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Romy-Schneider-Biografie: Die Tragödien einer Ikone

Als Schauspielerin gelangte sie zu Weltruhm, ihre Rolle als "Sissi" machte sie unsterblich. Doch privat wurde Romy Schneider vom Schicksal verfolgt. In einer neuen Biografie ergründet Jürgen Trimborn die schwierigen persönlichen Beziehungen der Ikone.

"Drei Menschen haben mein Leben von Grund auf verändert", sagte Romy Schneider einmal, "Alain, Visconti und Coco Chanel." Die Modeschöpferin gab der "Sissi"-Darstellerin den Look einer modernen, mondänen Frau, der Meisterregisseur formte ihre Darstellungskraft - und Kollege Delon lehrte sie die Kunst der Liebe. In den Jahren um 1960 legten alle drei in Frankreich das Fundament für Schneiders neues Image einer Femme fatale und für ihre einzigartige Kinokarriere mit Erfolgen wie "Der Swimmingpool" (1969) und "Die Spaziergängerin von Sanssouci" (1981).

Dass es noch ganz andere Menschen gab, die diese hypersensible, fieberhaft suchende und doch das Glück nur sehr selten spürende Frau Zeit ihres kurzen Lebens prägten und manipulierten, ihr das Talent in die Wiege legten und gleichwohl ihre Seele beschädigten, erzählt zum 70. Geburtstag des unvergessenen Weltstars am 23. September Jürgen Trimborn in seiner Biografie "Romy und ihre Familie".

Trimborn, bekannt für seine Sachliteratur zum Bereich Film und Fernsehen, schildert - in dieser Ausführlichkeit wohl erstmals - die Persönlichkeiten und schwierigen Beziehungen in der österreichisch-deutschen Schauspielerdynastie Albach-Retty, die einst der Ururgroßvater begründet hatte. Auch die Rollen des Stiefvaters und der beiden Ehemänner Harry Meyen und Daniel Biasini analysiert er.

Ein Weltstar, der seine Mitte nicht fand

Vorrangig den als extrem egozentrisch charakterisierten Eltern Magda Schneider und Wolf Albach-Retty, die bereits das Baby meist allein ließen, später jedoch nur allzu gern von Ruhm und Geld der Tochter profitierten, schiebt Trimborn den Schwarzen Peter zu: Er suggeriert, dass bei ihnen begründet sei, warum Rosemarie Albach, genannt Romy Schneider, ihre Mitte niemals fand, Alkohol-, Nikotin- und Tablettenmissbrauch betrieb, nach zahlreichen Affären und Schicksalsschlägen wie dem Unfalltod ihres Sohnes David 1982 mit 43 Jahren starb.

Trimborns Version von Romys Geschichte ist anhand von Büchern und Tagebüchern üppig recherchiert, süffig zu lesen und wirkt im Kern psychologisch erhellend. Trotzdem stört sein Klatschpostillen-Stil voller Klischees, Floskeln und wertender Adjektive. Dabei überzeugt seine These, dass in Unglück und Schwächen zugleich der Schlüssel zur künstlerischen Leistung Schneiders liegen dürfte. "Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand", befand sie selbst. Es war wie eine Flucht in Fantasie und Illusion: In ihren rund 60 Film- und wenigen Theaterrollen ging die Schauspielerin förmlich auf. Hier konnte sie all ihre Intuitionen und Gefühle entfalten - und die Identität entwickeln, zu der sie selbst nicht vordrang.

Symbol zweier Generationen

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch ein weiterer Autor, dessen Buch "Romy Schneider. Die Biographie" bereits im Frühjahr erschienen ist: Günter Krenn, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Filmarchiv Austria, entwickelt seine Darstellung auf intellektuellerem und sprachlich gediegenerem Niveau, dafür aber auch blutärmer anhand von Schneiders Filmen: Er bemüht sich, den Star und seine Leinwandwerke als Spiegel des Zeitgeistes zu sehen. So wird die junge Romy, nicht nur als Sissi, zum Symbol einer durch Nazi- und Kriegsschrecken verlorenen, aber ersehnten Unschuld zweier ganzer Nationen - Deutschlands und Österreichs. Spätere französische Werke von Regisseuren wie Claude Sautet interpretiert Krenn als Ausdruck von gesellschaftlichem Aufbruch und Frauenemanzipation. Denen konnte die Actrice privat anscheinend zwar mit dem Kopf, aber nicht wirklich mit ihrem Herzen folgen.

Von Ulrike Cordes/DPA / DPA