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DJ Felix Jaehn und seine Vorgänger: Welche deutschen Acts in den US-Charts schon auf Platz 1 waren

Ein Easy-Listening-Held aus Hamburg, drei Girls im Glitterdress und Milli Vanilli - die dafür dann gleich mehrfach: Die Geschichte der Acts made in Germany, die es in den USA auf die Pole Position der Billboard-Charts geschafft haben, ist übersichtlich.

Von Ingo Scheel

Er ist der DJ: Felix Jaehn bei der Arbeit

Er ist der DJ: Felix Jaehn bei der Arbeit

Da wird sogar der Außenminister zum Pop-Connaisseur und gratuliert: Mit dem 20-jährigen DJ Felix Jaehn hat ein Deutscher das Kunststück vollbracht, den ersten Platz der US-Single-Charts zu erklimmen. Ein Ereignis, das noch seltener vorkommt als Sonnenfinsternis oder HSV-Meisterschaften. Dass der Titel "Cheerleader“ nicht von Jaehn stammt, sondern ein Cover eines jamaikanischen Sängers mit dem verwirrenden Namen Omi ist – sei es drum. Dass der Hüftenwackler von einem Song soundmäßig zwischen Mark Medlock und Langnese-Eis-Werbung mit erhöhtem Frauenfeindlich-Faktor angelegt ist – drauf gepfiffen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Einmal gehört, das Teil, und man muss zwangsweise nachsummen, mitsingen, vor sich hinpfeifen. Die Hymne an die Cheerleader ist in Sachen Ohrwurm so klebrig wie Refrains von Modern Talking und Lou Bega, kombiniert mit dem Gebimmel von der Telekom.

 

Es ist also an der Zeit, eine Chartsplatzierung zu feiern, wie es sie so seit ziemlich genau 26 Jahren nicht  mehr gegeben hat. Damals waren es zwei junge Herren, deren Hit auch nicht ihr eigener war, nicht einmal gesungen hatten sie ihn, aber das sollte die Welt erst später erfahren. Fab Morvan und Rob Pilatus nannten sich Milli Vanilli, ließen sich vom deutschen Pop-Mogul Frank Farian (Boney M.) eine Handvoll Welthits auf den Leib schreiben und erklommen im Juli 1989 mit "Baby Don’t Forget My Number" die Spitze der US-Charts, wo sie sich eine Woche lang hielten. Alles andere als ein One-Hit-Wonder, wie sich herausstellen sollte. Zwei Monate danach gelang ihnen eine weitere Top-Platzierung mit "Girl I’m Gonna Miss You", Ende des Jahres gar ein drittes Mal mit "Blame It on the Rain". Tragischerweise hieß es im Jahr darauf "blame it on the playback“. Die Herren Pilatus und Morvan gaben öffentlich zu, nie auch nur einen Ton gesungen zu haben. Statt ihrer hatten die unbekannten Sänger Charles Shaw, Brad Howell und John Davis die Tracks im Studio mit Vocals versehen.

Kleine Kneipe und Bett im Kornfeld

Jene drei Girls, die anno 1975 mit "Fly Robin fly" ebenfalls diesen Platz an der Sonne erklommen hatten, sangen zumindest selbst, mit Songwriting hatten sie jedoch ebenfalls nicht viel am Hut. Das erledigten Sylvester Levay und  Michael Kunze, der bereits einen Kracher wie Maffays "So bist Du“ im Portfolio hatte und später mit Evergreens wie Udo Jürgens' "Griechischer Wein“, Peter Alexanders "Kleiner Kneipe“ und dem "Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews, um nur einige zu nennen, erfolgreich war. Ein Detail, das sich ebenfalls als dem Charterfolg zuträglich erwies, war der mit den Worten "Fly, robin, fly, up up to the sky“ äußerst überschaubar gehaltene Text.

Mit noch weniger Text hatte ein Hamburger anno 1961 in den USA Erfolg: "Wonderland by Night“ nannte Orchesterchef Bert Kaempfert seine Ode an Manhattan, im Januar 1961 toppte der gemächliche Trompetenschunkler die US-Charts und hielt sich dort für stolze fünf Wochen. Kurze Zeit später produzierte Kaempfert in der Hansestadt als erster überhaupt eine junge aufstrebende Band aus Liverpool. Die Boys nannten sich The Beatles.

Und sonst? Nena schaffte es mit ihren "99 Luftballons" 1983 immerhin auf Platz 2 der Billboard-Charts ebenso wie der zweite große Hit von Silver Convention, "Get Up and Boogie“ und Snaps "The Power“ (1990). Lou Begas "Mambo No. 5“ verbuchte anno 2000 einen dritten Platz und "Wind of Change“, die Perestrojka-Hymne der Scorpions, knackte 1990 immerhin die Top-5. Womit wir wieder beim Mitpfeifen wären …

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