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"Der verbotene Schlüssel": Voodoo im Herrenhaus

Eva konnte es einfach nicht lassen, vom Apfel der Erkenntnis zu naschen. Und auch im Okkult-Thriller "Der verbotene Schlüssel" ist eine patente junge Frau allzu neugierig - mit gruseligen Folgen.

Als die Krankenschwester Caroline ihre neue Stelle als Privatpflegerin des sterbenden Schlaganfall-Patienten Ben antritt, bekommt sie von dessen Ehefrau Violet einen Generalschlüssel für alle Türen im Haus ausgehändigt. Und was ist das für ein Haus: eine verwitterte Plantagenvilla, umgeben von einem verwunschenen tropischen Garten, mit Kronleuchtern, labyrinthischen Gängen, verschatteten Räumen. Es liegt im Hinterland von New Orleans, wo sich Alligator und Moskito gute Nacht sagen, wo bei magischen Flüchen französisch gemurmelt wird, und wo die Lynchjustiz hinter jeder Ecke lauert. Und als der stumme, gelähmte Ben, der ab und zu aus dem Rollstuhl ausbüxt, stille Hilferufe aussendet, fragt sich die rationale junge Frau schließlich, ob das Haus oder Violet den Mann verhext hat.

Man darf Wetten abschließen, wie lange es dauert, bis die handfeste Krankenschwester an der Tür der verstecktesten Kammer rüttelt und, als der Schlüssel nicht mehr nützt, ihre Haarklammer zum Dietrich umfunktioniert. Das in der Kammer befindliche Brimborium ist viel versprechend. Regisseur Iain Softley verzichtet in seiner Schauermär absichtlich auf computerisierten Spezialeffekten-Mummenschanz zugunsten eines handgemachten Hokuspokus, der lange außer Mode war - wie Hühnerskelette, selbstgestrickte Verwünschungs-Püppchen zum Hineinstechen, Pülverchen, die man vorm Zubettgehen auf die Schwelle streut, damit böse Geister abgeschreckt werden. Die traditionelle Verfluchungs-Methode ist in diesem Landstrich nicht Voodoo, sondern das hausfraulich-unspektakuläre Hoodoo, ein aus dem Volksglauben von Sklaven und französischen Einwanderern zusammengebrauter Kult, der hiermit zum ersten Mal auf der Leinwand auftaucht.

Die Schlusspointe hat es in sich

Der Gruselthriller hat einen vergleichsweise subtilen Ausgangspunkt, denn alles dreht sich um die Gretchenfrage des Glaubens: Behält die zugereiste Krankenschwester die Nerven oder lässt sie sich in den Sumpf des Aberglaubens hineinziehen? Lässt sie sich von Violets Mantra der vermeintlichen Magie des "alten Südens" das Hirn vernebeln oder hält sie das Beschwörungs-Gebrabbel weiterhin für Selbstsuggestion? Und vielleicht ist ein Beschwörungsritual statt einer Spritze ja einen Versuch wert, alternative Medizin sozusagen.

Kate Hudson macht sich überraschend gut in ihrer ersten erwachsenen Rolle, gewinnt als beherzte, manchmal unsympathische Kämpferin gegen das ominöse Böse charakterliche Konturen. Vor allem aber glänzen ihre betagten Altstars Gena Rowlands als undurchschaubar biestige Violet und John Hurt als Ben, dessen Stammeln und panischer Blick erst am Ende volle Bedeutung erlangen. Psychologisch und atmosphärisch ist der unironische Film sehr dicht und zieht aus der morbiden Umgebung ein Maximum an Beunruhigung - wie etwa aus Spiegeln, aus denen, so munkelt man, beim Hineinblicken Geister herausschauen. Das Wetter spielt ebenfalls mit, lässt Fenster klappern und sorgt für passende Blitze; schwarzweiße Rückblenden auf einen rassistischen Mord verschaffen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Die inszenatorische Sorgfalt kann allerdings kaum überdecken, dass die Details so ausgetreten sind wie die Treppenstufen im Herrenhaus. Und bis der Teufel die armen Seelen holt, plätschert der übersinnliche Krimi zeitweise zäh und spannungslos dahin. Aus der Schläfrigkeit reißt einen aber der Showdown mit seiner gnadenlos fiesen Pointe, die dem Film rückwirkend Raffinesse verleiht. Für gepflegte Gänsehaut reicht es allemal.

Birgit Roschy/AP

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