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"Candy": Leben im Rausch

Die Malerin Candy und der Poet Dan sind ein Traumpaar - jung, schön talentiert. Doch als die beiden mit Heroin experimentieren, geraten sie schnell in einen Abwärtsstrudel. In schonungslosen Bildern zeigt "Candy", was die Droge mit jungen Menschen anrichtet.

Von Carsten Heidböhmer

Zu Beginn seines Films "Candy" zeichnet der australische Regisseur Neil Armfield einen geradezu idyllischen Urzustand. In prallen, satten Farben sehen wir das junge Glück von Candy und Dan. Die beiden besitzen alles, was man sich nur wünschen kann: Sie sind jung, attraktiv, haben Träume - und lieben sich. Beiden steht eine große Zukunft offen. Nichts - so scheint es - kann das junge Glück trüben. Doch dann kommt alles anders: Dan ("Brokeback Mountain"-Star Heath Ledger) probiert Heroin aus, will einmal den ultimativen Kick spüren und Inspirationen sammeln, strebt er doch eine Karriere als Dichter mit dem zugehörigen Bohème-Leben an.

Die Malerin Candy (Abbie Cornish) will da nicht außen vor bleiben - auch sie giert nach rauschhaften Erlebnissen. Beide legen einen völlig unbedarften Umgang mit den Drogen an den Tag und verkennen die davon ausgehenden Gefahren. Als Candy nach einer beinahe tödlichen Überdosis aufwacht, sind ihre ersten Worte: "Das war schön". Schon bald hat die Sucht die beiden fest im Griff. Den Stoff beziehen sie zunächst über ihren Freund Casper (Geoffrey Rush). Der alternde Professor hängt selbst an der Nadel und gibt ihnen zu spät die entscheidende Warnung: "Wenn du aufhören kannst, willst du nicht. Wenn du aufhören willst, kannst du nicht."

Auch die Hochzeit ändert nichts

So gerät das Paar rasend schnell in einen Abwärtsstrudel, den auch die zwischenzeitliche Hochzeit nicht aufhalten kann. Ein Tiefpunkt ist erreicht, als Candy mit Dans Zustimmung anschaffen geht, um Geld für die Drogen zu besorgen. Ihren Besitz haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits versilbert, und kreditwürdig sind sie schon lange nicht mehr.

Armfield verzichtet bei seiner filmischen Darstellung des tiefen Abstiegs auf jegliche Weichzeichner und bringt das durch die Sucht verursachte Leid ungeschönt auf die Leinwand. Die beiden Hauptdarsteller Heath Ledger und Abbie Cornish liefern schauspielerische Höchstleistungen ab - beiden gelingt es, die kurzen Freuden des Rausches und das lang anhaltende Martyrium der Sucht überzeugend darzubieten.

Gescheiterter Entzug

Der Zuschauer sieht gequält zu, wie zwei schöne junge Menschen ihr Leben ruinieren und erleidet beinahe körperliche Schmerzen, wenn er den Protagonisten bei ihrem gescheiterten Entzugsversuchen zusieht. Nicht zuletzt für diese Schonungslosigkeit bekam der Film von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) das Prädikat "besonders wertvoll" verliehen. Auch im Festivalprogramm der diesjährigen Berlinale sorgte "Candy" für großes Aufsehen. Auch wenn er nicht immer leicht anzuschauen ist: Dieser Film hat viele Zuschauer verdient.