"Der Liebeswunsch" Die Sehnsucht bringt Probleme


Jessica Schwarz spielt in "Der Liebeswunsch" eine Frau, die sich nach bedingungsloser Liebe sehnt und neben ihrer Ehe eine Affäre beginnt. Eine Rolle, die der Schauspielerin auf den Leib geschnitten ist, sagt sogar der eigene Vater. Ihr zur Seite: Barbara Auer und Tobias Moretti.

Vier Menschen unserer Zeit auf der Suche nach Liebe und einem glückhaftem Leben, doch am Ende Enttäuschung, Verbitterung und auch eine Verzweiflungstat: Das ist die Geschichte des Buchs "Der Liebeswunsch" von Dieter Wellershoff aus dem Jahr 2000. Der ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Roman war ein später und überaus verdienter Erfolg für den inzwischen über 80-jährigen Schriftsteller, der schon seit vielen Jahren zu den wichtigsten, zugleich aber weniger bekannten Autoren deutscher Sprache gehört. Es war eine gute Nachricht für Leser wie Kinogänger, als schon bald nach Erscheinen des Buches Pläne bekannt wurden, den nach einer Verfilmung geradezu schreienden Stoff auf die Leinwand zu bringen.

Und 2004 war der von Torsten C. Fischer inszenierte Film "Der Liebeswunsch" mit hervorragender Besetzung auch fertig. Nur konnte ihn bislang fast niemand sehen, weil es Verleiherquerelen gab und erst jetzt, mit dreijähriger Verspätung und sieben Jahre nach der Buchherausgabe, eine kleine Verleihfirma recht zaghaft einen aufregenden Film präsentiert, der an Qualität dem Roman keineswegs nachsteht. Hauptfigur ist die Studentin Anja, die in den Bannkreis von zwei beruflich erfolgreichen Männern gerät. Beide können und wollen ihr jedoch nicht das geben, nach dem Anja so sehr verlangt - die unbedingte Liebe, die bedingungslose Leidenschaft.

Folgenreiche erotische Begegnung

Der arrivierte Jurist Leonhard, den Anja heiratet und der Vater ihres Sohnes wird, ist ein emotional verkümmerter Mann, der schon einmal bei einer Frau versagt hat. Bei dieser handelt es sich um die schöne und kluge Ärztin Marlene, die nun schon lange die zweite Ehefrau des attraktiven Chirurgen Jan ist. Leonhard, Richter am Landgericht Köln, hat sich mit dem Verlust Marlenes abgefunden und unterhält zu ihr wie zu Jan sogar ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Anja bleibt trotz ihrer Heirat mit Leonhard in diesem vorgeschichtsreichen Beziehungsgeschlecht eine Fremde und Außenseiterin, auch wenn oberflächlich gerade der stocksteife Richter in mehreren Situationen diese Rolle innezuhaben scheint. Nach einem schrecklichen Unfall ihres Sohnes Daniel, der nur knapp mit dem Leben davonkommt, verschlechtert sich das Verhältnis von Leonhard und Anja noch mehr. Und bei einem gemeinsamen Südafrika-Urlaub der beiden Paare kommt es am Strand zu einer folgenreichen erotischen Begegnung zwischen Jan und Anja, die sich nach der Rückkehr im heimischen Köln fortsetzt.

Marlene, derentwegen Jan einst seine erste Frau verlassen hatte, schöpft Verdacht. Und Anja ist unzufrieden mit all den Heimlichkeiten, die ihr das leidenschaftliche Verhältnis zu dem Chirurgen abnötigt. Sie will den Geliebten dazu bringen, sich eindeutig für sie zu entscheiden. Doch Jan, im Grunde ein schwacher Charakter, will so weit gehende Konsequenzen nicht ziehen. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Jessica Schwarz ist großartig in der Rolle der Anja, eine solch überzeugende, am Schluss bewegende Leistung hätten viele der ehemaligen Viva-Moderatorin nicht zugetraut.

Schöne wie ausdrucksvolle Künstlerin

Natürlich steht ihr Barbara Auer als Marlene in nichts nach. Dass diese ebenso schöne wie ausdrucksstarke Künstlerin nie ein großer deutscher Kinostar geworden ist, bleibt ein Skandal. Tobias Moretti beweist sich in einer schwierigen Rolle als sensibler Darsteller, der eine nicht besonders sympathische Figur zu nuancieren versteht. Und der Däne Ulrich Thomsen, seit dem Familiendrama "Das Fest" (1998) ein europa- und weltweit gefragter Schauspieler, trifft die für diesen Jan richtige Mischung zwischen Kühle und Emotionalität. Leider ist Thomsens Deutsch nicht immer gut zu verstehen, ein Synchronsprecher wäre in seinem Fall angeraten gewesen.

Regisseur Fischer, auch fürs Drehbuch verantwortlich, hat in etlichen Fernseharbeiten Können gezeigt. In seinem erst zweiten Kinofilm seit 1992 bestätigt er den guten Ruf. Er konnte sich besonders freuen über die Reaktion von Dieter Wellershoff, der sagte: "Als ich den Film erstmals auf der großen Leinwand sehen durfte, war ich regelrecht begeistert. Offensichtlich haben die Schauspieler erkannt, dass die Geschichte eine Substanz hat, mit der sie etwas anfangen konnten." Nun erkennen das hoffentlich auch viele Zuschauer. Denn es wäre ein Jammer, wenn diese gelungene Romanverfilmung im gegenwärtigen Überangebot mittelmäßiger bis schlechter Kinoware untergehen würde.

Wolfgang Hübner/AP AP

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