"Der Andere" im Kino Eyre setzt Schlink-Kurzgeschichte in Szene


Der Film "Der Andere" basiert auf einer Kurzgeschichte des Erfolgsautors Bernhard Schlink ("Der Vorleser") aus dem Band "Liebesfluchten". Der britische Regisseur Richard Eyre ("Tagebuch eines Skandals") hat die Geschichte einer Dreiecksbeziehung mit überraschendem Ende in Szene gesetzt.

Welcher Mann ist nicht schockiert, wenn er von der ehelichen Untreue seiner Ehefrau erfährt? Der beruflich in einer Software-Firma erfolgreiche Engländer Peter hätte sich nie vorstellen können, in eine solche Situation zu geraten. Denn er führt mit der international gefeierten Schuhdesignerin Lisa seit einem Vierteljahrhundert im idyllischen Cambridge eine glückliche Ehe. Beide haben eine hübsche erwachsene Tochter namens Abigail, deren Freund George, ein schrulliger Steinmetz, allerdings nicht Peters Vorstellungen entspricht.

Doch ein viel größeres und weit schmerzlicheres Problem entsteht für den hünenhaften Mann, als er herausbekommt, dass Lisa in Italien, wohin sie öfter aus beruflichen Gründen zu reisen pflegt, eine erotische Beziehung zu einem gewissem Ralph unterhält. Rasend vor Eifersucht fliegt Peter nach Mailand, um diesem Nebenbuhler auf die Spur zu kommen. Schnell schafft es dort der Ehemann, die Bekanntschaft stets elegant gekleideten, ausgesprochen gut aussehenden Ralph zu machen, ohne dass dieser vorerst ahnt, um wen es sich bei dem netten Engländer handelt.

Die beiden Männer verbindet neben ihrer Liebe zu Lisa auch die Begeisterung für Schach. Doch zum Spielen ist Peter nicht in die oberitalienische Metropole gekommen, sondern um zu erfahren, auf wen sich seine Frau eingelassen hat. Was er dabei an Erstaunlichem entdeckt und welches Schicksal Lisa bestimmt ist, zeigt ab dem 1. Juli die britisch-amerikanische Produktion "Der Andere" in den deutschen Kinos. Richard Eyre, einer der renommiertesten Theater- und Filmregisseure Englands, hat dabei eine Kurzgeschichte des deutschen Schriftstellers Bernhard Schlink nach dem Drehbuch von Charles Wood in Szene gesetzt.

Eyre kann in den drei Hauptrollen ebenso prominente wie hochkarätige Darsteller präsentieren: Der gebürtige Ire Liam Neeson spielt den betrogenen Ehemann Peter, der spanische Weltstar Antonio Banderas verkörpert seinen Rivalen Ralph, die stets distanziert wirkende Amerikanerin Laura Linney ist als Lisa zu sehen. Diese drei Schauspieler machen aus der ziemlich unglaubwürdigen Geschichte doch noch einen sehenswerten Film, der mit 88 Minuten erfreulich kurz geraten ist. Leider findet Regisseur Eyre dabei selten jene feine Balance zwischen melodramatischer Tragödie und ironischer Komödie, die dem Geschehen angemessen wäre.

Es ist vor allem Banderas, der als ebenso gockelhaft eitler wie sympathisch enthusiastischer Latin Lover die Leinwand beherrscht. Dem Spanier, der eigentlich ein berühmter Fußballspieler werden wollte, ist in der Rolle des Ralph in seinem Element, dagegen wirkt der kernige Ire Neeson ziemlich hölzern, was allerdings auch an seinem Part als betrogener Mann liegt. Laura Linney zeigt Lisa überzeugend als eine Frau, der eine glückliche Ehe ebenso zuzutrauen ist wie ein heimliches Abenteuer in südlichen Gefilden mit einem temperamentvollen Hochstapler.

Dass - zumindest im Kino - in erotischen Dreiecksverhältnissen selten alle Beteiligten ein gutes Ende nehmen, ist auch bei "Der Andere" nicht anders. Gleichwohl gibt es einen sehr versöhnlichen, fast schon märchenhaften Schluss in einem Film, der ein reiferes Publikum anziehen soll, wie Frank Doelger, einer der Produzenten, meint: "Ich wollte gern ein Liebesdrama für 40- oder 50-jährige Schauspieler sehen - denn diese Geschichte funktioniert nur, wenn man schon mindestens 20 Jahre Liebesleben hinter sich hat."

W. Hübner, APN/DPA DPA

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