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Neuer Film mit Florian David Fitz: Lügenpresse auf der Leinwand

Der Polit-Thriller "Die Lügen der Sieger" versucht sich als deutsche Antwort auf die US-Serie "House of Cards". Es geht um Verschwörungen, Intrigen und Verrat - in Regierungskreisen und bei der Bundeswehr.

Florian David Fitz in dem Polit-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Florian David Fitz in seiner Rolle des investigativen Journalisten im Polit-Thriller "Die Lügen der Sieger"

Super, denkt man sich. Auf diesen Film, denkt man, haben alle gewartet. Ein Polit-Thriller, der den Einfluss von Lobbyisten und Spin-Doktoren auf Politik und Medien in Berliner Regierungsviertel durchspielt! So wie wir das aus US-Serien über die Intrigen von Washington lange kennen.

Ja, solch einen Film würde man sich gerne anschauen. Also ist man gespannt, wenn Regisseur und Drehbuchautor Christoph Hochhäusler mit "Die Lügen der Sieger" genau das verspricht. Bei ihm ist der Held ein investigativer Journalist, gespielt von Florian David Fitz. Der Mann ist auf der Spur dubioser Machenschaften bei Bundeswehr und Müllmafia. Lobbyisten versuchen, ihn zu stoppen.

Fesselnde Schauspielleistung

Um es vorweg zu sagen: Hochhäuslers Film ist sehenswert. Er ist atmosphärisch dicht. Fitz als Reporter Fabian Groys und Lilith Stangenberg als Volontärin Nadja Koltes fesseln mit ihrer Schauspielleistung. Aber eher wegen der Spannung, die sich zwischen den beiden Protagonisten aufbaut, weniger wegen der polit-medialen Thriller-Handlung.

Bei der fehlt nämlich, leider, der Thrill. Viel zu früh ist dem Zuschauer klar, wer den Kampf gewinnen wird: die Bösen nämlich, in Gestalt eines gewissenlosen Firmenbosses und der von ihm in Berlin-Mitte angeheuerten professionellen Lobbyisten.

Exklusive Trailerpremiere "Die Lügen der Sieger": Was die Lügenpresse wirklich antreibt


Während die beiden Journalisten im zwar glamourösen, aber altersschwachen Porsche über die Straßen rasen, sind ihnen die Firmenleute immer ein Stück voraus. Sie nehmen den Wirtschaftsminister für sich ein, sie überwachen die Recherche der Reporter fast in Echtzeit - und schaffen es am Ende, eine manipulierte Version der Wirklichkeit als Titelgeschichte beim fiktiven Nachrichtenmagazin "Die Woche" unterzubringen.

Denn der angeblich renommierte Investigativreporter Fabian Groys ist zwar ziemlich cool drauf, aber auch eine ziemlich prekäre Existenz. Er hat Spielschulden. Er ist bereit, mal eben einen Ministerialbeamten zu bestechen und klaffende Beweislücken in seiner Story einfach hinzunehmen. Im richtigen Leben hätte einer wie er keine große Überlebenschance im Magazinjournalismus. Genauso wie einem in großen Redaktionen schwerlich eine Volontärin begegnen wird, die so naiv-versponnen ist wie Groys’ Kollegin und dann Geliebte.

Zerrbild vom Journalismus

Weil die Macher des Films vorher mit echten Journalisten gesprochen haben, ist nicht alles unrealistisch in "Die Lügen der Sieger". Natürlich gibt es Beratungsagenturen, denen es gelingt, manchen Zeitungen genehme Storys unterzujubeln. Natürlich hat der Filmheld recht, wenn er die Volontärin aufklärt, dass Fakten allein nicht genügen: "Man muss eine Geschichte erzählen."

Dennoch zeichnet "Die Lügen der Sieger" ein Zerrbild. Wie meist in deutschen Kinofilmen und öffentlich-rechtlichen TV-Serien sind die Journalisten auch hier viel zu sehr Gestalten am Rande der Gesellschaft, im abgerissenen T-Shirt und mit unstetem Lebenswandel. Den Mächten des Bösen sind sie einfach nicht gewachsen.

Es sei "wichtig zu verstehen", sagt Regisseur Hochhäusler, "dass die öffentliche Meinung in der gleichen Art und Weise geschrieben wird, wie Fabian von uns Drehbuchautoren geschrieben wurde".

Nein, so simpel ist es nicht. In der Schlussszene des Films sieht man Fabian Groys zu Hause in der Altbauwohnung, die Kamera schwenkt auf seine zahme Ratte in ihrem Käfig, und ihr Hamsterrad sieht man auch. Sorry, aber ein bisschen subtiler hätte es schon sein dürfen.