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Vorwürfe von Amnesty International Kinderarbeit für Kosmetika: Unilever, Kellogg's und Nestlé am Pranger

Kinder müssen auf den Palmöl-Plantagen in Indonesien mitanpacken
Kinder müssen auf den Palmöl-Plantagen in Indonesien mitanpacken
© Amnesty
Kit Kat, Colgate, Dove: In vielen Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten bekannter Marken steckt Palmöl aus Kinderarbeit. Das berichtet die Organisation Amnesty International nach Recherchen in Indonesien.

Für Verbrauchsgüterkonzerne wie Nestlé oder Unilever ist Palmöl ein Wundermittel. Das Pflanzenöl aus der Frucht der Ölpalme steckt in vielen Lebensmitteln sowie Wasch- und Reinigungsmitteln. Etwa jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl. Doch der Rohstoff ist umstritten. Neben der Zerstörung von Regenwäldern für die Kultivierung der Pflanze kritisieren Menschenrechtsorganisationen immer wieder die schlechten Arbeitsbedingungen.

Amnesty International dokumentiert nun, dass auch Kinder für die Palmölgewinnung schuften müssen. Rechercheure der Organisation haben Palmöl-Plantagen der Firma Wilmar in Indonesien besucht. Wilmar beliefert die Konsumgüterriesen Kellogg's, Nestlé, Unilever, Procter & Gamble, Colgate-Palmolive sowie Reckitt Benckiser.

Kinder müssen helfen, Leistungsziele zu erreichen

Laut dem Amnesty-Report, über den auch der britische "Guardian" berichtet, schuftet ein Erntearbeiter auf den Wilmar-Plantagen bis zu zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der Lohn für einen harten Arbeitstag: Sechs Dollar. Und auch der ist nur sicher, wenn der Arbeiter das ihm gesetzte Ziel erreicht. Ein Erntearbeiter müsse fast eine Tonne am Tag ernten, um sein Leistungsziel zu erfüllen, sagt Meghna Abraham von Amnesty. Andernfalls drohen Lohnabzug oder Suspendierung von der Arbeit.

Um die persönlichen Ziele zu erreichen, sehen sich manche Arbeiter gezwungen, auch Frau und Kinder einzuspannen. "Ich habe meinen ältesten aus der Schule genommen, weil ich es allein nichts schaffe. Ich brauche ihn, um mir bei der Arbeit zu helfen", sagt ein Arbeiter. Ein anderer lässt seine acht, zehn und zwölf Jahre alten Kinder mitarbeiten. Insgesamt gibt Amnesty an, Interviews mit fünf Kindern geführt zu haben, die auf der Plantage schuften müssen. Die Arbeit ist körperlich hart, die Kinder müssen die Palmölfrüchte in Schubkarren über unebenen Grund transportieren. Allein eine Frucht wiegt zwischen 20 und 25 Kilogramm. 

Palmöl-Industrie: Auch Frauen schlecht behandelt

Ein weiterer Vorwurf: Auch Frauen werden besonders schlecht behandelt. Sie würden meist nicht fest eingestellt, weil sie wegen Schwangerschaft schneller ausfallen, berichtet eine Frau. Sie müssen Pestizide versprühen, die bei uns nicht zugelassen sind, und das ohne ausreichende Schutzkleidung.

Plantagenbetreiber Wilmar erklärte Amnesty, dass ihnen einige der Probleme bekannt seien und dass sie bereits Schritte eingeleitet hätten, diese zu lösen. Es handle sich um "typische Herausforderungen der gesamten Industrie".

Nestlé verweist darauf, seine Zulieferer müssten einen "Code der Menschenrechte, Sicherheit, Umweltschutz und Business-Integrität" einhalten. Unilever erklärte, man arbeite an "Langzeitlösungen, um sicherzustellen, dass Arbeiterrechte respektiert werden". Kellogg's teilt mit, dass das einzige Wilmar-Palmöl, das die Firma verwende, nach China gehe. Und Procter & Gamble verweist darauf, dass Kinderarbeit und Zwangsarbeit für das Unternehmen verboten seien und verspricht, Wilmar mit den Recherchen zu konfrontieren.


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