elfmeter berechtigt gewesen sei: "Jein!"

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Seinen Strahl zum 1:0 für Mainz 05 beim BVB beschrieb Levin Öztunali hinterher so trocken, wie sein Traumtor aus 25 Metern ohnehin daherkam: "Der Ball lag gut, die Position war gut und der linke Fuß ist halt nicht nur zum Stehen da." Seinen neuen Trainer Bo Svensson überraschte der Enkel von Uwe Seeler trotzdem: "Ganz ehrlich, als ich Lev da sah, dachte ich nur: 'Spiel ab! Schieß nicht!' – das werde ich ihm nie mehr sagen ..."

Öztunalis Treffer steht an diesem Spieltag symbolisch für die Nackenschläge, die alle Konkurrenten des FC Bayern einstecken mussten: Der BVB kam hinterher bloß noch zum Ausgleich, auch RB Leipzig schaffte nur ein 2:2 gegen Wolfsburg, während Bayer Leverkusen sich sogar eine Pleite bei Union Berlin leistete. Es sieht also mal wieder so aus, als wolle in der Bundesliga niemand den Titel holen – wobei: niemand? "Jein", um es noch einmal mit Stuttgarts Kalajdzic zu sagen. Denn die Bayern untermauerten ihre Ambitionen mit einem Pflichterfolg gegen Freiburg. Aber die Seriensieger aus München spielen seit Jahren ohnehin gefühlt in einer anderen Liga als das restliche Teilnehmerfeld.

Gewinner des Spieltages

An einem Spieltag mit vielen Unentschieden ist jeder Sieg noch ein bisschen mehr wert – erst recht, wenn sich ein abstiegsgefährdetes Team wie Werder Bremen ein bisschen Luft im Keller verschaffen kann. Dies gelang der Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt mit dem 2:0-Heimerfolg gegen den FC Augsburg. Die späten Treffer von Gebre Selassie (84.) und Agu (87.) hatten dabei noch einen Nebeneffekt: Augsburgs Keeper Rafal Gikiewicz war richtig sauer ob des Verhaltens seiner Mitspieler nach Abpfiff. "Wir verlieren hier ein wichtiges Spiel und wir lachen auf dem Platz – das kann ich nicht akzeptieren, das geht nicht." FCA-Trainer Heiko Herrlich hatte von der guten Laune in seiner Truppe noch nichts mitbekommen, als er auf Gikiewicz' Wutausbruch angesprochen wurde: "Das ist mir neu." Es wäre aber schade, so Herrlich, wenn nach dieser Niederlage jemand lachen würde: "Das werde ich intern besprechen."

Dortmunder Mats Hummels, Leverkusener Sven Bender und Wolfsburger Torfrau Almuth Schult

Verlierer des Spieltages

Für keine Kategorie gab es an diesem Wochenende so viele Bewerber wie für den "Verlierer des Spieltages": Da war der 1. FC Köln, der mit dem 14. sieglosen Heimspiel in Folge einen vereinseigenen Negativrekord aufstellte; da war Matheus Cunha vom Kölner Gegner aus Berlin – der Hertha-Profi schrie kurz vor Spielende ein deutlich hörbares "Fuck you!" in Richtung FC-Bank; und dann waren da noch die Rassismus-Vorwürfe rund um das Freitagabendspiel von Union Berlin und Bayer Leverkusen, die letztlich alles in den Schatten stellten: Unions Florian Hübner soll seinen Leverkusener Gegenspieler Nadiem Amiri als "Scheiß-Afghanen" bezeichnet haben. Nach dem Spiel ist es dann offenbar zu einer schnellen Entschuldigung gekommen, die Amiri angenommen habe. Der Berliner Manager Oliver Ruhnert dementierte allerdings, dass die genannten Worte so überhaupt gefallen seien – ohne Hübners Namen zu nennen: "Er hat sich so nicht geäußert." Die Deutsche Fußball Liga hat den offensiven Umgang inzwischen via Twitter gelobt:

Der Kontrollausschuss des DFB will die Vorwürfe derweil untersuchen. Anfang der Woche sollen entsprechende Ermittlungen aufgenommen werden, in deren Rahmen alle Beteiligten zu einer Stellungnahme gebeten werden.

Bild des Spieltages

Fans von Aue auf der Tribüne des Erzgebirgsstadions
© Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Es sind Bilder, wie sie jeder Fußballfreund eigentlich vermisst: Fans im Stadion, die ihre Mannschaft lautstark anfeuern. Ist in der Pandemie nur leider verboten und sorgt vor allem außerhalb der Fußballbranche für Stirnrunzeln: Etwa 30 Fans hatten beim Heimspiel von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue gegen Fortuna Düsseldorf auf der Tribüne des Erzgebirgsstadions für mächtig Stimmung gesorgt – trotz "Geisterspiel". Laut Aues Geschäftsführer Michael Voigt hatten die Zuschauer im Vorfeld der Partie mitgeholfen, den Platz vom Schnee zu befreien. "Die Personen standen während des Spiels auf Abruf bereit, um bei weiteren Schneefällen mitzuhelfen, den Platz umgehend zu beräumen", sagte Voigt. Die DFL hat den Verein um eine Stellungnahme gebeten.

tim

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