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"Brokeback Mountain": Schwuler Königsfilm in Korea, rosa Cowboys in Sydney

Ob in Seoul, Sydney oder Singapur - das schwule Cowboydrama "Brokeback Mountain" schlägt hohe Wellen. In Südkorea sorgt im Kielwasser des Films die erste heimische Schwulenfilmproduktion für volle Häuser.

Von Michael Lenz, Sydney

Bereits ein Viertel aller Südkoreaner hat der Film über die sexuelle Affäre zwischen einem König aus der Chosong Dynastie und seinem Hofnarren ins Kino gelockt. Sogar Staatspräsident Roh Moo-hyun hat den Film, der auf einer historischen Begebenheit beruht, gesehen. Im Gegensatz zu US-Präsident George Bush, der "Brokeback Mountain" bisher die kalte Schulter gezeigt hat.

Taiwans Präsident nützt Film zum Seitenhieb auf China

Taiwans Präsident Chen Shui-bian verglich im Februar vor einer Konferenz amerikanischer Geschäftsleute die Beziehungen zwischen seinem Land und den USA mit "Brokeback Mountain". "In jedem von uns steckt ein 'Brokeback Mountain", zitierten asiatische Tageszeitungen Chen Shui-ban. "Er motiviert uns zu verstehen, dass wir alle in unserem Leben immer wieder schwierige Entscheidungen zu treffen haben und dass wir Vorurteile überwinden müssen." Chen nutzte den Film, der seinem Landsmann Ang Lee den Regie-Oscar eingebracht hat, auch zu einem Seitenhieb auf die Volksrepublik China. "Hier in Taiwan läuft 'Brokeback Mountain' in ausverkauften Kinos, und Ang Lee ist hoch angesehen. Jenseits der Straße von Taiwan, in China, ist der Film von den Zensoren der Regierung verboten."

Philippinische Bürgermeisterin spielt im Schwulenfilm

Das Brokeback-Fieber grassiert auch auf den erzkatholischen Philipinen. In Arbeit ist der Fernsehfilm "Flores de Mara" über eine Mutter mit gleich drei schwulen Söhnen. Für die "aufregende" Hauptrolle hat die preisgekrönte philippinische Schauspielerin Vilma Santos eigens ihre neue Karriere als Bürgermeisterin von Lipa City unterbrochen. Nach den Dreharbeiten wird sich Santos aber wieder ganz der Politik widmen. Sie plant eine Kandidatur für den Posten des Gouverneurs von Batangas, was politische Beobachter als Vorbereitung auf Höheres werten - nämlich die Vizepräsidentschaft nach den Wahlen im Jahr 2010.

Aussi-Wellenreiter bringt der Film zum Schäumen

In Australien bringen die Dreharbeiten zu einer maritimen Version von "Brokeback Mountain" die Wellenreiter zum Schäumen. Der zur Zeit in der Nähe von Sydney gedrehte Low-Budget-Film "Tan Lines" des Filmemachers Ed Aldridge erzählt die Liebesgeschichte zwischen zwei Wellenreitern. Die knackig-braunen Macho-Surfer zwischen Bondi Beach und dem Strand von Manly finden das gar nicht lustig. Auf einer Surferwebsite lassen sie Dampf ab gegen Schwule. "Das wird ein lächerlicher Film. Man braucht eine gewisse Körperlichkeit, um sein Surfbrett tragen und ordentlich gehen zu können. Das kann man nicht nachstellen", schreibt einer.

Zensiert in China und in arabischen Ländern

So manchen Kinofans wird "Brokeback Mountain" jedoch vorenthalten. Der Film steht nicht nur in China auf dem Index, sondern auch in arabischen Ländern. Im überwiegend moslemischen Malaysia hat es die größte Verleihfirma des Landes in einem Akt von vorauseilender Selbstzensur erst gar nicht gewagt, den Film ins Sortiment zu nehmen. Im benachbarten puritanischen Singapur darf die Geschichte über die Liebe unter Cowboys überraschenderweise laufen, obwohl Homosexualität in dem Stadtstadt illegal ist. Die Begründung der Zensur, die auf den schönen Namen "Behörde für Medienentwicklung" hört: in "Brokeback Mountain" werde Homosexualität nicht verherrlicht. Der taiwanesische Film "Formula 17", in dem sich zwei männliche Teenager ineinander verlieben, steht dagegen auf dem Index. Glückliche Schwule sind nicht erlaubt.

Cowboy-Gruppen tanzten Square Dance auf Sydneys Mardi-Gras-Parade

Sydneys lesbisch-schwule Mardi-Gras-Parade, mit der am vergangenen Samstag die weltweite Christopher-Street-Day-Saison eröffnet wurde, war eine einzige Brokeback-Orgie. Auf der Parade ritten Cowboys auf falschen Bullen, Cowgirls von den "Dykes on Bikes" (Lesben auf Motorrädern) hatten ihre Böcke als Kühe verkleidet, und Cowboy-Tanzgruppen tanzten "Square Dance". Unter der halben Millionen Zuschauer war Bruno Gmünder, ein Verleger schwuler Bücher und Magazine aus Berlin. "Ich bin hier, um den Beginn der Jahresparaden zu erleben. Sie sind so etwas wie der Gradmesser für die Befindlichkeit der schwul-lesbischen Community." Wenn Gmünder Recht hat, dann werden in diesem Jahr die Christopher-Street-Days zwischen Köln und Berlin grelle Politsatiren mit viel Wildem Westen.