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Politikerin fordert Nutella-Boykott Was ist eigentlich Palmöl?

Palmöl-Früchte und Nutella - das umstrittene Pflanzenöl
In Nutella ist das umstrittene Palmöl (rechts: Früchte der Ölpalme) enthalten. Gibt es Alternativen?
© Picture Alliance
In Nutella ist das umstrittene Palmöl enthalten. Frankreichs Umweltministerin möchte, dass die Verbraucher aufhören, den beliebten Schokoaufstrich zu essen. Aber was ist Palmöl eigentlich, und gibt es Alternativen dazu?

Tagtäglich kaufen wir im Supermarkt Produkte, die Palmöl enthalten. Das so begehrte wie umstrittene Pflanzenöl steckt in Lebensmitteln wie Margarine, Pizza, Keksen, Schokoriegeln oder Suppen und anderen Fertiggerichten, aber auch in Waschmitteln, Reinigungsmitteln oder Kosmetika wie Cremes und Lippenstiften, in Kerzen oder Kraftstoff. Wir können ihm kaum entgehen.

Begehrt ist das Öl unter anderem, weil es für die Industrie billig herzustellen und äußerst vielseitig einsetzbar ist. Auf einer ein Hektar großen Ölpalmen-Plantage können im Schnitt 3,69 Tonnen Palmöl erzeugt werden. Das ist fünf Mal mehr, als eine gleichgroße Fläche Soja an Öl hervorbringt, und vier Mal mehr als eine entsprechende Fläche Sonnenblumen an Öl liefert. Das macht das Palmöl zu einem der weltweit wichtigsten Pflanzenöle. 

Doch seine Produktion schadet der Umwelt in höchstem Maße, was das Fett so umstritten macht: Für den Anbau der Ölpalmen werden regelmäßig riesige Flächen der tropischen Regenwälder zerstört und damit auch der Lebensraum vieler Tierarten. Vor allem deshalb rief Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal dazu auf, Nutella zu boykottieren. Denn in dem beliebten Schokoaufstrich von Ferrero ist ebenfalls Palmöl enthalten. 

Ertragreiche Ölpalme

Worum genau handelt es sich bei dieser Zutat? Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird. Da sein Anteil an gesättigten Fettsäuren recht hoch ist, zählt es nach Ansicht mancher Ernährungsexperten nicht zu den gesündesten Fettsorten. "Rapsöl und Olivenöl beispielsweise sind für die Ernährung viel gesünder", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Neben dem Öl aus dem Fruchtfleisch wird übrigens auch aus den Kernen der Früchte ein Öl gewonnen, wenn auch in deutlich geringerer Menge: das Palmkernöl. Auch das enthält viele gesättigte Fettsäuren.

Ursprünglich stammt die Ölpalme aus Afrika, heute wird sie hauptsächlich in Indonesien und Malaysia sowie in Südamerika angebaut. Insgesamt liegt der weltweite Verbrauch pro Jahr bei mehr als 55 Millionen Tonnen (2011), davon landen etwas mehr als zwei Drittel, also 37,4 Millionen Tonnen, in Nahrungsmitteln, und zwar in konventionellen wie in Bio-Produkten. Wie viel Fläche für diese unvorstellbar hohen Mengen benötigt wird, lässt sich leicht hochrechnen: Wenn eine ein Hektar große Ölpalmen-Plantage rund 3,7 Tonnen Öl hervorbringt, bräuchte man für 55 Millionen Tonnen Öl eine 15 Millionen Hektar große Fläche - das entspricht einem Viertel der Fläche Deutschlands. 

Palmöl ist kennzeichnungspflichtig

Viele Verbraucher sind inzwischen sensibilisiert und versuchen, weniger Produkte zu kaufen, die Palmöl enthalten. Es ist nicht immer leicht, ihm vollständig aus dem Weg zu gehen, eben weil es so allgegenwärtig ist, aber es ist nicht unmöglich.

Eine Maßnahme wäre zum Beispiel, vermehrt auf frische Lebensmittel zu setzen und Fertigprodukte deutlich einzuschränken. Wer selbst kocht, greift ohnehin eher zu Raps-, Oliven oder Weizenkeimöl. Einige Hersteller, vor allem von Bio-Produkten, ersetzen Palmöl inzwischen durch Raps- oder Sonnenblumenöl, etwa bei Schokolade oder Schokoaufstrichen. Das ist entsprechend auf der Packung angegeben, etwa mit einem gezielten Hinweis ("Palmöl-frei").

Seit dem 13. Dezember 2014 ist Palmöl kennzeichnungspflichtig. Laut EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) muss auf der Zutatenliste die Herkunft des Öls genannt sein. Da steht nun also "Rapsöl“, "Sonnenblumenöl", "Sojaöl" - oder eben "Palmöl". "Das war überfällig", sagt Schwartau. "Vorher konnte man Palmöl hinter der Bezeichnung 'pflanzliches Öl' oder 'pflanzliches Fett' gut verstecken. Nun sind viele erstaunt, in wie vielen Produkten überall Palmöl steckt." Trotz Kennzeichnungspflicht sollte man aber genau auf die Zutatenliste schauen, ergänzt die Verbraucherschützerin, denn noch immer werde Palmöl untergemogelt.

Erste Online-Shops haben sich auf palmölfreie Produkte spezialisiert, etwa Memo oder Veganese. Ansonsten helfen Produktlisten im Internet, palmölfreie Produkte zu finden, etwa die von Umweltblick.de, sortiert nach Produktgruppe. Die Seite bietet auch eine mobile Einkaufshilfe als App für das Smartphone.


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