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Literaturnobelpreis Ein meisterhafter Erzähler: Das ist Abdulrazak Gurnah

Abdulrazak Gurnah
Abdulrazak Gurnah lebt seit 1963 in Großbritannien und lehrte an der Universität von Kent
© Ger Harley | EdinburghEliteMedia.co.uk/ / Picture Alliance
Er wuchs in Sansibar auf: Der Literaturnobelpreis 2021 geht an Abdulrazak Gurnah - ein Überraschungskandidat. 

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah. Er erhält den Preis "für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten", wie der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Bekanntgabe sagte.

Der 73-jährige Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren und kam als Geflüchteter nach England. Die Insel Sansibar verleibten sich das Vereinigte Königreich und das Deutsche Reich zu Kolonialzeiten ein, 1890 wurde es ein britisches Protektorat und erlangte erst 1963 seine Unabhängigkeit. Gurnah lebt und arbeitet seit 1982 in Großbritannien, wo er mehrere Romane und Kurzgeschichten verfasste, in denen er auch den Kolonialismus thematisierte. Zum bekanntesten Werk gehört "Gravel Heart", ein Roman über einen Jungen in Sansibar, der von der großen Welt träumt und seinen Weg nach London findet. Doch dort angekommen blickt er in Abgründe.

"Gurnah ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler", urteilte die "Financial Times" über den Autor. Mit "Das verlorene Paradies" von 1994 gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller. Er war damit für den renommierten Booker Prize nominiert. Der Roman spielt im kolonialen Ostafrika während des Ersten Weltkriegs. Erzählt wird eine traurige Liebesgeschichte, in der unterschiedliche Welten und Glaubenssysteme kollidieren. Gurnah verfasst sein Werk hauptsächlich auf Englisch.

Literaturnobelpreis gilt als renommierteste Auszeichnung

Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Der Preis geht wie die weiteren traditionellen Nobelpreise auf das Testament des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. 1901 war er zum ersten Mal verliehen worden, damals an den Franzosen Sully Prudhomme. Seitdem haben ihn fast 120 Persönlichkeiten erhalten. Der bislang jüngste Preisträger war 1907 der damals 41 Jahre alte "Dschungelbuch"-Autor Rudyard Kipling, die älteste Doris Lessing, die ihn 2007 im Alter von 88 Jahren überreicht bekommen hatte.

Im vergangenen Jahr war die amerikanische Dichterin Louise Glück mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Sie war damit eine von 16 Frauen, die den Preis bislang in Empfang genommen haben. Wie im Vorjahr sind die Nobelpreise auch diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980 000 Euro) pro Kategorie dotiert. Sie werden traditionell am 10. Dezember verliehen, dem Todestag Nobels.

Bereits in der ersten Wochenhälfte waren die diesjährigen Preisträger in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Unter ihnen waren mit dem Meteorologen Klaus Hasselmann und dem Chemiker Benjamin List auch zwei Deutsche.

mai/DPA

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