HOME

Ausstellung: "Peter Lindbergh: Untold Stories": so schön, dass man weinen und lachen möchte

"Was mir am stärksten in Erinnerung kommt, Peter, ist wie viel Du immer gelacht hast", sagt Regisseur Wim Wenders über den berühmten Fotografen Peter Lindbergh, dessen selbst kuratierte Werkschau ab jetzt im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen ist. Die Ausstellung wird von einem opulenten Bildband begleitet.

Lynne Koester

Lynne Koester, Paris, 1984

Es war eine Provokation, mit der Felix Krämer, Generaldirektor des Düsseldorfer Kunstpalastes, Peter Lindbergh kriegte. Er sagte einem der berühmtesten Modefotografen der Welt ins Gesicht, dass er glaube, Lindbergh interessiere sich eigentlich gar nicht für Mode. Doch dessen Reaktion war alles andere als beleidigt. "Endlich sagt das mal jemand", habe er geantwortet, schreibt Barbara Hein in der Februar-Ausgabe der "Art". Und es entstand die Idee zu einer großen Werkschau des Künstlers, die ihre Reise durch Deutschland und Italien am 5. Februar in Düsseldorf antritt. Lindbergh hat die Exponate für die Ausstellung zusammengestellt, zum ersten Mal selbst. Er wählte in zwei Jahren Arbeit 140 Bilder aus, konziperte die Hängung und hatte dabei alle Freiheit. Viele der Aufnahmen waren noch nie zuvor im Museum zu sehen, einige Auftragsarbeiten wurden in den großen Modemagazinen der Welt gedruckt.

Linda Evangelista, Michaela Bercu & Kirsten Owen, Pont-à-Mousson, 1988

"Peter Lindbergh: Untold Stories" von Peter Lindbergh mit Texten von Felix Krämer und Wim Wenders. Taschen Verlag, 320 Seiten, 60 Euro. Hier bestellbar.

Begleitet wird die Ausstellung von einem 320 Seiten umfassenden Katalog, der im Taschen Verlag erscheint und neben den Fotografien ein Interview zwischen Felix Krämer und Peter Lindbergh enthält sowie einen Text von Regisseur Wim Wenders.

Inszenierungen wie im Film

Peter Lindbergh ist mit 75 Jahren im September 2019 verstorben, was "Untold Stories" nun wie eine sehr persönliche Retrospektive wirken lässt. Was seine Motive miteinander verbindet, ist die Art ihrer Inszenierung, die immer die Fantasie des Betrachters anregt. Seine schwarzweißen Porträts sind sowohl zeitlos als auch völlig aus der Zeit gefallen und scheinen manchmal auf einem anderen Planeten entstanden zu sein. Dass Lindbergh es schafft, dass man selbst bei Aktaufnahmen als Erstes in das Gesicht einer Frau schaut, zeugt von seiner Kunst in der Dramaturgie. Eine Ausstellung, die man keinesfalls verpassen sollte.

"Peter Lindbergh: Untold Stories", zu sehen vom 5. Februar bis zum 1. Juni 2020 im Düsseldorfer Kunstpalast, 20. Juni bis 1. November im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, 4. Dezember bis 7. März 2021 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und im Frühjahr 2021 im Madre in Neapel.