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Lesetipps Die besten Bücher für den Urlaub


Die Urlaubszeit beginnt - für viele die Gelegenheit, mal wieder ein gutes Buch zu genießen. Aber was lesen am Strand oder Hotel-Pool? stern-Autor Kester Schlenz verrät seine vier Lesetipps.

Eine ganz besondere Komikerin

Azime lebt in London. Sie ist die Tochter kurdischer Eltern. Es sind strenge, traditionsbewusste Eltern. Kein Wunder, dass der Teufel los ist, als die bemerken, dass Azime ein Doppelleben führt. Sie steht auf der Bühne. Also Stand-Up-Comedian. In einer Burka - und macht Witze über sich und Ihre Familie. Antony McCartens "funny girl" ist ein ebenso komischer wie anrührender Roman über eine junge Frau, die versucht, zwei grundverschiedene Welten zusammen zu bringen. Und das Schöne ist, dass in diesem Buch keine dieser Welten diffamiert wird.
Diogenes, 22,90 Uhr

Wuchtiges Meistewerk

Diese Buch liest sich wie ein Scorsese-Film zwischen zwei Buchdeckeln. Erzählt wird die Geschichte des kleinen Gangsters Joe Coughlin, der in Boston für ein Verbrecher-Syndikat zu arbeiten beginnt und schließlich in Florida zum größten Rum-Schmuggler der Prohibitionszeit aufsteigt. Atemlos verschlingt man, wie Coughlin, Sohn eines Polizisten, sich gegen viele Widerstände immer wieder durchsetzt. Er wird fast totgeschlagen, landet im Gefängnis, überlebt Bandenkriege, kämpft mit seinen Skrupeln und gegen übermächtige Gegner und riskiert für die Liebe einer Frau alles. "In der Nacht" von Dennis Lehane ist ein wunderbar geschriebener, vielschichtiger Entwicklungsroman im Gewand eines Gangster-Epos. Nichts für zarte Gemüter, aber nie platt gewaltverherrlichend.
Diogenes, 21,90 Euro

Der Mann fürs Grobe

Der Held, von dem wir hier reden, scheint zwar mit der Kettensäge gezimmert worden zu sein, aber die Romane, in denen er auftritt, sind perfekte und dabei nicht unintelligente Spannungsliteratur. Gut konstruiert und sehr unterhaltsam. Jack Reacher heißt der Held. Lee Child sein Schöpfer. In seinem 14. Fall "61 Stunden" macht Reacher in South Dakota erst einmal nur ein Schneesturm zu schaffen. Der Bus, in dem er mitfährt, landet im Straßengraben. Es geht nicht weiter, und Reacher nimmt die Einladung eines Cops an, vorübergehend bei ihm zu wohnen. Im Haus seines Gastgebers erfährt er, dass die örtliche Polizei gerade mit großem Aufwand eine ältere Dame schützt, die Zeugin eines Drogendeals wurde. Aber schnell stellt sich heraus, dass jemand die einzige Zeugin beseitigen will. Jemand, der vor nichts zurück schreckt und absolut keine Angst vor der Polizei hat. Aber da ist ja noch Jack Reacher, die Ein-Mann-Armee auf Reisen...
Schnell, hart, schnörkellos - Lee Child in Bestform. Nichts für den Pulitzer-Preis, aber idealer Stoff zum Einfach-So-Wegsaugen.
Blanvalet, 19,99 Euro

Sehr komischer Blick ins Männerhirn

Hansen ist auf See. Auf einer Expedition im Nordpolarmeer. Dort verfällt er dem Charme der australischen Pinguin-Forscherin Lisanne und beginnt eine Affäre. Dumm nur, dass zuhause in Berlin seine Freundin sitzt. Und die schickt ihm ein Ultraschall-Foto aufs Schiff. Hansen sieht: Er wird Vater und ist fortan überfordert. Jan Jepsen hat mit "Fortpflanzung folgt" einen urkomischen Roman geschrieben, der tiefe Einblicke ins männliche Gehirn bietet. Herrlich unkorrekt und ziemlich entlarvend.
Berlin-Verlag, 14,90 Euro

Kester Schlenz

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