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Bundesliga im stern-Check Dortmund steht sich mit seiner ewigen Klopp-Nostalgie nur noch selbst im Weg

BVB-Trainer Edin Terzic
Am Ende ratlos: BVB-Trainer Edin Terzic bei der Niederlage seines Teams am Freitagabend bei Union Berlin
© Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
In der Bundesliga reiht sich ein vorzeitiger Abgang an den nächsten: Einer muss gehen, weil er nicht zum Verein passt, einer muss gehen, weil er seinen Gegenspieler anspuckt, und einer muss gehen, weil der Trainer ihn erst ein- und dann wieder auswechselt. Hält dagegen auch bei hoher Fluktuation die Stellung: der stern-Check.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 13. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Eine Szene, drei Aufreger: Der erste passierte auf dem Platz, als Gladbachs Marcus Thuram sich mit einer üblen Spuckattacke auf seinen Hoffenheimer Gegenspieler Stefan Posch völlig verdient eine dunkelrote Karte einhandelte und damit die Niederlage seines Teams einläutete.

Der zweite Aufreger folgte im Fernsehen – und wo sonst, wenn nicht am sonntäglichen Fußball-Stammtisch "Doppelpass" bei Sport1, wo der unvermeidliche Karl-Heinz Rummenigge seine zehn Cent zur Szene zum besten gab. Das klang dann so: "Ich habe mich gefragt, was passiert wäre, wenn es umgekehrt gewesen wäre: Der Posch hätte den Thuram angespuckt. Dann hätten wir wieder eine Rassismus-Debatte." Und als wäre das nicht schon peinlich genug, legte Sport1-Experte Marcel Reif gleich noch einen drauf, aber hören Sie selbst: 

Gelinde gesagt sind das seltsame Interpretationen der Dinge, die sogleich zum dritten Aufreger führten – natürlich im Netz: Dort machten die Zitate von Rummenigge und Reif am eigentlich so besinnlichen 4. Advent die ganz große Runde, indem sich ein Großteil der Twitter-User über den absurden Whataboutism echauffierte, der dem "Doppelpass" gleich die zweite Rassismus-Diskussion binnen weniger Wochen bescherte. Und das macht die fürchterliche Sendung so langsam fast zu einer Art Politikum. Findet auch er hier:

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Es war ein Kunstschuss, der selbst den sonst so trockenen "Kicker" ganz wuschig machte: "Patrik Schick kippte mit dem Oberkörper ab und hämmerte den Ball per Hüftdrehstoß volley in den Kasten von Manuel Neuer." Nicht zu Unrecht fühlten sie sich beim Fachmagazin an den legendären Treffer von Zinedine Zidane im Champions-League-Finale 2002 erinnert. 

Der schöne Treffer sei so aber nicht geplant, also keine einstudierte Variante gewesen, räumte Schick hinterher ein: "Das war nur mein Instinkt, dass ich da gestanden habe", so der tschechische Nationalspieler. Und auch sonst verbietet sich der Zidane-Vergleich nicht zuletzt deswegen, weil es für Schicks Mannschaft – im Gegensatz zu Real Madrid seinerzeit – nicht zum Sieg reichte ...

Gewinner des Spieltages

... denn den holten sich am Ende dann doch wieder die Bayern, dank des 2:1-Siegtreffers ihres frischgebackenen Weltfußballers Robert Lewandowski in letzter Sekunde. Ein Erfolg, der mindestens sechs Punkte wert ist: aufgrund des Auswärtssieges im direkten Vergleich mit einem Konkurrenten, und aufgrund der zusätzlichen Punktverluste von RB Leipzig, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach.

Wir könnten an dieser Stelle wieder mit der alten Leier anfangen, dass die Bayern nun, da sie plötzlich doch wieder mit zwei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze das Weihnachtsfest begehen, im Grunde schon wieder die Langeweile im Titelrennen für den Rest der Saison eingeläutet haben könnten – aber wir verweisen lieber, einfach so und ohne weiteren Kommentar, auf einen aktuellen Text unseres geschätzten Kollegen Swen Thissen:

Verlierer des Spieltages

Die kurzfristige Wirkung des Trainerwechsels ist beim BVB schon wieder verpufft: Einem 2:1-Auswärtssieg bei Werder Bremen im ersten Spiel nach der Entlassung von Lucien Favre folgte nun mit dem 1:2 in Berlin die erste Niederlage unter dem vorherigen Assistenten Edin Terzic. Aber so schlimm die Pleite bei Union auch war, weil sie abermals grundsätzliche Schwächen der Mannschaft offenlegte und Mats Hummels deshalb gar gleich nach Schlusspfiff zu einer Wutrede gegen die eigenen Teamkollegen veranlasste – schlimmer ist in Dortmund ein ganz anderes Phänomen: die immer noch anhaltende, ja, überbordende Liebe für einen Trainer, der inzwischen schon fünfeinhalb Jahre weg ist und überdies viel zu klug wirkt, um jemals wieder zurückzukehren und damit womöglich seinen schwarz-gelben Legendenstatus zu beschädigen.

Und trotzdem konnte es BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch diesmal wieder nicht lassen, als er Favres Demission auf dem vereinseigenen TV-Kanal einordnete: "Wenn du als Trainer für diesen Bereich begabt bist, dann spürst du relativ schnell, wie ein Verein tickt", sprach er dem weggeschickten Coach nachträglich das Gefühl für die DNA des Klubs ab, nur um allen Ernstes zu ergänzen: "Klopp zum Beispiel hat da relativ schnell Witterung aufgenommen." Nicht das erste Mal – genau genommen auch nicht das zweite oder dritte oder vierte Mal –, dass der Boss des BVB seinem alten Meistertrainer öffentlich nachtrauert. So einen wie Klopp, das hatte Watzke im vergangenen Jahr auch in seiner Biographie "Echte Liebe" bedauert, "würden wir nie mehr wieder bekommen."

Stimmt, so einen wie Klopp nicht. Aber seit dessen Abgang im Jahr 2015 saßen unter anderem Thomas Tuchel (heute französischer Meister und Champions-League-Finalist mit Paris Saint-Germain), Peter Bosz (bis vor diesem Spieltag Tabellenführer mit Bayer Leverkusen) oder eben Favre auf der Bank – gestandene Fachmänner, denen in Dortmund letztlich eine gemeinsame Eigenschaft zum Verhängnis wurde: Sie sind nicht (so einer wie) Klopp. Dass sie sich mit ihrer romantischen Verklärung der Vergangenheit nur noch selbst im Weg stehen, wollen sie in Dortmund einfach nicht einsehen. Dabei wirkt die ewige Klopp-Nostalgie auf Außenstehende langsam nicht nur lächerlich, sie wird am Ende auch noch jeden Klassetrainer vergraulen. Um es einmal ganz deutlich zu sagen, lieber BVB: Klopp kommt nicht mehr zurück – macht euch das endlich klar!

Bild des Spieltages

Leroy Sane verlässt den Platz in Leverkusen
© Lars Baron/Getty Images

In der 32. Minute ein- und in der 68. wegen schwacher Leistung wieder ausgewechselt: "Das kannte ich so noch nicht", merkte ein sichtlich bedienter Leroy Sané hinterher an, nachdem er den Platz in Leverkusen mit hängendem Kopf verlassen hatte. Überhaupt kennt der Königstransfer der Bayern so manches in München offenbar noch nicht so gut. "Sané fällt es schwer, diesen Verein zu kapieren", lautete das harte Urteil von "Bild"-Experte Mehmet Scholl. Etwas ungelenker drückte sich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge beim bereits erwähnten "Doppelpass" aus: "Er ist noch nicht in diesem FC-Bayern-Gen angekommen." Sané müsse seinen Charakter an den Verein anpassen, so Rummenigge, dann könne er eine große Zukunft haben. Kein Zweifel: Was diese Anpassung betrifft, waren Sanés Schwierigkeiten seit seiner Ankunft beim Rekordmeister nie größer als an diesem Wochenende in der BayArena.

tim

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