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Nachhaltigkeit: Nestlé hat Ärger wegen Palmöl - allerdings anders als gedacht

Das wichtigste Kontrollgremium für nachhaltiges Palmöl, kurz RSPO, hat Nestlé rausgeschmissen. Offiziell habe der Konzern gegen Auflagen verstoßen. Doch dahinter steckt mehr, denn ausgerechnet Nestlé will strengere Standards durchsetzen.

Nestlé hat Ärger mit Palmöl-Initiative

Nestlé hat Ärger mit Palmöl-Initiative

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Der Schweizer Konzern hat mal wieder Ärger mit Palmöl. Das Fett findet sich in Produkten des Lebensmittelherstellers: Ohne Palmöl gäbe es keine Schokoriegel wie Kitkat oder Lion. Der Einsatz dieses Öls steht seit Jahren in der Kritik, denn große Flächen Regenwald werden für die benötigten Plantagen abgeholzt. Das ist schlecht fürs Klima und eine Katastrophe für die Flora und Fauna in den Regionen. 

Auf Druck von Umweltschützern wurde vor rund 14 Jahren der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) ins Leben gerufen. Dieser Zusammenschluss von Bauern, Händler, Herstellern, Einzelhandel und Umweltschützern hat verbindliche Standards festgelegt, um den Anbau von Palmöl zu überwachen. Auch Nestlé zählt zu den Gründungsmitgliedern des RSPO. Doch nun gibt es Ärger, denn Nestlé soll laut einer Mitteilung des Kontrollgremiums rausgeflogen sein. "Wir werden Nestlé eine Frist von 30 Tagen einräumen, um den Kunden die Aussetzung mitzuteilen und ihnen somit die Möglichkeit zu geben, nach Alternativen zu suchen", heißt es weiter. Nestlé haben gegen Auflagen verstoßen, so das Gremium. Konkret soll Nestlé die Berichtspflicht verletzt haben und auch den Mitgliedsbeitrag von 2000 Euro nicht gezahlt haben. 

Nestlé will neue Standards beim Palmöl

Auf den ersten Blick scheint Nestlé die Spielregeln nicht eingehalten zu haben. Doch es steckt mehr dahinter: "Wir waren der Meinung, dass der aktuelle RSPO-Standard im Widerspruch zu höheren Standards steht, die wir von unseren Lieferanten und der Lieferkette verlangen", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" einen Sprecher des Konzerns. Offenbar gibt es hinter den Kulissen Streit - und ausgerechnet Nestlé macht sich für stärkere Standards stark. 

Nestlé hat nach massiver Kritik von Greenpeace vor einigen Jahren seine eigenen Anforderungen verschärft. Vor zwei Jahren attestierte Greenpeace bei Nestlé echte Fortschritte. Das Unternehmen bemühe sich, die Standards weiterzuentwickeln. 

Und das ist in den Augen der Umweltschützer auch dringend notwendig, denn die Standards des RSPO lassen es weiterhin zu, dass Moore oder Wälder in Plantagen umgewandelt werden und giftige Pestizide zum Einsatz kommen.

Nestlé und die Palmöl-Probleme

Der Rausschmiss von Nestlé beim RSPO zeigt die massiven Probleme beim Einsatz von Palmöl auf. Die Akteure scheinen sich selbst nicht einig zu sein, wie streng die Regeln sein sollen. In dem aktuellen Bericht der Umweltschutzorganisation "Eye on the Forest" wird angeprangert, dass große Händler ihr Palmöl heimlich aus Naturschutzgebieten beziehen und sich nicht an Gesetze halten würden - und trotzdem weiterhin beim Runden Tisch mitmachen. Tatsächlich wurde auch Nestlé von einem kritisierten Händler beliefert. "Wir begrüßen die Informationen, die uns Eyes on the Forest zukommen lässt", lässt Nestlé die "Süddeutsche Zeitung" wissen. 

Strengere Regeln beim Palmöl - das müsste Umweltschützer eigentlich freuen. Doch der Alleingang von Nestlé wird vom WWF kritisiert. "Wenn jeder sich seine eigenen Verpflichtungen bastelt, lässt sich das kaum noch kontrollieren", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" die Palmöl-Expertin Ilka Petersen vom WWF. Die Umweltorganisation hatte den RSPO mit ins Leben gerufen. Ein Auseinanderbrechen des Gremiums wäre ein herber Rückschlag. Immerhin seien die Regeln dort transparent und die Zertifizierung würde vom TÜV geprüft, so die "Süddeutsche Zeitung"

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kg