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Chlodwig Poth: Start der Karriere im Luftschutzkeller

Tod eines Karikaturisten - Chlodwig Poth verstarb in Frankfurt im Alter von 74 Jahren. Der Mitbegründer der "Neuen Frankfurter Schule" war bis zuletzt regelmäßig im Satiremagazin "Titanic" vertreten.

Chlodwig Poths Karikaturistenkarriere begann im Luftschutzkeller. Seine erste Witzseite "Bombenteppiche und Bunkerläufer" vom 25. März 1945 "befasste sich gleich mit dem heftigsten Übelstand, der dann zu beklagen war", wie Poth selbst es auf seiner Internetseite darstellte: Den Bomben der Amerikaner und Briten sowie den "Bunkerläufern", die dem Luftschutzkeller nicht trauten und sich bei jedem Fliegeralarm mit Sack und Pack zum Bunker aufmachten. Im Luftschutzraum fand der später durch Satiremagazine wie "Titanic" und "Pardon" bekannt gewordene Poth, der am Donnerstag im Alter von 74 Jahren in Frankfurt gestorben ist, sein erstes Publikum.

Los als "Berufsärgerer"

"Übelstände" blieben ein zentrales Thema Poths, der sich selbst als Journalist und Dokumentarist fühlte, und dem Arbeiten wie "Mein progressiver Alltag", die "Hassblätter" oder "50 Jahre Überfluss" den Titel "Chronist des intellektuellen Deutschland" eintrugen. Über sein Los als "Berufsärgerer" klagte Poth allerdings auch: "Du wachst morgens auf, bist eigentlich guter Laune, es ist ein schöner heller Tag - und dann musst du dich hinsetzen und dich über irgendetwas ärgern."

Der in Wuppertal geborene Poth war nach eigenen Angaben schon früh von Zeichnungen und Karikaturen begeistert: "Ich bin fest davon überzeugt: Dass ich Karikaturist werden würde, ist mir an der Wiege gesungen worden", schrieb er einmal. Schon 1947 hatte sich der damals 17-Jährige an einem eigenen Satire-Magazin versucht. 1962 beteiligte er sich an der Gründung der Satirezeitschrift "Pardon". Zusammen mit Künstlern wie Robert Gernhardt, F. K. Wächter, W. F. Bernstein und Eckhard Henscheid begründete er so die "Neue Frankfurter Schule".

"Last Exit Sossenheim"

"Eine Mischung aus Nonsens und zeitbezogener Satire ist gut", befand der Karikaturist einmal über seine Arbeit. Mit seinem entsprechend angelegten Langzeitprojekt "Last Exit Sossenheim" war Poth bis zuletzt regelmäßig im Satiremagazin "Titanic" vertreten. Die Szenen aus dem Frankfurter Randbezirk, in dem Poth selbst wohnte, stehen nach Poths Schilderung "als ein mit epischer Breite und erzählerischem Tiefgang groß angelegter künstlerischer Kommentar zur Sozial-, Kultur- und Schnapsideengeschichte der Bundesrepublik".

Seit einigen Jahren litt der Satiriker an einer unheilbaren Durchblutungsstörung der Netzhaut, weswegen er zuletzt gigantische Lupen benutzen musste. Poths Frau Anna unterstützte ihren Mann und begleitete ihn auf Lesungen. Im Jahr 2002 erschien Poths Autobiografie "Aus dem Leben eines Taugewas. Erinnerungen".

Till Mundzeck / DPA / DPA
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