VG-Wort Pixel

Französische Sozialisten Aubry rückt näher an Hollande heran


Die Kontrahenten stehen fest. In einer Wochen wollen die französischen Sozialisten ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr küren. Egal wer gegen Nicolas sarkozy antreten wird, die Franzosen zeigen schon jetzt eine eindeutige Tendenz.

Die Vorwahlen der französischen Sozialisten für ihren Präsidentschaftskandidaten verlaufen spannender als erwartet: Der Favorit François Hollande konnte sich in der ersten Runde am Sonntag zwar wie erwartet an die Spitze setzen, die bisherige Parteichefin Martine Aubry rückte dahinter aber unerwartet nahe auf. Bei der entscheidenden Stichwahl zwischen beiden am nächsten Sonntag ist nun alles offen.

Noch vor wenigen Monaten hätte kaum jemand auf Hollande gesetzt. Zum einen stand er lange im Schatten seines Parteigenossen Dominique Strauss-Kahn, der als aussichtsreichster Anwärter galt, bis die Vergewaltigungsklage in den USA ihn im Mai aus dem Rennen warf. Zum anderen sahen viele in ihm noch den unscheinbaren Vorsitzenden der Sozialistischen Partei, die unter ihm zwei Präsidentenwahlen verlor.

Für den 57-jährigen Hollande stimmten nach Auszählung von mehr als 85 Prozent der Stimmen 39,2 Prozent der sozialistischen Anhänger, für die 61-jährige Aubry vom linken Parteiflügel votierten nach Angaben der Wahlkommission 30,7 Prozent und damit mehr als vorhergesagt. Zwischen beiden soll es eine Stichwahl geben, deren Sieger im nächsten Jahr voraussichtlich gegen den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy bei der Präsidentenwahl antreten. Es ist das erste Mal in der Geschichte Frankreichs, dass eine Partei ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl durch Vorwahlen bestimmen lässt. Die Partei wertete es als Riesenerfolg, dass sich rund 2,5 Millionen Wähler beteiligten.

Mann gegen Frau

Entscheidend für die Stichwahl ist nun, wie sich die Wähler der ausgeschiedenen vier anderen Kandidaten verhalten werden. Nach Hollande und Aubry kam Arnaud Montebourg vom linken Parteiflügel mit 16,8 Prozent überraschend auf den dritten Platz. Ob der 48-Jährige noch am Montag eine Empfehlung für die Stichwahl abgeben wird, war zunächst unklar. Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin bei der Wahl 2007, Ségolène Royal, landete mit 6,9 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz, vor Manuel Valls (5,7 Prozent) und Jean-Michel Baylet (0,7 Prozent). Hollandes frühere Lebensgefährtin Royal nannte ihr Ergebnis "sehr enttäuschend".

Hollande warb noch am Sonntagabend um Unterstützung und machte deutlich, dass er das Votum des linken Parteiflügels für eine weitreichende Veränderung in der französischen Politik registriert habe. Er wolle alle zusammenbringen. Parteichefin Aubry sagte, sie stehe für den Wechsel. Sie könne Sarkozy nächstes Jahr schlagen und habe die Chance, als erste Frau in Frankreich Präsidentin zu werden.

Harte Gegner für Sarkozy

Interims-Parteichef Harlem Désir, der wegen der Präsidentschaftskandidatur von Aubry vorübergehend an der Spitze der Partei steht, sprach angesichts der starken Beteiligung an den Vorwahlen von einem "historischen Ereignis". Die Sozialisten hatten im Vorfeld auf mindestens eine Million Teilnehmer gehofft. An der Vorwahl teilnehmen konnten alle wahlberechtigten Franzosen, die sich zu den Werten der Linken bekennen und einen Euro spendeten.

Die Präsidentschaftswahl findet im kommenden Frühjahr statt. Meinungsumfragen zufolge hätten sowohl Hollande als auch Aubry gute Aussichten, Sarkozy abzulösen, der seine Kandidatur noch nicht offiziell gemacht hat. In Umfragen liegt der Amtsinhaber seit Monaten hinten.

ono/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker