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Schönstes deutsches Wort: "Habseligkeiten" schlägt "Geborgenheit"

Der Deutsche Sprachrat wollte das "schönste deutsche Wort" ermitteln, und mehr als 20.000 Menschen beteiligten sich an der Suche. Am Ende gewannen die "Habseligkeiten".

Das "schönste deutsche Wort" ist "Habseligkeiten": Der Begriff und seine Begründung wurden von der Jury des Deutschen Sprachrates und des Goethe-Instituts am Sonntag in Köln zum Gewinner des Internationalen Wettbewerbs gekürt. Bei der Wahl, die im Westdeutschen Fernsehen übertragen wurde, war nicht entscheidend, wie oft ein Wort genannt wurde, sondern wie die Einsender ihre Wahl begründeten. Am besten gelang dies nach Ansicht der Juroren Doris Kalka aus Tübingen. Sie hatte sich für "Habseligkeiten" entschieden, weil es den Gegensatz des menschlichen Strebens nach Besitz mit dem "unerreichbaren Ziel" der Seligkeit vereine. "Geborgenheit" landete auf Platz zwei, gefolgt von "lieben".

"Das Wort (Habseligkeiten) bezeichnet nicht den Besitz, nicht das Vermögen eines Menschen, wohl aber seine Besitztümer, und es tut dies mit einem freundlich-mitleidigen Unterton, der uns den Eigentümer dieser Dinge sympathisch und liebenswert erscheinen lässt", schreibt Kalka, Sekretärin an der Universität Tübingen. Für ihre "poetisch-philosophische" Begründung wurde sie mit einer Reise nach Mauritius belohnt.

Prominent besetzte Jury

"Wir hatten den Wunsch, die Freude an der deutschen Sprache wiederzubeleben", sagte Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts und Vorsitzende des Deutschen Sprachrats, zum Ziel des Wettbewerbs. Insgesamt beteiligten sich daran 22.838 Menschen aus 111 Ländern. Rund ein Viertel der Vorschläge kam aus dem Ausland: Die "Liebe" war weltweit der unangefochtene Spitzenreiter unter den eingesandten Wörtern. Aus den Einsendungen wählten Mitarbeiter des Deutschen Sprachrats, des Goethe-Instituts und der Gesellschaft für deutsche Sprache 95 Vorschläge für die Jury aus, der unter anderem der Sänger Herbert Grönemeyer, Autor Uwe Timm und Filmregisseur Joseph Vilsmaier angehörten.

Der zweitplatzierte Vorschlag kam aus dem Ausland. "In meiner Sprache kann man die Gefühle der Geborgenheit nicht in Worte fassen. Das macht aus diesem Wort mein Lieblingswort der deutschen Sprache", sagte Einsenderin Annamaria Musakova aus der Slowakei. Gloria Bosch aus Palma de Mallorca überzeugte mit ihrer Begründung für das Verb "lieben", "das nur ein 'i' vom Leben entfernt ist".

Frühstück mit Barbara

Platz vier belegte der "Augenblick" mit der Begründung von Sabine Brenner aus der Schweiz: Das Wort sei "um eine subversive Idee zu lang für das, was es besagt" und klinge "so viel sinnlicher als ein 'Moment'". Zum "coolsten deutschen Wort" wurde "Rhabarbermarmelade", eingereicht von Frank Niedermeyer, gewählt. Er meinte: "Und welches Wohlgefühl umfällt mich, wenn ich Sonntagmorgens zu meinem Schatz sagen kann: 'Barbara, reich mir doch bitte die Rhabarbermarmelade.'" Im Wettbewerb um "Das schönste Wort der Kinder" siegte die "Libelle". Für den zehnjährigen Sylwan Wiese aus Köln "flutscht" das Wort auf der Zunge.

In Deutschland gehörten "Gemütlichkeit", "Sehnsucht" und "Heimat" zu den meist genannten Wörtern. Eine Auswahl der Liebeserklärungen an die deutsche Sprache wird in einem Buch zusammengefasst, in dem sich auch Beiträge von prominenten Künstlern und Politikern wie Loriot und Wolfgang Joop, Wolfgang Thierse und Renate Künast finden. Der Wettbewerb soll mit veränderten Kriterien fortgesetzt werden.

Susanne Schmetkamp/DPA / DPA