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Kinderbuch: Sind Graffiti Kunst?

Viele Erwachsene haben für moderner Kunst höchstens ein Kopfschütteln übrig. Ein neues Kinderbuch soll da Abhilfe schaffen und auf anschauliche Weise ein Kunstverständnis vermitteln.

Warum eigentlich zeichnete Picasso eckige Menschen? Sind Graffiti Kunst? Was ist Biedermeier, was Dada? Verkürzt, aber anschaulich und unterhaltsam klärt Kolja Kohlhoff in ihrem neuen Buch "Die Alte und die Neue Nationalgalerie" für Kinder Fragen wie diese. Dabei vermittelt sie aber nicht nur jungen Lesern, sondern auch Erwachsenen interessante Einblicke in die Kunstgeschichte seit 1800 - und das alles anhand der Bestände der beiden großen Berliner Ausstellungshäuser.

Picasso habe Menschen eckig gezeichnet, "weil er sie von vorn, von rechts und von links angeschaut hat und uns nichts davon vorenthalten möchte", ist da zu erfahren. Der französische Maler Jean Dubuffet habe Bilder gemalt, die wie Graffiti aussahen, weil ihn das Ursprüngliche interessierte - Malerei sollte sein wie Spuren, die eine Hand auf geknetetem Teig hinterlässt. Und im Biedermeier von 1830 bis 1860 sei mit Vorliebe das kleine, überschaubare, geordnete, private Leben gezeigt worden. Dagegen hätten die Dadaisten nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit Unordnung und Unsinn auf sich aufmerksam machen wollen, heißt es.

Bezüge zwischen alter und neuer Kunst

Gemälde illustrieren die Erläuterungen. Darüber hinaus werden die gezeigten Bilder detailliert beschrieben. Auch ihre Entstehungsgeschichte ist zu erfahren. In der Auswahl befinden sich Werke von Caspar David Friedrich, Edouard Manet, Carl Spitzweg, Auguste Renoir, Otto Dix, George Grosz und Max Beckmann.

Zwei Seiten eines Buches

Während die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel die Kunst des 19. Jahrhunderts zeigt, hat die Neue Nationalgalerie am Kulturforum ihren Schwerpunkt auf der Kunst des 20. Jahrhunderts. Beiden Häusern ist jeweils die Hälfte des Buches gewidmet. Die beiden Teile stehen sich auf den Kopf gestellt gegenüber. In der Mitte des Buches, wo sich Tradition und Moderne begegnen, dreht man den Band um, um weiterzulesen.

So kann man das Buch von beiden Seiten lesen. Durch das Prinzip der ständigen Umkehr können Bezüge zwischen den Beständen, zwischen alter und moderner Kunst, hergestellt werden. So ist beispielsweise auf einem Schinkel-Gemälde eine Kirche zu sehen, die dann im anderen Teil mit einer Kathedrale von Kurt Schwitters verglichen werden kann.

Holger Mehlig, AP

Das 96-seitige Buch mit 62 farbigen Abbildungen kostet 12,90 Euro.

DPA
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