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"Free Rainer - dein Fernseher lügt": Trash-TV: nein danke!

Ausweg aus der Verblödung: Der Film "Free Rainer" von Hans Weingartner zeigt die Rebellion eines TV-Produzenten in der Sinnkrise gegen Shows wie "Dschungelcamp", "DSDS" oder "Germanys Next Topmodel". Auf den Jugendmedientagen in Leipzig haben sich die Journalisten von morgen kritisch mit dem Streifen beschäftigt.

JMT-Teilnehmer berichten

Der Showproduzent Rainer (Moritz Bleibtreu) entwickelt stumpfsinnige Sendeformate für den fiktiven Privatsender TTS. Skrupellos vermarktet er geschmacklose Ideen in seinen TV-Projekten und wird dank sehr hoher Einschaltquoten zum gefeierten Star des Senders. Doch in Rainers Gewissen brodelt es: Kokain, Alkohol und Wutausbrüche demonstrieren seine innere Zerrissenheit. Er fühlt sich einerseits schuldig für die Verdummung der Gesellschaft durch primitive Unterhaltung im Fernsehen, andererseits ist er in seiner erfolgreichen Karriere gefangen. Hohe Quoten für sein Unterschichten-TV machen investigativen Journalismus unmöglich. Nach dem missglückten Mordanschlag eines Opfers seiner Meinungsmache ändert sich Rainers Handeln radikal.

"Endlich wird Kritik an den Medien geübt"

Der Film von Regisseur Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") stieß auf unterschiedliche Reaktionen: "'Utopische Geschichte, die Fernsehschaffenden waren zu abgehoben und zugedröhnt dargestellt", sagt die 21-jährige Stefanie. Dominik, 19, Student und freier Journalist, dagegen ist begeistert: "Endlich wird mal Kritik an den Medien geübt". Die beiden gehören zu über 300 jungen Medienmachern, die auf den Jugendmedientagen (JMT) 2007 in Leipzig den Film gemeinsam gesehen haben.

Die kritische Auseinandersetzung mit Medieninhalten ist wesentlicher Bestandteil der JMT-Workshops, Seminare und Podiumsdiskussionen mit Persönlichkeiten aus der Welt des Journalismus. "Der Film ergänzte inhaltlich die Ergebnisse der Diskussionen sehr passend", sagt die Teilnehmerin Kimjana Curtarz.

IMA alias GfK wird auf die Schippe genommen

"Free Rainer" begeisterte den größten Teil der medieninteressierten Jugendlichen, weil er die Realität des Medienalltags, etwa die Arbeit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), im Film als "IMA" persifliert, fast dokumentarisch darstellt. Denn Rainer macht eine entscheidende Wende durch: Nachdem er bei einem Anschlag beinahe getötet wurde, fasst er den Entschluss, dass Fernsehen mehr als hirnlose Unterhaltung bieten muss. Sein Versuch, eine anspruchsvolle Sendung zu etablieren, scheitert an vernichtenden Quoten.

Eine Verschwörung witternd setzt sich Rainer erstmals intensiv mit der Quotenerhebung auseinander und stellt erschrocken fest, dass der von ihm produzierte "Müll" tatsächlich von einer Vielzahl von Zuschauern gesehen wird. Deshalb trifft er eine Entscheidung, die sein Leben verändert: Er beginnt die Quotenermittlung systematisch zu manipulieren. Mit diesem gewagten Schritt startet er eine Revolution der deutschen Fernsehkultur.

Film hinterlässt bleibenden Eindruck

Bei den Nachwuchsjournalisten hinterlässt der Streifen offenbar einen bleibenden Eindruck und den Wunsch nach besserem Fernsehen: "Ich dachte kurz darüber nach, meinen Fernseher zu verkaufen. Es wäre schon toll, wenn wir in einer so utopischen Welt voller Kulturbegeisterung leben würden", sagt Julia Becker, 21, aus Freiburg. "Nach diesem Film fordere ich ein Verbot von Trash-Sendungen aller Art", appelliert der 18-jährige Patrick Mayer, Mitarbeiter eines Jugendmagazins. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Der Film läuft am 15. November in den deutschen Kinos an.

Ein Bericht von Meino Hauschildt, Jan Kersten, David Bronn, Christian Schellenberger und Alexander Pöllmann