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Frankreichs Sozialisten: Ségolène, die Macht und die Liebe

Die französischen Sozialisten gehen neue Wege - privat und politisch: Ségolène Royal trennt sich nach 30 Jahren von ihrem Lebensgefährten Francois Hollande und macht sich nun daran den Vater ihrer Kinder als Sozialisten-Chef zu beerben.

Von Astrid Mayer

Nein, das am Mittwoch erschienene Buch der Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royals ist keine Abrechnung mit ihrem Lebensgefährten - Ex-Lebensgefährten vielmehr. Wenige Tage vor Drucklegung des Buchs bekamen ihre Co-Autorinnen einen Anruf mit der Anweisung für eine kleine, aber entscheidende Änderung: "Ich will nicht mehr, dass man Francois Hollande als meinen Lebensgefährten bezeichnet", teilte sie ihnen mit.

Die Nachricht sollte eigentlich bis vorgestern geheim bleiben, aber dafür war sie einfach zu aufregend. Die Beziehung der beiden Stars der französischen Sozialisten, 30 Jahre alt, mit vier Kindern - zu Ende? Die Nachricht platzte mitten in den Wahlabend, und blieb (Wahlergebnis hin oder her) der Diskussionsstoff der folgenden Tage. Hat sich Royal ihres Lebensgefährten entledigt, um ungenierter um sein Amt als Parteisekretär und damit Führer der Partei kämpfen zu können? Oder hat sich Francois Hollande, der politischen Kämpfe mit seiner Frau müde, einer anderen zugewandt?

Hollandes kurzer Kommentar zur Sache

"Die Trennung hat keine politischen Gründe, und damit keine politischen Konsequenzen", war Hollandes einziger Kommentar zur Sache. Er hasst es, auf sein Privatleben und womöglich noch seine Geliebte angesprochen zu werden. Parteikollegen sind anderer Meinung als ihr Führer: "Sie sollten mal ihre privaten Beziehungen klären, und dann ihre politischen", maulte ein ungenannt bleiben wollender Sozialist schon während des Präsidentschaftswahlkampfs.

Freilich hatten die schwierigen privaten Beziehungen zwischen dem Parteiführer und der Kandidatin hinter den Kulissen hin und wieder Auswirkungen. In Royals Buch werden einige angedeutet: Es gab Szenen zwischen Hollande und Royals wichtigstem Berater; Hollande hatte auch abgelehnt, ihren Wahlkampf leitend zu koordinieren. Böse Zungen behaupten gar, Hollande habe bei ihrem ersten großen Auftritt das Mikrophon sabotiert.

Nun will Royal ihren Ex-Lebensgefährten möglichst bald aus dem Amt kicken - der übrigens ohnehin nicht mehr dafür kandidieren will. Er soll aber, wenn es nach Royal und ihren Anhängern geht, früher abtreten. Es ist aber kaum anzunehmen, dass dieser Konflikt der Grund für die Trennung ist. Konkurrenz in ihrer Beziehung sind die beiden gewohnt - mal stand in ihrer jahrzehntelangen Karriere der eine mehr im Rampenlicht, mal mehr die andere. Hollande ist seiner Frau nie im Weg gestanden und sie ihm auch nicht.

"Politisch bleiben wir solidarisch", schreibt Royal in ihrem Buch. Das ist freilich eine Beschönigung. Royal möchte vielleicht eine ähnliche Politik wie Hollande, aber sie möchte auf jeden Fall eine andere Partei. Letztlich hatte sie während ihrer Kampagne nicht nur zu ihrem Mann schwierige Beziehungen. Sie hat auch immer Abstand gehalten zu den anderen Parteigrößen, taktisch klug, um nicht in ihre Richtungskämpfe hereingezogen zu werden und ihre eigene Position vertreten zu können.

Schluss mit den schwammigen Synthesen des Francois Hollande

"Schluss mit diesen schwammigen Synthesen, die Francois Hollande bastelt, um die ganzen verschiedenen Strömungen unter einen Hut zu bringen", heißt es im Buch. Und damit sind die politischen Differenzen des Ex-Paares auf einen Punkt gebracht. Royal möchte aus der sozialistischen Partei etwas für Frankreich Untypisches machen: Eine Massenpartei mit knapp einer halben Million Anhänger, in der die Mitglieder mitbestimmen und nicht nur Manövriermasse sind, die dann den Kandidaten mit Plakatekleben und Beifall unterstützen.

Am kommenden Samstag geht es zur Sache: Die Parteivorstände treffen sich, um einen Fahrplan bis zu den Kommunalwahlen in neun Monaten aufzustellen. Heiß wird es werden, wenn es um die Frage gehen wird, wann der neue Parteisekretär gewählt werden soll. Hollande möchte sein Amt regulär bis Herbst 2008 behalten. Royal will neuen Wind und freie Hand für den Umbau des Parti Socialiste - mit ihr an der Spitze. Es wird spannend werden.

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