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Literaturpreis: Wiederauferstehung des Menschen mit Trauer und Ironie

Der ungarische Schriftsteller Péter Esterhàzy erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der 53-jährige Autor beklage als weithin vernehmbare Stimme die Zerstörung des Menschen durch Terror und Gewalt.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels teilte seine Entscheidung am Mittwoch in Frankfurt mit. Das zerstörerische Potential von Gewalt und Terror sind Esterhàzys Themen. Aber in seinen Romanen beschreibe er zugleich die "Wiederauferstehung" des Menschen mit Trauer und Ironie, hieß es zur Begründung. Esterhàzy habe nicht nur seine Heimat Ungarn in der Mitte Europas, sondern Europa in der Mitte der Literatur neu definiert. Der Schriftsteller ist der 55. Träger der mit 15.000 Euro dotierten Auszeichnung. Diese wird während der Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober in der Paulskirche verliehen.

Der 1950 in Budapest geborene Esterhàzy zählt zur postmodernen Generation der ungarischen Literatur. Als sein Hauptwerk gilt "Harmonia Caelestis". In dem im Jahr 2000 erschienenen Buch beschreibt er seine Familiengeschichte. Für die ungewöhnliche Chronik, die in Ungarn monatelang die Bestsellerliste anführte, wurde er mehrfach ausgezeichnet. Esterhàzy stammt aus einer alten aristokratischen Familie, die 1948 nach der Machtergreifung der Kommunisten enteignet und deportiert wurde.

Die Absurditäten des sozialistischen Alltags geschildert

Wie wenige andere Autoren hat Esterhazy schon vor dem politischen Umbruch in Osteuropa mit Witz und Ironie die Absurditäten des sozialistischen Alltags geschildert. Der studierte Mathematiker verarbeitete seine Berufserfahrungen 1979 in einem Roman ("Termelési regény"), der auf groteske Art den Kampf eines Datenverarbeiters gegen den Alltag beschreibt. In Deutschland fand erstmals der Mitte der 80er Jahre veröffentlichte Band "Kleine ungarische Pornographie" Beachtung, in dem er in Anekdoten und fragmentarischen Aufzeichnungen über die Perversionen des ungarischen Alltags berichtet.

Mit dem "Buch Hrabal" (1990), eine Hommage an den großen tschechischen Schriftsteller Bohumil Hrabal, schlug Esterhàzy nach der politischen Wende neue Wege ein. 2000 erschien dann "Harmonia Caelestis", das der Schriftsteller selbst als sein "großes Werk" bezeichnet.

"Mut zum offenen Bekenntnis"

Darin habe Esterhàzy die "prototypische Schuld" der Menschen in Europa "in gedächtnisfähige Bilder und Gestalten verwandelt", begründete der Börsenverein seine Auszeichnung am Mittwoch weiter. "Sein Mut zum offenen Bekenntnis und zur poetisch-heiteren Beschreibung der Tragödie setzt der europäischen Depression einen Kontrapunkt." Die Jury bezeichnete Esterhàzy in Anspielung auf den berühmten irischen Autor James Joyce ("Ulysses") als "Jüngsten der Joycianer".

Esterhàzy, der auch Theaterstücke verfasst hat, ist verheiratet und hat vier Kinder. Er lebt in Budapest.

DPA / DPA