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Umstrittenes Öl: Nutella und Co.: Palmöl ist das Schmierfett der Lebensmittelindustrie

Der Nutella-Hersteller Ferrero setzt auf Palmöl - dabei ist das Fett umstritten. Für den Anbau muss Regenwald weichen und das Öl könnte krebserregend sein. Andere Hersteller nutzen Alternativen. Warum nicht Ferrero?

Nutella und der Streit ums Palmöl

Nutella-Hersteller Ferrero wirbt für Palmöl. Andere Unternehmen verbannen das umstrittene Fett aus der Zutatenliste

Die italienische Supermarktkette Coop macht ernst: Das Unternehmen räumt hauseigene Produkte, die Palmöl enthalten, aus den Regalen. Oder verändert die Rezeptur, sodass eine Alternative zum Palmöl verarbeitet wird. Palmöl steht seit Jahren in der Kritik, da für den Anbau der Pflanzen Regenwald weichen muss. Eine Studie aus dem vergangenem Jahr kam außerdem zu dem Schluss, dass Palmöl eventuell auch krebserregend sein könnte. Viel schlechte Presse für das Pflanzenfett, auf das die Industrie so schwört. Auch Nutella-Hersteller Ferrero setzt auf das Öl - und will das auch nicht ändern.

Palmöl steht in der Kritik

Coop ist nicht der erste Supermarkt, der dem Palmöl den Kampf angesagt hat. Der belgische Lebensmitteleinzelhändler Delhaize war im Februar 2014 die weltweit erste Supermarktkette, die Palmöl von der Zutatenliste der eigenen Produkte strich.


Seit Jahren verschärft sich der Umgang mit Palmöl. Denn für den Anbau des Fetts wird Regenwald gerodet. Indonesien ist wichtigster Produzent des Rohstoffs. Allein zwischen 2009 und 2011 war die Palmölindustrie für ein Fünftel der Regenwaldverluste dort verantwortlich.

Die Abholzung des Regenwalds für Palmöl sorgte 2015 für großen Ärger beim Nutella-Produzenten: Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hatte im Fernsehen zum Boykott der Nuss-Nougat-Creme aufgerufen. Und zwar weil Palmöl in der Creme steckt. Am Ende ruderte die Ministerin zurück, schließlich bezieht Ferrero seit 2013 sein Palmöl von zertifizierten Plantagen aus Malaysia. 

Wie nachhaltig ist nachhaltiges Palmöl bei Ferrero?

Doch was heißt zertifiziert? Ferrero ist Mitglied des "Round Table on Sustainable Palm Oil", kurz RSPO genannt. Ziel ist es, die Produktion des Palmöls nachhaltiger zu gestalten. Doch dem RSPO wurde schon Greenwashing vorgeworfen - also der vordergründige Versuch, sich ein grünes Image zu verpassen. So dürfen Plantagen, die durch Abholzung vor 2008 entstanden sind, das RSPO-Label tragen. So konnte nachträglich Rodung legitimiert werden.


Ferrero selbst sagt: "Für von uns verwendetes Palmöl dürfen keine Rodungen vorgenommen werden." Darüber hinaus gibt sich das Unternehmen eigene Selbstauflagen, wie die vollständige Rückverfolgbarkeit des Öls. "Ziel ist es, die Ursachen für Rodungen anzugehen und das optimale Gleichgewicht zwischen dem Erhalt der Umwelt und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort sowie wirtschaftlichem Nutzen und Machbarkeit zu erzielen", heißt es in der Ferrero-Palmöl-Charta. Kritiker werfen Ferrero vor, selbst die Palmölproduktion vor Ort kaum zu 100 Prozent kontrollieren zu können. Dennoch: In der jüngsten Greenpeace-Analyse zu Palmöl ist Ferrero top bewertet im Vergleich zu anderen Konzernen wie PepsiCo, Colgate-Palmolive und Johnson & Johnson.

Palmöl, der Schmierstoff der Industrie

Palmöl ist für die Industrie inzwischen kaum noch wegzudenken. Das Fett eignet sich für den Einsatz in allerlei Produkten. Margarine, Duschgel, Schokoriegel, Kerzen, Kosmetik, Waschmittel, Gebäck, Müsli - die Liste ist unendlich, denn jedes zweite Produkt aus dem Supermarkt greift auf das geschmacksneutrale Fett zurück. Denn es ist billig. Rapsöl kostete im Dezember 2016 auf dem Weltmarkt rund 917 Dollar pro Tonne, Sonnenblumenöl sogar mehr als 1000 Dollar. Palmöl gab es schon für 711 Dollar. Der günstige Preis kommt auch durch den Ertrag der Ölpalme zustande. Pro Hektar und Jahr werden aus der Palme rund 3,7 Tonnen Öl gewonnen. Raps kommt nur auf 1,3 Tonnen, aus Sonnenblumen lassen sich nur 0,9 Tonnen pressen.

Palmöl ersetzen? Greenpeace sagt Nein

Der hohe Ertrag der Ölpalme ist der Grund, warum sogar die Umweltschutzorganisation WWF sich gegen einen vollständigen Verzicht von Palmöl in der Industrie ausspricht. Denn für das Palmöl müsste ein Ersatz her wie Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- oder Rapsöl. Doch für den Anbau der weltweit benötigten Menge an Öl müssten viel größere Flächen beackert werden. Ähnlich wie auch andere Schutzorganisationen setzt sich der WWF für verbesserte Anbaubedingungen und ein und will die Nachfrage senken. "Würden wir auf Palmöl als Biokraftstoff verzichten und einen bewussteren Verbrauch von Konsumgütern wie Schokolade, Süß- und Knabberwaren, Fertiggerichten und Fleisch etablieren, könnten wir rund 50 Prozent des derzeitigen Palmölverbrauchs einsparen", heißt es in einer WWF-Studie aus dem vergangenen Jahr.

Nutella wird weiterhin mit Palmöl hergestellt

Nutella-Freunde brauchen sich zumindest nicht sorgen: Ferrero hat mit einer großen Werbeaktion für - nachhaltig angebautes - Palmöl geworben. Ein Alternativ-Fett kommt für den Hersteller nicht in Betracht. "Wenn wir Nutella ohne Palmöl herstellen würden, würden wir einen minderwertigen Ersatz für das echte Produkt nutzen", sagt Ferrero-Einkaufsleiter Vincenzo Tapella. "Das wäre ein Schritt zurück." Weniger cremig und ein veränderter Geschmack? Da gibt es offenbar für Ferrero keine Experimente. Immerhin ist die Nuss-Nougat-Creme der Umsatztreiber des Konzerns schlechthin. Und der lag zuletzt bei rund zehn Milliarden Euro. Ferrero hat sich bislang auf Nachfrage des stern nicht geäußert.